Energie bewies gegen Ahlen noch einmal seinen Unterhaltungswert

Wenn am letzten Spieltag der Zehnte gegen den Letzten spielt, kann man eigentlich keine spannende Begegnung mehr erwarten. So hieß es, der FCE wolle in die erste Tabellenhälfte rutschen. Die Fans forderten gar die „ostdeutsche Meisterschaft“. Als Zielsetzung reichte das aus, um den 4:1-Erfolg über Rot Weiss Ahlen gebührend zu feiern. Zumindest nach der Pause bot unsere Cottbuser Truppe auch eine ansprechende Leistung. Zuvor drohte sie den in den jüngeren torreichen Spielen aufgebauten Kredit zu verspielen. So meinte es zumindest Trainer Pelé Wollitz und gestand, in der Halbzeit auch laut geworden zu sein.
Das Spiel war kaum angepfiffen, da versenkte Kruska einen zweifelhaften Elfmeter zum 1:0. Der einzige Höhepunkt in den ersten 45 Minuten. Ahlen wollte sich manierlich aus der Liga verabschieden und startete immer wieder Angriffe auf Tremmels Tor. Gefährlich wurde es allerdings nur selten. Energie ließ jegliche Laufbereitschaft vermissen. So durfte Wollitz zu recht wütend über die Tagesmoral seines Teams sein.
Der zweite Durchgang entschuldigte jedoch für vieles. Kweuke kam für Miatke und brachte sofort Schwung in die Partie. Nach einer Hereingabe von Kurth stand der Kameruner goldrichtig und musste die Kugel nur noch über die Linie drücken. Er unterstrich seinen Wert für die Mannschaft, überzeugte auch auf der ungewohnten rechten Außenbahn. Den Treffer des Tages, Julas Kopfball zum 4:1, bereitete er mit einem mustergültigen Flankenlauf vor. Die Mannschaft ließ sich von Kweukes Einsatzwillen anstecken und wollte zum vierten Mal in Folge vier Treffer in einem Heimspiel erzielen. Dass Tremmel in seinem letzten Spiel für den FCE keinen Treffer mehr kassierte, hatte er allerdings seinem Trainer zu verdanken. Nach einem schnell ausgeführten Freistoß stand Busch nämlich auf einmal allein vor Lehmanns Tor.
Energie ließ nichts anbrennen. Petersen traf nach einem weiteren Freistoß per Kopf zum 3:1. So durften sich alle drei eingesetzten Stürmer mit einem Tor von den Fans feiern lassen. Die Partie wurde so gegen einen dankbaren, aber engagierten Gegner zum versöhnlichen Saisonabschluss. Und die Neugier steigt schon jetzt, wie es nach der Sommerpause weitergeht.

Der inoffizielle „Ostdeutsche Meister“
Hinter dem FCE liegt eine wechselhafte Saison / Gelungenes Finale weckt neue Aufstiegshoffnungen
Die Bundesliga ging am vergangenen Wochenende so zeitig wie noch nie in die Sommerpause. Viele Cottbuser dürften aber froh sein, dass die Spielzeit schon Anfang Mai beendet ist, auch wenn der FCE am Ende noch einmal ansehnlichen Fußball zeigte und vor allem in den Heimspielen ein nicht vermutetes Potential offenbarte. Fünf der letzten sieben Partien gewann das Team von Pelé Wollitz, meist sogar deutlich. Nur in Oberhausen musste sich die Truppe geschlagen geben. Doch dieser Schlussspurt reichte mit Ach und Krach nur für den neunten Rang in der Abschlusstabelle. Mehr war in diesem Jahr nach dem Abstieg nicht drin. Zu groß war die Fluktuation in der Mannschaft. Die alten Haudegen mussten weg. Neulinge wie Kruska und Brzenska fanden erst nach Monaten ihren Platz in der Mannschaft. Auch die neuen Ideen des Trainers griffen erst spät, fast schon zu spät.
Schon den missratenen Saisonstart konnte der FC Energie erst mit einem Kraftakt am Ende der Hinserie ausgleichen. Als Zehnter und mit bescheidenen sieben Punkten Rückstand auf den Dritten kündigte Wollitz im Winter die viel zitierte „größte Aufholjagd Europas“ an und wollte sein Team damit doch noch Richtung Bundesliga trimmen. Vielleicht scherzhaft gemeint, ging dieser Schuss kräftig nach hinten los. Im neuen Jahr fand sich der FCE nach drei Niederlagen in Folge auf einmal im Abstiegskampf wieder. Die Zukunft des Trainers war gefährdet, ein Aufbäumen der Mannschaft nicht erkennbar. In der Rückschau machte Wollitz den Wendepunkt ausgerechnet in der 0:1-Niederlage gegen den FC St. Pauli aus. Die Mannschaft spielte stark und hatte den späteren Aufsteiger eigentlich am Rande einer Niederlage. Die Fans honorierten das mit Beifall, was dem Team offensichtlich einen Schub gab. Fortan triumphierte Energie in jedem Heimspiel mit vier Toren.
Die Mannschaft hatte sich nun endlich gefunden und den Umbruch abgeschlossen.
Zum fünften Mal in Folge steht der Verein nun an der Spitze aller ehemaligen DDR-Mannschaften. Ein fragwürdiger Erfolg in Anbetracht dessen, dass dafür der neunte Rang in der zweithöchsten Spielklasse reicht. So hat sich die finale Aufholjagd aber wenigstens gelohnt und in gewisser Weise konnte sich der FCE doch noch europäischen Ruhm sichern.
Damit das Wechselbad ab August nicht fortgesetzt wird, müssen Wollitz und Sportdirektor Michael Feichtenbeiner in den kommenden Wochen eine Menge Überzeugungsarbeit leisten. Die erste wichtige Personalie wurde unter der Woche schon geklärt. Den scheidenden Tremmel wird der 23-jährige Thorsten Kirschbaum ersetzen. Er stand in der abgelaufenen Saison in Sandhausen unter Vertrag. Der 14. der dritten Liga stellte allerdings die viertschlechteste Abwehr. „Er bringt alle Anforderungen des modernen Torwartspiels mit und hat Entwicklungspotential“, urteilte Wollitz. Auch in der U21-Nationalmannschaft durfte er schon ran. Den Posten als Nummer eins hat er in Cottbus noch nicht sicher. Wer sein interner Konkurrent wird, ist dagegen noch offen. Wahrscheinlich ist, dass Lehmann in Cottbus bleibt. Angelov und Burca werden sich wohl in der nächsten Woche entscheiden, ob sie den eingeschlagenen Weg weiter mitgehen wollen. Sollten auch sie gehen, muss Wollitz dringend erfahrene Verstärkungen für den jungen Kader präsentieren.
Auch im nächsten Jahr werden die bedeutendsten Verstärkungen wieder aus dem eigenen Nachwuchs kommen. Nebenbei werden die dieses Jahr kaum eingesetzten Ziebig und Sörensen zurückkommen. Für den Angriff auf die Aufstiegsränge reicht das aber nur, wenn die Stützen dieser Saison erhalten bleiben. Zumal mit Hertha BSC Berlin ein überlegener Kontrahent um die ersten Plätze mitspielt. Mit den letzten Leistungen ist in der nächsten Saison aber alles möglich.





