
Leser beschreiben spannend und detailtreu ihren Kietz in alten Jahrzehnten
Erleichtert schreibt Jürgen Klingmüller aus der Cottbuser Willy-Brandt-Straße: „Nachdem ich beim letzten Rätselbild total im Regen stand, kann ich diesmal 100prozentig sagen: Es ist die Bahnhofstraße etwa um 1970. In diesen Häusern habe ich in den Sommerferien 1960 Briefe und Zeitungen ausgetragen. Im Hintergrund ist die ‘Paul-Werner-Oberschule’ zu erkennen. Alle anderen Gebäude links gibt es nicht mehr. Das flache Haus gehörte zur Spedition ‘Gestewitz’. Auf diesem Hof befand sich ein Gebäude, in dem Bananenstauden zum Reifen hingen. Heute stehen hier das Arbeitsamt und das Piccolo-Theater.“ Jens Pumpa aus der Rostocker Straße ergänzt: „Vorn in einem historischen Keller hatte der Club BEBEL seit dem 11. August 1995 sein Zuhause. Bis 1998 – dann kam die Abrissbirne und es entstand das neue Arbeitsamt.“ Und Irina Lehmann aus der Räschener Straße erinnert sich: „Die Mauer vor der Schule hatte einst Meinhard Bärmich bemalt. Ich glaube es waren sieben Bilder, auf denen ein lustiger Vogel den Branitzer Park erkundete. Dieser frohe Lichtblick war leider eines der ersten Objekte von Kunst am Bau, die nach der Wende aus unserem Stadtbild verschwanden.“
Weiter zurück in der Zeitgeschichte geht Gottfried Schneider aus der Humboldtstraße: „Der Flachbau an der Ecke gehörte bis 1945 zur Bismarckstraße Nr. 89-92, Eigentümer war die Niederlausitzer Automobil AG. Das Haus im rechten Vordergrund ist die Bahnhofstraße 68, Eigentümer war bis 1945 Paul Ludwig.“
Sehr detailliert befasst sich Klaus Dinter per e-mail mit dem Motiv: „Im Hintergrund sieht man die damalige 12. POS (mit Hort) und die 7. POS. Gegenüber standen in Garagen eines ehemaligen Autohauses Fahrzeuge des Fernmeldewesens. Zu dem großen Wohnhaus kann ich nichts sagen. Das kleine Gebäude davor neben der Einfahrt zu einem langen Hof, der bis zum Berliner Platz reichte, diente als Wohnhaus. Dort wohnte einer meiner Klassenkameraden aus der Grundschulzeit. Im langen Hof befanden sich die ‘Bananenkeller’ des Großhandels, im Volksmund ‘Matsch und Gammel’ genannt. Weiter in Richtung Berliner Platz kamen links das Bürogebäude und der Pferdestall der Spedition ‘Adolf Gestewitz’, die auch Lager in der Jägerstraße und auf dem Güterbahnhof (steht noch, aber ist leer) besaß. Inhaber waren drei Brüder; nach dem ältesten ist die Gartenkolonie ‘Fritz Hemmerling’ an der Jamlitzer Straße (früher: Alte Burger Chaussee) benannt. Rechts hinter dem Kleinen Gebäude neben der Einfahrt befanden sich weiter hinten zwei mehrstöckige Lagergebäude. Das Klinkergebäude mit drei Etagen war voller Möbel, die Emigranten in den 30er- Jahren dort untergestellt hatten. Hinter dem anderen Gebäude befand sich eine große Remise, wo alte Autos und mehrere Lanz Bulldogs abgestellt waren, die die Spedition bis etwa 1970 noch nutzte.
Das dürfte ungefähr der Platz des heutigen Piccolo sein, das um die ehemalige Trafostation herum gebaut wurde.
In den 80er-Jahren befand sich hier die Notrufzentrale der Gebäudewirtschaft. Blieb in Cottbus ein Fahrstuhl stecken, kam hier der Notruf an. Ganz vorn sieht man die Einfahrt zum Grundstück des heutigen Stadthauses. Dort residierte in den 50er und 60er-Jahren eine Einrichtung der Polizei und eine Zeitlang auch der ASK Boxen.“
„Das Bild zeigt die Bahnhofstraße, aufgenommen aus Schulzes Dachgeschosswohnung in der Nr. 77, und es präsentiert uns das Areal des heutigen Erich-Kästner-Platzes“, schreibt Peter Keuntje aus Kolkwitz. Und weiter: „Die vier Ziffern über dem Erker vorn im Bild haben sich fest in mein Hirn eingebrannt: 1-8-9-6. Die Zahl sah ich, wenn ich heimkam aus der Schule, vom Spielen auf dem Schillerplatz oder vom Rodeln in der Puschkinpromenade, vom Eislaufen auf dem Amtsteich, vom Baden an den Seen in Ströbitz oder Madlow; hier bin ich zu Hause, hier habe ich Kindheit und Jugend verbracht, das war mein Revier, die Nr. 76 der Bahnhofstraße! Mitten in der Stadt und doch im Grünen – dank des Gartens hinter dem Haus mit Apfel-, Pflaumen-, Birn- und Kirschbäumen, mit Flieder- und Forsythien-Büschen. Meine Eltern wohnten seit 1960 mit uns Kindern im Hoch-Parterre der Nr. 76. Fünf Kinder gehörten zu unserer Rasselbande, es war nie langweilig! Ich habe dieses Haus 1978 verlassen, meine Eltern wohnten bis 1992 dort. Jetzt befindet sich die Tanzschule ‘Easy Dance’ in dieser Wohnung.“
Brigitte Albrecht vom Stiesower Weg weiß: „In der Bahnhofstraße 4 wohnte eine Familie Berg, und es war dort das Stadtarchiv untergebracht, weil es vom Altmarkt ausziehen musste. In Nummer 6-7 (großes Haus Bildmitte) wohnte eine jüdische Familie Goldstein, und die Speditionsfirma Gestewitz war auch dort ansässig. Nummer 8 war die Grundstücksgrenze der damaligen Stadtsäle aus der Rossstraße (Stadtpromenade).“
Danke im Namen vieler Leser für die Schilderungen.









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