Cottbus: Markttreiben um 1910 am Berliner Platz

damals111112_cbSchick gekleidet zum Berliner Platz / Telegrafenturm des Postamtes half bei der Lösung

Obwohl sich der Ort, den unser Rätselbild zeigt, extrem verändert hat, war es für die meisten Leser nicht schwer, die Lösung zu finden. Viele tippten wie Katrin Lehmann auf C – die Post. Sie mailt dazu: „Am Berliner Platz wurde das Gebäude der Reichspost 1888/91 erbaut. Das zunächst zweigeschossige Haus im Stil der Neurenaissance wurde nach der Jahrhundertwende aufgestockt. Dabei wurde der nicht mehr benötigte Turm mit Antennenkuppel beseitigt.“
Das markante Bauwerk regte auch Georg Müller an. Er mailt: „Es ist wieder Markttag – das lustige Treiben wird vom Kaiserlichen Post- und Telegraphenamt am Berliner Platz gerahmt, begleitet von den architektonisch hochfeinen Baulichkeiten bis zum ‘Weißen Roß’ und dem Stompeschen Geschäftshaus an der Berliner Straße. Eine Augenweide für den Techniker – diese nostalgische ‘Radar’-Kuppel mit den zur damaligen Zeit besten Übertragungsmitteln der drahtlosen Telegrafie. Zur Rechten und nicht mehr im Bild, die Lindenpforte, der ‘Schulzen ihre Pforte’, nur dieses Cottbuser Marktoriginal muss zum Zeitpunkt der Aufnahme erst noch geboren werden.“
Klaus Herold blickte ebenfalls in die Runde: „Gegenüber, auf der anderen Seite der Berliner Straße, stand das imposante Eckgebäude ‘Stumpe-Nagel-Haus’ – Fleischerei und Wurstproduktion, so benannt nach den Besitzern. Vom einstigen ‘Post- und Telegraphenamt’ steht noch der hintere Teil, wo sich auch die Schließfächer befinden. Die Treppenanlage ist noch bauzeitlich. Das Hotel ging bei dem Bombardement 1945 verloren; ein Saal-Anbau befindet sich noch hofseitig des heutigen Postgebäudes, wenn auch baulich stark verändert; und das ‘Stumpe-Nagel-Haus’ wurde dann nach Kriegsende mutwillig beseitigt.“
Zum Schicksal des Postamtes bis zur jüngeren Vergangenheit schreibt Susanne Haupt noch: „Im Zweiten Weltkrieg wurde der rechte Teil zerstört und 1950/51 der linke Teil provisorisch als Hauptpost ausgebaut. 1957 nahm die Post, wie wir sie heute kennen, nach zweijähriger Bauzeit ihren Betrieb auf.“
Edda Messerschmied geht in ihren Schilderungen außerdem auf die Marktbesucher ein: „Schaut man sich die Kleider der Leute an, müsste man meinen, es sei ein großer Feiertag oder Sonntag. Aber soviel ich noch weiß, gab es sonntags keine Märkte. Alle sind hübsch herausgeputzt, auffällig ist das Mädchen links neben dem Baum und die Jungs rechts neben dem Baum, die sich offensichtlich vor den Fotografen stellten, um mit abgelichtet zu werden. Auch zeigt das Gedränge, welch hohe Bedeutung die Märkte hatten, waren sie doch eine wichtige Versorgungsquelle für die Cottbuser. Kein Wunder, dass sie stets zentral aufgebaut wurden.“