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Die Elbe: Zur deutschen Grenze - Märkischer Bote - Märkischer Bote
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Die Elbe: Zur deutschen Grenze

7. August 2020 | Von | Kategorie: Reisen & Unterwegs |

Die Elbe: Zur deutschen Grenze

Stadtplatzpanorama inm belebten Leitmeritz. Markantes Wahrzeichen ist der Hussitenkelch auf dem jetzigen Rathaus

Von der Quelle bei Spindlermühle sind wir dem Fluss über Königgrätz (Hradez Kralove) zunächst nach Süden, entgegen seiner späteren Hauptrichtung, gefolgt. Inzwischen richtet sich die Elbe nach Nordwesten aus.
Hier also kommen sie zusammen – Moldau und Elbe. Während erstere bis hierher schon 430 Kilometer absolviert hat, kommt letztere viel kürzer und wasserärmer an. Sollte dann nicht die Moldau als Elbursprung gelten, womit der Fluss dann nicht knapp 1100, sondern 1 245 km lang wäre? Das ergäbe Platz 9 in Europa.
Die Namen wurden im Mittelalter verteilt – wer weiß, ob wirtschaftliche Erwägungen oder einfach Unkenntnis entscheidend waren. Es ist, wie es ist, und wir freuen uns über den schönen Markt von Melnik mit hübschen Brunnenmädchen. Gegenüber schmeckt das Eis vorzüglich, und dem Strom der jetzt nicht mehr ganz so vielen Menschen folgend, gelangen wir zum Schloss, von wo aus der Zusammenfluss (siehe Folge III) am besten zu sehen ist. Ja, sie kommt schokoladenbraun hier an, die Elbe, und erst langsam mildert das hellere Moldauwasser diese Eisentrübung.
Oben im Schloss erzählen die eifrigen Guides gern und viel über die Herren von Lobkowicz und so viele Königinnen, denen hier Witwenruhe versprochen ward. Melnik war ein Stück Herzzschlag von Böhmen. Wer will, nimmt nach einer Kellerführung wenigstens etwas Wein zum Nachschmecken mit. Karl IV., der manche Privilegien nach hier gab, soll auch Weinstöcke aus Bordeaux hier an die Elbhänge beordert haben.
Wir kommen etwas später in Leitmeritz/Litomerice, einst gegründet nach Magdeburger Stadtrecht, auf das gute tschechische Bier zurück und essen in einem der Lokale am weiten Stadtplatz vorzüglich böhmisch. Wir wissen: Zwischen dieser Stadt und Dresden durchbricht der Fluß mit aller Kraft breite Berghindernisse. Ein tief ausgekerbtes Tal entsteht im böhmischen Mittelgebirge, die Porta Bohemica. Traumhaft schön ragt vor Aussig/Usti der Schreckenstein in das grüne Tal, das hier durchaus schon einem Strome gehört. Ludwig Richter malte die Ruine, und den großen Phantasten Richard Wagner soll sie zum „Tannhäuser“ inspiriert haben. Wie das Melniker Schloss gehört auch dieses seit Jahrhunderten verfallen Anwesen den Lobkewicz’, und ein Braureikeller soll dort sogar noch in Betrieb sein. Die Stadt Aussig selbst wirkt nach diesem Romantik-Motiv eher ernüchternd. Es ist eine pulsierende Industriestadt mit vielen florierenden Branchen. Die prosperierende Wirtschaft bringt mit sich, dass mehrere Theater und ein äußerst lebhaftes Musikleben gesunden Boden finden. Mit ihren 93 000 Einwohnern und der günstigen Lage zwischen Erzgebirge und Böhmischem Mittelgebirge, aber auch an der Achse Prag-Dresden, hat diese Elb-Stadt bei wenig Tourismus doch gute Ausgangsbedingungen.
Bis Tetschen/Decin stoßen aus Quertälern noch weitere Wasserläufe zur Elbe hin, als größter die 102 km lange Ploucnice, die unter dem Namen der Polzen die Südseite des Lausitzer Gebirges entwässert. Auch Decin ist mit knapp 50 000 Einwohnern eine wirtschaftlich gesunde Stadt, allzeit schon profitierend von der Nähe zu Sachsen.
Hoch über den Häusern und über der Elbe steht auf einem Fels das Schloss, das schon eine sehr frühe Vorgängerburg hatte, die – der Fels bietet sich an – zur Überwachung der Schifffahrt gebaut wurde – eine vorwiegend soldatische Aufgabe. Die behielt das Schloss auch im 20. Jahrhundert mit tschechischem und russischen Militär. Erst in jüngerer Zeit wird es Besuchern ganz friedlich zugänglich gemacht.

Die Elbe: Zur deutschen Grenze

Hoch überm Fluss das Schloss von Tetschen/Decin. Ursprünglich war hier eine Burg zur Überwachung der frühen Elbschifffahrt

Nächste Folge:
Idylle um Bad Schandau

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