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Herrenhäuser in der Lausitz (4): Golßen – vom Rittersitz zur Residenz

Land und Leute | Von | 1. Mai 2002

Schloss Golßen

Schloß Golßen auf einer Farblithographie von 1865/66, der Blick geht auf die Straßenfront.
Die einfache, aber wirkungsvolle Gliederung
des gewaltigen Baukörpers mit Lisenen,
Putzbändern und Fensterfaschen gibt dem Herrenhaus einen hochherrschaftlichen Charakter.

Zu DDR-Zeiten hielt sich hartnäckig eine bizarre Geschichte, die man gelegentlich auch heute noch aufgetischt bekommt: Der kommunistische Schriftsteller Ludwig Renn erzählte jedem, er hätte das Schloss seiner Vorfahren in Golßen an Wilhelm Pieck verschenkt, damit dort das erste Landambulatorium der DDR eingerichtet werden könne. So war das damals, sagte neulich ein Freund zu mir, manche Gutsbesitzer haben mit ihrem Besitz auch der neuen Zeit gedient. Nein, so war das damals nicht, richtig ist: Erstens, im Golßener Schloss befand sich das erste Landambulatorium. Zweitens, der Salonkommunist Renn war ein geborener Vieth von Golßenau, selbstbekennend in dem Roman “Adel im Untergang”, dessen Vorfahren tatsächlich Golßen besaßen, aber vor 200 Jahren und nur für einige Jahrzehnte. Die letzten Besitzer waren die Fürsten zu Solms. Ja, Kommunisten haben gerne etwas verschenkt, besonders wenn es ihnen nicht gehörte. Und diese gute Tat hat mir neulich noch ein Freund erzählt.

 

 

 

 

Kirche Golßen

Die Kirche in Golßen wurde unter dem
Patronat der beiden Gräfinnen Fontana
1810/20 erbaut, ein einfacher, aber
würdevoller klassizistischer Bau.

Der Rittersitz und die Burg Golßen liegt am Schnittpunkt von B 96 und B 115, etwa 16 Kilometer nördlich von Luckau. Von Cottbus aus nimmt man am besten die Berliner Autobahn bis zur Ausfahrt Freiwalde. In das Städtchen hineinfahren muss man nicht unbedingt, denn das Schloss liegt direkt an der Umgehungsstraße.
Seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde der Rittersitz Golßen in vielen Urkunden gleichrangig mit den Hauptorten der Niederlausitz genannt. Wenigstens von 1276 an saßen hier die Burggrafen von Golßen, ein Seitenzweig der edelfreien Burggrafen von Wettin, die sich nun nach ihrem neuen Besitz nannten. Drei Generationen lang konnten sich die Burggrafen in Golßen halten, dann begann eine sehr wechselhafte Geschichte, die mit dem Auftritt der Familie von Stutterheim 1439 nur scheinbar geordneter wurde. In dem Jahr kauften vier Brüder von Stutterheim die Herrschaft. Ihre Kinder und Enkel aber begannen, einzelne Teile hin und her zu erben, zu tauschen und zu leihen, zu kaufen und zu verkaufen, so das aus der großen Herrschaft zahlreiche einzelne Rittergüter entstanden, ja selbst die innere Herrschaft in mindestens sechs Anteile zerfiel. Mehrere hundert Jahre konnten sich die Stutterheims so in Golßen halten, 1783 ging der letzte Anteil in andere Hände.
Der Wohnsitz der Ritter in Golßen ist nicht mit dem heutigen Schloss identisch, sondern auf dem etwa 600 Meter entfernt liegenden Utzenberg zu finden. Hier gab es schon eine slawische Befestigungsanlage, einen Burgwall, der in frühdeutscher Zeit überbaut wurde. Die Burg ist als sogenannte Turmhügelburg anzusprechen. Wohl Ende des 15. Jahrhunderts wurde sie aufgegeben. Alexander von Stutterheim erbaute im 16. Jahrhundert ein Schloss, die “newe erpawete behausung vor dem Stetlein Golssen”. Ob damit die Stelle des heutigen Schlosses gemeint ist, bleibt allerdings ungewiss.

Grundriss Golßen

Grundriß des Schlosses Golßen, Zeichnung von 1917. Einen langen Korridor quer durch das ganze Haus erschließt die einzelnen Räume. An den starken Mauern kann man den barocken Kernbau ablesen.

Vieth und Gräfin Fontana

Der preußische Kriegs- und Domänenrat Johann Justus Vieth war mit sich zufrieden. Als Amtmann von Zinna hatte er eine ansehnliche Beamtenstelle inne, war zu Vermögen gekommen und hatte ausgezeichnet geheiratet. Sein Schwiegervater hatte von dem Rittersitz Golßen günstig zwei Anteile erworben, und er, der schlaue Vieth, bekam sie noch günstiger, und bald konnte er seinen neuen Besitz erweitern. Um 1730 erbaute Vieth dann auch das Schloss in Golßen. Das barocke Herrenhaus ist in dem heutigen Bau noch deutlich herauszulesen, es ist der mittlere Kernbau mit dreizehn Achsen (Fenster) Breite. 1745 war Vieth endlich am Ziel seiner Wünsche – er wurde in den Adelsstand mit dem Prädikat “von Golßenau” erhoben. Als seine vier Kinder 1764 ihr Erbe antraten, drohte Golßen wieder die verhängnisvolle Zersplitterung, doch fand sich letztlich ein Käufer für das Ganze. 1771 kaufte es der preußische Oberhofmarschall Graf von Redern. Der Besitz war von riesiger Größe, hatte aber keinen besonderen Rechtsstatus, d.h. Golßen war nichts weiter als ein großes Rittergut mit einem großen Herrenhaus. Trotz bester Beziehungen gelang es ihm nicht, Golßen wieder in einen Herrschaftsrang zu führen, etwa in den einer Burggrafschaft. Graf Redern war in der Uckermark (Görlsdorf) und in der Oberlausitz (Königsbrück) noch reich begütert, so das er schon zu Lebzeiten Golßen an seine vier Kinder abtreten konnte. Diese teilten die gesamte Erbmasse so, das die Tochter Gräfin Amalie Sophie Henriette Golßen erhielt. Sie war mit dem Sardinischen Botschafter am spanischen Hof zu Madrid, dem Grafen Fontana de Cravanza, verheiratet. Sie wurde beerbt von ihrer Tochter Luise Sofie Charlotte Gräfin von Fontana, die unverheiratet und kinderlos blieb, und die Golßen bald verkaufte und zurückgezogen ein bescheidenes Leben führte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Grabdenkmal Golßen

Im Park steht ein außerordentlich wertvolles Grabdenkmal für die Gräfin Fontana, ein Eisenguß aus der Königlichen Eisengießerei Berlin 1810.
Die Inschrift lautet: “Zwölf Jahre wirkte Sie hier segnend und verschönernd.
Ihrer gedenke mit Dank, wer Ihres Fleisses geniesst.”

Graf Solms und Architekt Knobloch

1844 hatte der Graf Friedrich Heinrich Ludwig zu Solms-Baruth die Herrschaft Golßen gekauft. Für seinen Sohn Friedrich Hermann Adolph sollte ein standesgemäßer Sitz hergerichtet werden. So wurde der Berliner Architekt Heinrich Eduard Knobloch, der schon eine ganze Reihe von Schlossmodernisierungen als Referenz vorweisen konnte, engagiert. Mehrere Entwürfe von Knobloch sind erhalten. Ausgeführt wurde 1852 ein Bau in klassizistischen Formen. Das ganze Herrenhaus war durch zwei seitliche Anbauten auf 21 Achsen (Fenster) Breite erweitert worden – wahrlich hochherrschaftliche Ausmaße. Die Grafen zu Solms-Baruth wurden 1888 in den Fürstenstand erhoben. Die Familie entwickelte sich aber so, das Golßen nur eine Nebenrolle spielte und bald nur von einem Verwalter bewohnt und bewirtschaftet wurde. Der letzter Besitzer, Friedrich Fürst zu Solms-Baruth, wurde 1945 enteignet und vertrieben, das Schloss wurde geplündert. Der heutige Bauzustand ist durchaus passabel, einige Räume werden genutzt, was soll aber aus der riesigen Kiste werden?
SEK Cottbus

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