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Feuilleton: Verspieltes „1984“ im Staatstheater Cottbus im Januar 2019

25. Januar 2019 | Von | Kategorie: Feuilleton |

Anmerkungen zu Cottbuser Szenen nach Orwell .

Feuilleton: Verspieltes „1984“ im Staatstheater Cottbus im Januar 2019

Winston Smith (Boris Schwiebert) und Parteigenossin Julia (Lisa Schützenberger) bewegen sich wie Roboter. Aber war da nicht noch irgendwas…? | Foto: Marlies Kross

Cottbus (hnr.) Orwells „1984“, erschienen 1969, erlebte 1984
auf dem (west)deutschen Büchermarkt einen zweiten Frühling, und der Paperback-Schmöker kursierte auch in Cottbus. Kaum ein Buch wurde damals, als jeder das „Ministerium der Wahrheit“ auf die „Firma“ übertrug, mehr verliehen. Totale Überwachung. Hatten wir schon (fast). Und jetzt? Wie geht das Theater mit den heutigen geheimdienstlichen Übergriffen, mit der Angst davor oder resignierender Gleichgültigkeit um?
Gar nicht. Bedrohliches kommt nicht vor. Gewiss: Das Datensammeln ist lästig und spioniert
Konsumverhalten für die Werbung aus. In einer Filmsequenz parlieren Gunnar Golkowski und Amadeus Gollner gefühlt endlos, wie nervig Smartphones sein können, und Leute von der Straße finden unerhört, dass jemand sich für ihren Einkaufskorb interessiert. Orwell bleibt auf der Strecke bei belanglosen Videospielereien, die der Kunst lebendiger Bühne schaden. Wer Kino will, geht in den „Weltspiegel“, nicht ins Große Haus am Schillerplatz. Thomas Lippick, für die Filmerei engagiert, lieferte auch keinesfalls Meisterwerke dieses Genres ab.
Was auf den Brettern blieb, konnte sich teilweise sehen lassen. Boris Schwiebert ist in futuristisch kahlem Raum unter riesigem Auge (Bühne Annette Breuer) der Zweifler an „Big Brothers“ Lehre. Genossin Julia (Lisa Schützenberger) irritiert ihn. Beide spielen das innere Ringen unter steifen Worthülsen sichtbar schmerzvoll aus. O’Brien (Gunnar Golkowski) ist genau der Typ, der Vertrauen säend sein Netz auswirft. Rolf-Jürgen Gebert und Amadeus Gollner geben weitere Figuren in diesem „Ozeaniens“, das Regisseur Andreas Nathusius am Schluss von einem Bürger-Sprechchor distanzierend kommentieren lässt. Es gab nach drei nicht immer erbaulichen Stunden höflichen Beifall.

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