
Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober will aufklären / Landesmesse am 21.10. in Cottbus
Cottbus (mk). Aufklärung tut Not, sagt der Geschäftsführer des Blinden-und-Sehbehinderten-Verbandes Brandenburg Joachim Haar. Schlechtes Sehen ist oft vermeidbar, weiß er. Zur Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober gibt es deshalb auch viele Angebote in Cottbus. In der Straße der Jugend 114 kann am 10. Oktober ab 10 Uhr die Blindenschrift erlernt werden. Am 11. Oktober um 15 Uhr wird an gleichem Ort der Umgang mit Smartphones erläutert. Das Handy von Joachim Haar beispielsweise spricht. Hierfür gibt es mittlerweile Apps. Das Hauptaugenmerk möchte der Verbandschef auf den 21. Oktober richten. Im Radisson Blu Hotel in Cottbus wird zum Patientenforum eingeladen. Von 10 bis 17 Uhr werden hier Aussteller zeigen, welche Hilfsmittel es für Sehbehinderte und Blinde mittlerweile gibt und wie diese anzuwenden sind. Der Eintritt zu dieser Ausstellung ist frei. Um 11 Uhr wird der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Jürgen Dusel, einen Vortrag zum neuen Teilhabegesetz halten. Joachim Haar ist von diesem Gesetzesvorschlag sehr enttäuscht. „Alles was Geld kostet, wurde gestrichen“, kritisiert er. Auch die Brandenburger Landesregierung habe sich positioniert, dem jetzigen Gesetzesentwurf nicht zuzustimmen, sagt der Verbandschef. Im Anschluss wird es um 11.30 Uhr einen Vortrag zum Thema „Chancen sehen – Teilhabe zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ geben. Weiter geht es um 14 Uhr mit dem Patientenforum. Thema ist hier die Auswirkung von Diabetis auf die Augen. Mit der Bedeutung von Kontrasten für sehbehinderte Menschen im öffentlichen Straßenverkehr beschäftigt sich um 16.30 Uhr der abschließende Vortrag. Um 20.30 Uhr klingt der Tag mit einem kulturellen Programm mit dem Cottbuser Postkutscher aus.
5876 Blinde
Wie Joachim Haar erklärt, beschäftigen sich viele Menschen erst mit dem Thema Sehbehinderung wenn sie selbst davon betroffen sind. Dabei sorge vor allem auch das zunehmende Alter für zunehmende Sehbehinderungen. Die vier häufigsten Erkrankungen sind der Grüne Star, der Graue Star, die Makuladegeneration und Schäden an der Netzhaut als Folge von Diabetis. Wer ein Drittel und weniger sieht, gilt in Deutschland als sehbehindert. Wer weniger als zwei Prozent sieht, als blind. In Brandenburg gibt es 5 876 blinde Bürger. Diese Zahl ist stagnierend, erklärt Joachim Haar. Der Verband versteht sich dabei als Sprachrohr der Betroffenen. So wird sich vor allem um die Eingliederung ins gesellschaftliche aber auch in das berufliche Leben gekümmert. 75 Prozent der Blinden sind arbeitslos. Auch Themen wie die zunehmende Elektromobilität spricht der Verband an. So sind Elektroautos in den USA mit einem Klingelgeräusch ausgestattet während sie in Deutschland beinahe lautlos unterwegs sind und ein Risiko für Sehbehinderte bilden.
Sehhilfe nach Bedarf
Sandra Endler von „Low Vision“ in der Cottbuser Friedrich-Ebert-Straße macht Sehbehinderten Mut, sich bei den Fachhändlern zu Sehhilfen beraten zu lassen.
In enger Zusammenarbeit mit dem Augenarzt wird bei ihr zunächst der Bedarf ermittelt. Die Lupenbrille zum Beispiel ermöglicht das vergrößerte Lesen von ganzer Seiten statt nur einzelner Zeilen wie bei der normalen Lupe und erleichtert so den Lesefluss.
Ist die passende Hilfe gefunden, kümmert sich Sandra Endler wieder in Zusammenarbeit mit dem Augenarzt um einen Antrag bei der Krankenkasse. Erst wenn die Kostenverteilung klar ist, wird die Sehhilfe bestellt.
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