Bauerntheater auf dem Olymp in Cottbus

Anmerkungen zu „Der Frieden“ von Peter Hacks auf der Cottbuser Bühne.

Die Cottbuser Musikspatzen in ihren exakten, musikalisch sauberen Auftritten hinterließen den besten Eindruck in dieser äußerst flachen Inszenierung von Peter Hacks’ Aristophanes-Bearbeitung „Der Frieden“ am Staatstheater Cottbus.
Die Cottbuser Musikspatzen in ihren exakten, musikalisch sauberen Auftritten hinterließen den besten Eindruck in dieser äußerst flachen Inszenierung von Peter Hacks’ Aristophanes-Bearbeitung „Der Frieden“ am Staatstheater Cottbus. Foto: Frol Podlesnyi

Cottbus. Der Olymp ist nicht mehr unerreichbar fern wie Ende Mai 1979, als Peter Röll den Weinbauern Hansdieter Neumann da hinauf schickte und der Text von Peter Hacks (1928-2003) die Gemüter im Parkett des damals noch Cottbuser Stadttheaters aufrüttelte. In den knapp 50 Jahren seither hat sich die Welt gravierender verändert als in der Zeit seit jenen griechischen Dionysosfesten, als der angriffslustige Aristophanes den verheerenden Folgen des peloponnesischen Krieges für Athen kabarettistisch beizukommen suchte. Für Regisseurin Christina Friedrich, einer geschichtsbeflissenen Bühnen- und Filmfrau sowie Romanautorin, liegt der Olymp in Cottbus; sie lässt ihn mit dem Krebswappen krönen und treibt unterhalb in langweilender Einfalt Schabernack, der, um das Publikum im zweiten Teil kurz vor Schluss zu erwecken, darin gipfelt, dass sie die müde Friedengöttin samt himmlischer Töchter nackt durch die Kulisse treibt. Das scheint ihrem Groll zu entsprechen, den sie auf den (einst systemnahen) Peter Hacks spürt. Gegen seine prüden Ansätze will sie Sinnlichkeit setzen, sagt sie in einem Interview, und den Frieden aus dem Brunnen befreien, in dem er seit Aristophanes gefangen ist. Drei Rollen sind mit Gästen besetzt, was die Textverständlichkeit nuschelnder Akteure nicht verbessert. Man wünscht sich endlich wahrnehmbare Hausregisseure und solides festes Spielpersonal zurück. Der neue Intendant hat viel vor der Brust.

Vom überformten Stück bleibt der Kern alter Handlung. Der Weinbauer Trygaios (Mario Fuchs a.G., kaum zu verstehen) fliegt auf einem flügellosen fetten Käfer bergwärts, um die Friedensgöttin zu befreien, die Zeus (Gunnar Golkowski in großen Gesten) weggesperrt hat. Engelsscharen und viel Musik wirken mit, geleitet vom Chorführer Markus Paul (sehr überzeugend) und unterstützt von den schnittigen Cottbuser Musikspatzen und Gesangsherren der Singakademie und des Theaterchors. Kunterbunte Kostüme lassen an Berchtesgadener Bauerntheater denken, das man auch (wegen der Mundart) kaum versteht. Der Hacks-Frieden bleibt wohl greifbar (wir sahen die Vorstellung nach der Premiere), aber Beifall gab es an diesem Samstagabend kaum.

J. Heinrich

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