Ein Heimspiel für Antje Weithaas

Die Cottbuserin Antje Weithaas begeisterte ihr Publikum
Foto: Giorgia Bertazzi

Konzertnachtrag: Die Geigenprofessorin ist eine waschechte Cottbuserin.

Cottbus (hnr.) Antje Weithaas, seit 2004 Geigenprofessorin an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ Berlin, ist eine vielbeschäftigte Frau. Nächstes Wochenende spielt sie mit dem MDR Sinfonieorchester Beethovens Violinkonzert in Ludwigsburg und Leipzig, Termine in Örebrö (Schweden), Tallin, Antwerpen und Poznan folgen, dann Soul in Südkorea und zwischendurch immer Aufgaben in der Schweiz…
Dass sie Cottbus im 4. Philharmonischen Konzert letztes Wochenende mit Mozarts Konzert für Violine und Orchester Nr. 5 A-Dur, KV 219, und mit einem Stück von Hector Berlioz beglücken konnte, war ein lang gehegter Wunsch von Evan Christ, dem letzten GMD am Hause: „Ich habe mich zehn Jahre um sie bemüht und konnte sie endlich für dieses Konzert verpflichten“, sagte er beim Spätabendplausch am Sonntag. Donato Cabrera aus San Francisco, der hier im Rahmen seiner Bewerbung um die Christ-Nachfolge vordirigierte, saß mit am Tisch. Die Begeisterung des Konzertpublikums für dessen Auftritt hatte sich in Grenzen gehalten, umso leidenschaftlicher war der Jubel für die Violinvirtuosin ausgefallen, insbesondere für ihre Mozartinterpretation auf einer gar nicht immer zart lispelnden Geige. Antje Weithaas, die zuletzt im Juli 2008 beim Abschiedskonzert des früheren GMD Reinhard Petersen hier im Großen Haus zu erleben war, spielt ein Instrument von Peter Greiner aus dem Jahre 2001 mit starker Ausdruckskraft.
Das alles lässt sich im Internet oder teils im Programm zum Sinfoniekonzert nachlesen. Fast überall aber steht eigentlich falsch, dass die Künstlerin aus (Wilhelm-Pieck-Stadt) Guben komme. Sie ist aber Cottbuserin, ging hier zur Schule und erfuhr im Konservatorium dieser Stadt die erste und wichtigste Förderung. Mit 12 Jahren wechselte sie dann als Internatsschülerin nach Dresden.
Geboren ist das „Wunderkind“, das mit vier Jahren zur Geige griff, aber tatsächlich in Guben. Das jedoch nur, weil 1966 an der Frauenklinik des damaligen Krankenhauses Cottbus ein böser Keim wütete. Die Frauen wurden nach Altdöbern, Forst oder eben, wie Mutter Weithaas, nach Guben geschickt, wo die Kinder glücklich zur Welt kamen.
Cottbuser Musikfreunde haben, wie mehrfach in der Zeitung „Der Morgen“ zu lesen war, in den 1970er Jahren das außergewöhnliche Talent erkannt, bewundert und gefeiert. Antje Weithaas selbst erklärte in einem Interview, dass die Öffnung der Grenzen für sie, die die „Vorzüge des musikalischen Bildungssystems der DDR genießen durfte“, gerade zur rechten Zeit kam. Nur schade, dass diese Herkunft im Konzertprogramm gar nicht erwähnt wurde.


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