
Offiziersdolche waren von 1938 bis 1944 vorgeschrieben
Zahlreiche Lösungsvorschläge trafen bei uns ein, die sich aus den Beobachtungen der Uniformierten in der Spremberger Straße ergaben. Joachim Schulz-Osterloh mailt: „Das Foto muss aus dem Jahre 1942 stammen. Das ergibt sich für mich in erster Linie aus den abgebildeten Soldaten. In der Mitte der Soldat in der schwarzen Uniform der Panzertruppen, der zweite von rechts ein Offizier des Heeres in der Ausgeh-Uniform, wie sich aus dem sogenannten Seitengewehr auf der linken Seite unterhalb der Uniformjacke ergibt, im übrigen ist seine Mütze eine typische Offiziersmütze der Wehrmacht.“
Henry Porsche merkt dazu an: „1920 gab es solche Uniformen nicht, 1955 sah die Spremberger Straße nicht mehr so aus wie auf dem Bild.“
Das meint auch Joachim Skorna. Er schreibt: „Die Gebäude sind noch in Ordnung und noch nicht durch Kriegseinwirkungen zerstört.“
Und Michael Kuhrt mailt dazu: „Im rechten Hintergrund ist der Spremberger Turm schemenhaft zu erkennen. Links im Bild, vor dem Baum, müsste die Schlosskirche stehen. Die Kleidung der Menschen deutet auf das Jahr 1942 hin.“
Die Situation beschreibt Georg Müller: „Die Sprem im dritten Kriegsjahr – das Morden ist wohl noch weit weg, nur die Angst, einen lieben Menschen dabei draußen zu verlieren, schwebt überall. Die Passanten in der Prachtstraße suchen Zerstreuung auch hier im angeregten Gespräch auf Höhe des Waldschmidtschen Kaufhauses im Lobedanschen. 1942 kann es tatsächlich gewesen sein: im Vordergrund ein Panzergrenadier und rechts ein Offizier der Wehrmacht in typischer Habachtstellung, und mit einem Offiziersdolch, wie solcher laut Reglement zwischen 1935 bis 1944 vorgeschrieben war. So lässt sich auch mit diesem Ausstattungsrequisit die Rätselvariante 1942 erhärten. Zu sehen ein Momenteindruck – sähe man nicht die Uniformen, wär’s friedvoller.“
Michael Bodo Wunderlich hat sich die Lösung nicht so einfach gemacht. Er mailt: „Das war aber diesmal schwer! Zuerst irritierte mich die Kleidung des linken, dunkel gekleideten Herrn, der Knickerbocker ähnliche Hosen trug. Die kamen Anfang der zwanziger Jahre auf. Außerdem wurde entsprechend des Versailler Vertrages die Heeresstärke auf 100?000 Mann begrenzt, und der Sport war auf Grund existentieller Sorgen damals kaum ein Hobby für Reichswehrangehörige. Dann aber der Offizier aus Sagan. Er gehört mit großer Wahrscheinlichkeit zum Panzer-Artillerie-Regiment 76, welches am 6. März 1942 umbenannt wurde. 1935 wurde es als Artillerieregiment in Sagan gegründet, welches alte Traditionen weiterführte. (Bei Wikipedia nachzulesen.) Die zerknautschte Mütze war bei Einheiten der Panzertruppe sehr beliebt, sie entstand durch Entfernung des stabilisierenden Metallrings im oberen Teil derselben. 1956 wurde zwar die NVA der DDR gegründet, deren Uniformen weitestgehend die Traditionen der Wehrmacht fortsetzten, aber man trug keinen Säbel und außerdem sah die Gegend um den Schlosskirchplatz wesentlich anders aus. Das Gebäude links wurde durch ein neues ersetzt, in dem sich die HO-Jugendmode befand. Das Kaufhaus Waldschmidt, rechts gegenüber dem Kaufhaus Schocken, wurde neu als HO-Gaststätte Stadt Cottbus aufgebaut. Daran durfte ich als Tischlerlehrling in der gefragten Zeit mitarbeiten.“ Gewonnen hat Henry Porsche.
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