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Johannes Kienast ist als „fliegender Robert“ mit dem Regenschirm himmelwärts unterwegs und schafft es bis zum Sputnik und den Weltraumaussteigern im Kosmos Foto: Kross

Die Tiger Lillies machten „Shockheadde Peter“ draus – ein very nice Grusical :
Cottbus. Termingründe hinderten uns, „Shockheaded Peter“ (Premiere Juni 2014) am Staatstheater zu sehen. Wem es ähnlich ging, der sollte’s unbedingt nachholen; ein geistreiches Stück in lustvoll provokanter Inszenierung. Schauspieldirektor Mario Holetzeck tobt sich aus in Gags, köstlichen Bildern und  drastischen Überzeichnungen, und er schonte die Ausstatter (und deren Kassen) nicht. Juan León, der auch die originelle Rennpiste für „Diener zweier Herren“ in der Kaserne baute, hat, weil die armen Hoffmannschen Geschöpfe fast ausnahmslos zu Tode erzogen werden, eine Bühnengruft gebaut, und Susanne Suhr schuf grelle Kostüme und ließ den Figuren von Wolfgang John verfremdende Masken samt überlangen Fingernägeln aufstülpen.
Jedes deutsche Kind kennt den garstigen „Struwwelpeter“ (Jahrgang 1845) des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann, aber erst in England fingen seine Figuren richtig an zu laufen, zu singen, tanzen, kippeln, zündeln, Daumen zu lutschen, Tiere zu quälen und was dergleichen böse Taten sind. Das gruslige Musical, kurz: Grusical, kommt auf das Konto der „Tiger Lillies“, eines 1989 gegründeten englischen Trios der tragisch-komödiantischen Art.
Bei Holetzeck gibt es als Erzähler und Moderator eine Art Zirkusdirektor, den Gunnar Golkowski als alles dominierender und das Publikum nicht schlecht einbeziehender Chef der Szene zelebriert. Ihm kommt es zu, das absurde Geschehen zu relativieren und den Leuten aus „Dunkeldeutschland, die, wie hier in Cottbus, nicht englisch verstehen“ als Übersetzer zu helfen. Nun ja.
Die „dunkeldeutschen“ Zuschauer sind zwischen 14 und 18 und verstehen die paar einfachen Sätze sehr wohl und steigen schnell ein in den schwarz-britischen Humor. Die rockige Musik von Hans Petith (musikalische Leitung), Dietrich Petzold, Martin Klenk und Tobi Dutschke trifft den Nerv, und Sigrun Fischer, Heidrun Bartholomäus, Thomas Harms, Lucie Thiede und Johannes Kienast leisten in heftig ungezogener Kindlichkeit ein Übriges. So witzig und schrill die Szenen auch sind – eigentlich schlägt sich niemand auf die Schenkel und grölt vor Lachen. Hat Hoffmann selbst in dieser Form noch „pädagogische Wirkung“?
Eine tolle Vorstellung sahen wir, die zudem ein Meisterstück professioneller Improvisation enthielt. Kai Börner, der, wie die anderen Kollegen mehrere Figuren (vier bis sieben!) zu geben hatte, war krank; Hans Petith, Souffleur Jörg Trost und die Choreografin Gundula Peuthert ersetzen ihn. Super! Und auch sonst: nicht entgehen lassen! H.