
An Krankheit und Genesung denken die einen, an Geburt und große Freude die anderen beim Anblick des Krankenhauses. Jedenfalls war und ist es ein großer Segen für die Stadt und die ganze Region. R. Ullrich aus der Ottilienstraße schreibt „Mein Sohn wurde in diesem Krankenhaus 1976 geboren“. Damals kamen hier über 2 000 Kinder jährlich zur Welt, rund 1 000 waren es jeweils in den Jahren nach der Wende und dem Geburtenknick.
Jens Pumpa aus der Rostocker Straße weiß: „Im August 1912 erfolgte der erste Spatenstich für das Städtische Krankenhaus. Schon 1914 zogen die ersten Kranken ein. Der Entwurf für den Bau stammte von dem Hamburger Stadtbaudirektor Ruppel.“
„Das Städtische Krankenhaus wurde nach knapp zweijähriger Bauzeit exakt am 27. Juni 1914 eingeweiht“, schreibt Jürgen Klingmüller, Willy-Brandt-Straße. „Bis dahin gab es in Cottbus lediglich 180 Krankenhausbetten. Dem legendären OB Werner ist es zu verdanken, dass die Stadtverordneten am 16. Juli 1912 den Neubau eines Krankenhauses beschlossen. Schon am 28. August gleichen Jahres war Baubeginn auf einem 45 000 qm großen Gelände an der Feldstraße. Verglichen mit heutigen Planungs- bzw. Bauzeiten ein grandioses Tempo! Für den ersten Chef des “Städtischen Krankenhauses” mit 300 Betten, Prof. Dr. Carl Thiem, erfüllte sich ein Lebensziel. 1917, nach dreijähriger Amtszeit, verstarb Carl Thiem. Schon zu seinen Lebzeiten wurde die Feldstraße in Thiemstraße umbenannt.“
Georg Müller kommentieret das Bild gewohnt umfassend: „Zu sehen ist das damals bereits 14 Jahre alte städtische Klinikum an der Feldstraße in der Spremberger Vorstadt nahe Grabeins bekannter Restauration ‘Wilhelmshöhe’. Dem aus dem Schlesischen stammenden bekannten Chirurgen Carl Thiem war seine Privatklinik im Wichernhaus längst zu klein geworden, und so initiierte er im Süden der Stadt ein neues großes Haus: Es wurde am 1. April 1914 als “Vereinigte Städtische und Thiemsche Heilanstalt” dorten übergeben und im Juni eröffnet. Die große Aufgabe zehrte auch schon damals an den Kräften: Bereits drei Jahre später verstarb der inzwischen weit über die Lausitzer Grenzen bekannte Arzt – nachdem er sich natürlich um entsprechenden ärztlichen Nachwuchs gekümmert hatte.

Die Feldstraße wurde zur Thiemstraße.“ Weiter witzelt Herr Müller: „Und jetzt kommt hier auch der schwarzlackierte, hochglanzstrahlende Imageaufpolierer eines der Zunftkollegen ins Spiel: Dr. Autosius’s Garbaty aus Mainz wurde allerdings versehentlich mittenmang des Haupteinganges von seinem Fahrer, dem zweitberuflichen Anlagengärtner, platziert, aber dem 5000 Mark-Schlitten muss es wohl egal gewesen sein, bitteschön.“ Auch unser junger Leser Sven Lippold findet: „Fies geparkt, der Angeber. Aber das Krankenhaus ist toll. Heute das beste im ganzen Land.“
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