Herrenhäuser in der Lausitz (3): Bornsdorf- Gott behüte dieses Haus

Farblithographie
Das Herrenhaus in Bornsdorf war
äußerlich nicht von besonderer
Pracht, eher von stiller Würde, wie
diese Farblithographie aus dem
Jahre 1859 verrät. Nur die Brücke,
das mit Kübelpflanzen besetzte
Grabengeländer und das Rondell
deuten einen gewissen Lebensstil
an.

Um es gleich vorweg zu sagen, der fromme Wunsch des Erbauers des Herrenhauses in Bornsdorf, Altkreis Luckau, erfüllte sich nicht. Sozusagen als Schlusspunkt des Baues war über dem Eingangsportal ein in Sandstein gehauenes Allianzwappen (die Wappen zweier Familien,
die durch eine Hochzeit verbunden waren) angebracht, dazu die Jahreszahl 1734 und die Buchstaben C.S.v.L. (= Caspar Sigismund von Langen) und AE.v.L.G.v.S. (Anna Emilia von Langen Geborene von Stutterheim). Die Zeiten waren unruhig gewesen, der Bau hatte die letzten Mittel verschlungen, auch das Erbe der Frau, und was die Zukunft brachte, war ungewiss. Deshalb ließ Caspar Sigismund unter dem Wappen noch einen Spruch anbringen: “Gott behüte dieses Hauß, alle die da gehen ein und auß. So erbauet durch Gottes Gnade. C.S.v.L.” Über zweihundert Jahre hat dieses Stoßgebet dem Haus geholfen, die Besitzer waren längst nicht mehr die von Langen, aber das Herrenhaus, es stand “in Treue fest”. Doch gegen staatlich sanktionierte Dummheit und Ignoranz helfen fromme Sprüche selten. Nach kommunistischer Inbesitznahme verkam das Haus immer mehr. Im Januar 1967 stürzte der Giebel eines Seitenflügels ein. Das Bauamt des Kreises Luckau wusste sich nicht anders zu helfen, als einen Teilabriss anzuordnen. Der aber wurde “so geschickt” ausgeführt, daß das ganze Bauwerk seine Stabilität verlor, auch der Hauptflügel drohte nun einzustürzen – was blieb den neuen Herren weiter übrig – nur der Abriss des wertvollen Barockbaus. Das Denkmalamt stimmte zu.

 

 

Grundriss
Im Inventar der Kunstdenkmäler des
Kreises Luckau von 1917 ist dieser
Grundriss des Schlosses Bornsdorf
abgedruckt. An den
unterschiedlichen
Mauern erkennt der Fachmann
verschiedene Bauphasen.

Raubritter im alten Dorf
Bornsdorf findet man neun Kilometer südlich von Luckau, der Dorfkern etwas abgerückt von der Bundesstraße 96. Der Ort liegt in einem Gebiet, das deutsche Kolonisten seit dem 12./13. Jahrhundert besiedelten. Als “Boransdorf” 1347 erstmals erwähnt wurde, litt die Lausitz schon seit vielen Jahrzehnten unter feudalen Machtkämpfen. Bornsdorf war ein befestigter Platz, wahrscheinlich eine mittelalterliche Burg, und war so wichtig, dass es sogar in der Urkunde von 1353 genannt wurde, als die brandenburgischen Wittelsbacher die Lausitz quasi an die sächsischen Wettiner verkauften. Markgraf Friedrich der Strenge konnte für einige Zeit Ordnung in das Land bringen und Räuber-Ritter bekämpfen. Auch die Burg in Bornsdorf, längere Zeit in Besitz der Familie von Rabiel, diente als Unterschlupf für Strauch- und Raubritter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Turm
Ein Foto von 1917 zeigt das Schloss
malerisch mit Kletterpflanzen
bewachsen.
Der Turm hat einen neuen Kranz,
sonst hat sich zu dem Bild von
1859 kaum etwas verändert.

Von Wolfersdorf, von Langen, von Thermo
Um 1439 gelangte Bornsdorf von den Rabiels in den Besitz der Familie von Buxdorf. Ein Mitbesitzer von Bornsdorf, Dr. Dietrich von Buxdorf, gestorben 1466, nahm in der deutschen Geistesgeschichte einen wichtigen Platz ein. Er war Rektor und Professor der Rechte an der Leipziger Universität und später Bischof von Naumburg. Zu dem Rittersitz Bornsdorf gehörten weitere Dörfer: Riedebeck, Waltersdorf, halb Gehren, Grünswalde, Trebbinchen, Wannichau, Gliechow, Klein Mehßow, Kemmen, Schadewitz, Groß Jehser und Presehnchen. Das war also ein sehr ansehnlicher Besitz, der 1489 von Götz von Wolfersdorf gekauft wurde. Die Familie war weitverzweigt und in der Lausitz reich begütert, Bornsdorf konnten sie 220 Jahre lang halten. Die nächsten in der Galerie der Besitzer waren von 1724 an die von Langen, seit 1840 die Familie von Thermo. Letzter männlicher Spross der Thermo’s war Werner, der 1922 starb. Der Name dieser in der Lausitzer Geschichte bekannten Familie erlosch 1961 ganz. Kurzzeitig besaß die Stadt Neukölln Bornsdorf, von 1922 bis 1945 Friedrich von Arnim, der aus dem oberschlesischen Kreis Bomst kam.

 

 

 

Friedhof
Nördlich des Ortes,
wahrscheinlich eine
verlassene Dorfstelle,
steht auf einem
Friedhof eine
malerische
Kirchenruine. Von
dem Feldsteinbau des
14. Jahrhunderts ist nur
die Westmauer erhalten.
Besonders interessant ist
die hübsche Rosette, die
Rahmung wechselweise
aus dunklem
Raseneisenstein und
hellem Granit.

Von der Wasserburg zum Barockschloss
Seit dem Mittelalter gab es in Bornsdorf ein befestigtes Haus, natürlich eine Wasserburg, gesicherte Angaben fehlen aber. Eine Karte von 1714/15 gibt ziemlich genaue Kunde von einer umfangreiche Vierflügelanlage des 15./16. Jahrhunderts. Westlich davor trennte ein Wassergraben ein Vorschloss ab, davor wiederum lag der Gutshof. Es muss schon eine gewisse Pracht vorgeherrscht haben, das kann man aus verschiedenen Raumbezeichnungen schließen, so z.B. so gab es eine Schenkstube, eine Gelbe Eckstube und eine große Blaue Stube mit sieben Fenster. Die große Tafelstube war mit einem schwarzen Kachelofen und einem holländischen Kamin ausgestattet, darüber lag das Schlafzimmer des Schlossherren – Wärme steigt bekanntlich nach oben. Nach 1724 bis 1734 ließ Caspar Sigismund von Langen den “alten Kasten” modernisieren, ein Flügel wurde abgerissen, so das eine unregelmäßige Dreiflügelanlage entstand, die verbliebenen Flügel wurden aufgestockt und ein hohes Mansarddach aufgesetzt, das Vorschloss wurde ganz abgetragen. So blieb das Herrenhaus über lange Zeit bestehen, ringsum gab es einen Obst- und Küchengarten und auch einen Lustgarten mit neun Quartieren, eingefasst mit “Buxbaum, Spicke, Raute und anderen guten Kräutern, auch mit allerhand Blumen Werck.” Im 19. Jahrhundert erhielt der Turm einen Arkadenfries und der barocke Garten wurde zu einem Landschaftspark umgestaltet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlossturm Bornsdorf
Der letzte Zeuge einer langen Geschichte – der Schlossturm von Bornsdorf. Er wurde Ende des 15./Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet, hat eine Mauerbreite
von fast eineinhalb Metern,
bis zur Spitze sind es 23 Meter.
Eine herrliche Aussicht belohnt
den Aufstieg über eine 75 cm
breite Treppe.

Bornsdorf heute
Seit Mai 2000 ist der Bornsdorfer Schlossturm nach einer Grundsanierung wieder zugänglich. Den Schlüssel kann man sich im Dorf in der Eisdiele oder im Cafe Döcke holen. 100 Stufen führen auf eine Aussichtsplattform in 19,81 Metern Höhe. Erst von oben kann man in etwa das Areal des ehemaligen Herrensitzes begreifen. Eine mehrstämmige Eibengruppe, selten schön und riesig groß, hat allein die Zeiten überdauert. Neue Parkwege und zahlreiche Anpflanzungen sind zwar ein Zeichen, können aber nicht über den unersetzlichen Verlust hinweg täuschen. Trotzdem ist ein Ausflug nach Bornsdorf, idyllisch gelegen im Naturpark Niederlausitzer Landrücken, sehr zu empfehlen, zumal weitere interessante Ziele in der Umgebung locken. Infos dazu auch im Internet.
SEK Cottbus

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