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Feuilleton: Ich bin es: Judas - Märkischer Bote - Märkischer Bote
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Feuilleton: Ich bin es: Judas

17. Mai 2019 | Von | Kategorie: Feuilleton |

Anmerkungen zur Inszenierung „Judas“ von Lot Vekemans“ an der neuenBühne Senfteberg.

Feuilleton: Ich bin es: Judas

Hier, im Garten Gethsemane am Rande Jerusalems, trug es sich zu: Judas übte den Verrat. Olivenbäume wuchsen hier auch zu jener Zeit schon. Dieser hier, heißt es, soll vor 2 000 Jahren bereits gestanden haben | Foto: J. Heinrich

Senftenberg. Am Ende fragt es sich: Heiligt der Zweck die Mittel? Braucht das Rad der Geschichte, braucht die Religion den Verrat, um sich zu drehen? Wäre Jesus ohne Judas nicht ans Kreuz gekommen und ein wohlsagender Zimmermann geblieben? Muss der Verräter oder wenigstens ein Versager dem Bedeutsamen das Tor oder die Mauer öffnen?
Heinz Klevenow trägt keine weiße, sondern eine graue Weste, aber einen weißen Anzug. Rein und väterlich steht er da: „Ist jemand hier, der mich nicht kennt?“ Vorsichtig wählt er die Worte, scheint sie zu suchen, um präzise zu sein. Denn, wenn er sich auch noch beim Vorwort aufhält: Es geht um viel. Es geht um die Würde des Verrats. Da scheint Wahrhaftigkeit nötig, zumal höhere Gewalten wachen, was die Tontechnik gut darstellt.

Feuilleton: Ich bin es: Judas

Heinz Klevenow wählt die Worte mit Vorsicht, denn es geht um viel. Es geht um die Würde des Verrats | Foto: neueBühne

Nach 18 Minuten erst setzt sich Judas, erzählt von den „30 verseuchten Silberlingen“, aber vergisst nicht zu versichern: auch unter Euch, diesem Publikum, sind Schwindler, Lügner, Verräter. Einer soll gar die Eintrittskarte nicht bezahlt haben. Ja, er überzeugt mit seinem Zweifel, zumal sein „historisches“ Vorbild konsequent war; Judas erhängte sich noch ehe der Messias ans Kreuz kam.
Klevenow also allein auf der Bühne. Eine bemerkenswerte knappe Theaterstunde, die auch auf Reisen geht. Schon im März war Premiere, so dass die Judasfrage zur Osterzeit aufgeworfen wurde, aber sie beschäftigt, seit sie im Neuen Testament von mehreren Autoren behandelt wurde, permanent. Diesen nachdenklichen Text schrieb die Niederländerin Lot Verkemans (Jg. 65). Er ist voller Klugheit, die auch beantwortet, warum so mancher heutige übereifrige Politiker nicht ankommt. Paulus sagt über seinen Jesus: „Er hat uns mit Geschenken überschüttet, die wir nicht öffneten, weil wir die Verpackung so schön fanden…“
Regie führt hier Daniel Borgwardt, und der sorgt mit wenig Mitteln, etwa dem abgewand-
ten Stuhl, dafür, das der Abend nicht in Geschenken verhallt.
Es gibt Reue. „Ich habe ihnen die Silberlinge vor die Füße geworfen“, knurrt Klevenow. Er bekam am Muttertag viel Beifall. J.Heinrich




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