Jörg Duda schrieb eine „Sehnsucht nach Stille“
Cottbus. Die Überraschung eines geradezu artistischen und erstaunlich klangreichen Schlagzeug-Solokonzerts des vergangenen Abends hatten die Besucher noch in bester Erinnerung. Niemandem war es gelungen, daheim auf der Schuhsohle Musik zu fabrizieren, wie es auf der Theaterbühne vorgeführt worden war. Nun stand erneut Skepsis in den Blicken: Die Posaune als Soloinstrument?
Bassposaunist Stefan Schulz von den Berliner Philharmonikern ist ein absoluter Meister seines Instruments und weiß es weich und einschmeichelnd zu handhaben. Dafür hat ihm der Kirchenmusiker Jörg Duda ein Stück voller sanfter Harmonie geschrieben: „Sehnsucht nach Stille“. Die dunklen Farben erfüllen den Raum mit beruhigendem Klang. Duda hat Erfahrung mit solch solistischen Experimenten. Ein Tuba-Konzert brachte ihm 2013 den Echo-Klassik Preis. Der Solist und der Komponist erhielten hier in Cottbus herzlichen Beifall.
Den verdiente sich auch Ivan Repusic am Pult, der im zweiten Teil dieses 6. Philharmonischen Konzerts Dvoraks 9. Sinfonie auswendig und „aus der Hüfter“ dirigiert. Er weiß mit energischen Bewegungen das Orchester in seinem Sinne zu versammeln, ohne dass die Arme gen Himmel federn, wie das unser GMD Evan Christ in so begeisternder Weise zelebriert. Die Sinfonie „Aus der neuen Welt“, vielleicht die populärste des Komponisten, verbindet böhmische Klangtradition mit den Eindrücken des indianischen und Afro-Amerikas. Erstaunlich, dass Christ gerade diesen Ausflug in seine Heimat einem Gast überlassen hat. Aber er traute dem 1 . Kapellmeister der Deutschen Oper viel zu und hat sich nicht geirrt. Das – leider nicht sehr zahlreiche – Publikum applaudierte ganz begeistert.
Am Beginn des Abends stand ein weiterer Teil des „Cottbuser SoundLab“ – der Darstellung des Klanges von Cottbus. Jedenfalls so, wie ihn der Komponist Atli Ingolfsson hört und in eine Partitur gebracht hat, an der offenbar alle Musiker hier große Freude haben. Des Isländers Inspiration vergleicht wohl hiesige Geräusche mit Klängen seiner bizarren Heimat. J. Hnr.












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