Den inneren Schweinehund austricksen

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Sportmediziner Dr. Michael Polte ist selbst gern mit dem Rad unterwegs F.: Y. S.-Redlich

Experten raten zur sportmedizinischen Untersuchung / Sport auch im Sommer

Sport und Bewegung im Alltag halten fit und geben uns ein gutes (Körper-)Gefühl. Zudem beugen sie zahlreichen Zivilisationskrankheiten vor und führen nicht selten zu einer deutlichen Verbesserung des Wohlbefindens bis hin zur Reduktion und Einstellung bestimmter Medikamente.
Wer sich mit dem Gedanken trägt, aktiv in einen Sport einzusteigen oder ein großes Ziel wie einen Marathon anstrebt, dem sei
vorab der Gang zum Arzt empfohlen. Dr. Michael Polte ist Sportmediziner und berät regelmäßig Patienten am neuen MVZ des Carl-Thiem-Klinikums Cottbus.
Wie fit sind sie denn die Lausitzer?
Im Grundsatz sind die Menschen der Region recht sportlich. Allerdings ist unsere Gesellschaft insgesamt längst nicht mehr so aktiv wie vor ein paar Jahrzehnten. Wir sind bequemer geworden, auch weil an Arbeitsplätzen häufig die Bewegung wegfällt.
Was können wir tun?
Wichtig ist es, sich gesunde Gewohnheiten anzueignen, die reichen von der Ernährung (drei feste Mahlzeiten pro Tag sind ratsam) bis hin zu mehr Bewegung im Alltag.
Gar nicht immer so einfach.
Jeder kennt sicher den inneren Schweinehund. Für die meisten, gerade für Anfänger, empfehlen sich feste Trainingszeiten und Bewegung in der Gruppe. Gut ist es auch, die Sporttasche auf dem Weg zur Arbeit dabei zu haben. Da muss man sich manchmal ein bisschen selbst austricksen. (lacht.)
Warum empfiehlt sich ein sportmedizinischer Check?
Jeder bringt je nach Alter und medizinischer Vorgeschichte eine bestimmte physische Grundvoraussetzung und einen individuellen Fitnesszustand mit. Menschen mit Diabetes oder einer Schilddrüsenerkrankung benötigen mitunter oder gegebenenfalls andere Empfehlungen als jemand mit Bluthochdruck. Die Einnahme von Medikamenten beeinflusst die Wahl der Sportart oder den Umfang der Trainingseinheiten.
Wann sollten langjährige Sportler zum Check?
Wenn sie sich sportliche Ziele stecken, die über den aktuellen Leistungsstand oder das bis-
herige Training hinausgehen
wie ein Marathon oder die Teilnahme am Iron Man. Einige
haben aber auch Beschwer-
den bei bestimmten Tätigkeiten, wie Knieprobleme beim Jog-
gen.
Was passiert bei der sportmedizinischen Untersuchung?
Allen voran steht die Anamnese. Ich erfrage Ziele und Motivation des Checks und natür-
lich die medizinische Vorgeschichte. Dann folgen entsprechende Untersuchungen wie
beispielsweise ein Bluttest oder eine Einheit auf dem Belas-
tungs-Ergometer. Am Ende steht ein auswertendes Gespräch.
Wie viel Zeit sollte ein Patient einplanen?
Erfahrungsgemäß bis zu dreimal eine halbe Stunde.
An wen wende ich mich für eine Untersuchung?
Entweder kommen Patienten über den Hausarzt oder sie melden sich direkt beim Sportmediziner.
Und wer übernimmt die Kosten für so eine sportmedizinische Untersuchung?
Bei medizinischer Begründung übernimmt sie die Krankenkasse. Eine rein informative Beratung, Trainingsplanerstellung, Ernährungsberatung und/oder Tauglichkeitsuntersuchung ist eine Selbstzahlerleistung, die einige Krankenkassen wie beispielsweise die Knappschaft seit neuestem zurückerstatten.
Abschließende Frage: Ist Sport im Sommer überhaupt ratsam?
Mittagshitze sollte natürlich vermieden werden. Auch eine Kopfbedeckung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind unabdinglich, dann steht dem Sportvergnügen auch im Sommer nichts im Weg. Und beim Schwimmen ergänzen sich Sport und Erfrischung sogar.
Vielen Dank
für das Gespräch.

Das Interview führte
Y. Simon-Redlich