„Wir werden immer gute Jungs aus Cottbus und dem Umland haben“

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Um die Talente aus der Region kümmert sich der FCE -Nachwuchsleiter Matthias Heidrich Foto: M.K.

Energies Nachwuchsleiter Matthias Heidrich trainiert seit Juli die 2. Mannschaf:
Vor zwei Jahren kam der einstige Burghausener Mittelfeldspieler Matthias Heidrich nach Cottbus. Der in Hoyerswerda aufgewachsene Kicker trainiert seit Juli die U23 von Energie Cottbus, ist zudem Nachwuchsleiter beim FCE. Im Gespräch lobt er die gute Zusammenarbeit mit kleinen Vereinen, den Schulen und dem FC Energie Cottbus bei der Nachwuchsarbeit.
Herr Heidrich, wie wichtig ist die Nachwuchsarbeit der kleinen Vereine für den Drittligisten?
M. Heidrich: Die Vereine sind bedeutend, damit die Kinder zum Fußball finden. Es gibt ja heute unzählige Freizeitangebote, sich abzulenken. Wir, die praktisch am Ende der Ausbildungskette stehen, profitieren natürlich stark von den Talenten, die in den Vereinen aber auch Schulen im Sportunterricht entdeckt werden.
Was braucht es, damit die kleinen Vereine die Stars von morgen aufbauen können?
Es braucht engagiertes und qualifiziertes Personal unter den Trainern. Wenn beides zusammenkommt, ist das richtig Glück.
Was heißt das?
Es wäre natürlich schön, wenn schon im Kleinfeld immer Trainer mit entsprechenden Lizenzen arbeiten würden. Aber das ist gerade in den kleinen Vereinen nicht realistisch. Wichtig ist ein altersgerechtes Training.
Wie sieht das aus?
Möglichst einfach. Ein Beispiel: Statt Hunderte Hütchen in sieben Farben aufzubauen, reichen anfangs zwei kleine Kegel, um das Passspiel sauber zu erlernen. Wichtig sind des Weiteren natürlich die richtigen Korrekturen bei der Ausführung, um die Grundtechniken sauber zu erlernen.
Gibt es da Hilfen für ehrenamtliche Trainer, die keine Zeit haben, neben dem Beruf eine Lizenz zu erwerben?
Der DFB hat auf seiner Homepage eine Fülle von Anregungen zur Trainingsarbeit hinterlegt. Dort können sich immer entsprechend der Altersklasse Ideen und Anregungen für Übungen geholt werden.
Wie werden denn die wirklichen Talente entdeckt?
Es gibt Sichtungen. Vereine oder auch Sportlehrer in Schulen zeigen an, wenn sie Talente sehen. Zur 7. Klasse der Lausitzer Sportschule gibt es auch eine Sichtung vom Fußballlandesverband. Zudem können talentierte Jungs der sportbetonten Grundschule weiterhin in ihrem Verein spielen aber zusätzlich bei uns neben dem Stadion dreimal in der Woche trainieren.
Und wer hier übersehen wird?
Den geraden Weg zum Profifußball gibt es nicht. Es gibt viele Jungs aus kleineren Vereinen, die richtig gut sind und durch verspätete oder verzögerte Entwicklung den Weg in den Profifußball erst später schaffen
Sind Sie stolz auf die Nachwuchsarbeit von Energie?
Ja, ich bin stolz darauf, weil wir es schaffen, Schulinteressen, Vereinsinteressen und Verbandsinteressen zu bündeln. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal für den Standort Cottbus. Das muss auch so bleiben, sonst haben wir ein Problem.
Welches?
Wir besitzen nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten wie andere Vereine. Daher müssen wir funktionierende Strukturen weiter pflegen und ständig entwickeln. Wie gesagt, die Verbindung zwischen Verein, Schule, Internat und Verband ist das Pfund mit dem wir wuchern können. Vor Ort gehen wir hier einen guten Weg bei der Nachwuchsarbeit. Wir werden immer gute Jungs aus Cottbus und dem Umland haben. Da bin ich mir sicher. Den letzten und entscheidenden Schritt auf dem Rasen müssen die Spieler aber selbst machen.
Sie schauen also positiv in die sportliche Nachwuchsarbeit?
Auf jeden Fall. Ich bin ja auch erst zwei Jahre dabei und lerne ständig dazu. Wenn ein Großfeldjahrgang von der U14 bis zur U19/2. Mannschaft durchgelaufen ist, ergibt sich für mich ein Gesamtbild der Arbeit. Neugierig bin ich, wie sich die Jungs in diesen Jahren entwickeln werden.
Welche Rolle spielen die Eltern?
Für die Entwicklung der Jungs ist die Vermittlung von Werten sehr wichtig. Diese werden auch über die Eltern vermittelt und vorgelebt. Neben dem sportlichen Talent sind auch Ernsthaftigkeit, Zuverlässigkeit und der Umgang, also das Miteinander, gefragt. Vom Bambini bis zum Profifußballer ist es ein weiter Weg, und bis zum Ziel bleibt Beharrlichkeit gefragt. Auch Rückschläge gilt es zu verkraften und gestärkt daraus hervor zu gehen.
Lohnt er sich, der Weg?
Wenn man Fußball liebt, gibt es nichts Besseres, als Profi zu sein. Die Stimmung wie beim Pokalspiel unseres FC Energie gegen Mainz – das war doch toll, als beide Fanlager glücklich nach Hause gegangen sind.
Jetzt rollt beim Lausitzer Lokalfußball die Saison an. Verfolgen Sie privat auch kleinere Vereine und wenn ja, welche?
Den Kahrener SV. Da meine Kinder und viele Schulfreunde von ihnen in der E- und F-Jugend gemeinsam spielen, ergibt sich da ein besonderer Bezug.
Danke für das Gespräch
Es fragten Mathias Klinkmüller und Matthias Boddeutsch