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Die Lohnfärberei Emil Kronberg in Cottbus - Märkischer Bote Die Lohnfärberei Emil Kronberg in Cottbus Die Lohnfärberei Emil Kronberg in CottbusMärkischer Bote
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Die Lohnfärberei Emil Kronberg in Cottbus

Bilder aus dem alten Cottbus | Von | 30. Juni 2023

Das Foto zeigt eine ehemalige Färberei in Cottbus

Das Foto zeigt eine ehemalige Färberei in Cottbus

Erwartungsgemäß gab es zum verlorenen Cottbuser Industriedenkmal viel Resonanz. Ganz genau kennt Herr Kleinert als Sammler die Geschichte. Mit Dokumenten der einstigen Geschäftstätigkeit (s. Foto) meldet er sich zum Bild: „Es handelt sich um die Lohnfärberei Emil Kronberg, Cottbus, Kaiser-Wilhelm-Platz 40, Telefon 2405. Das Gebäude wurde in den 1980er Jahren abgerissen. Der Abriss dieses wohl schönsten Cottbuser Fabrikgebäudes ist eine Schande! Es befand sich am Mühlengraben, unweit der Gerberhäuser. Heute ist dort lediglich eine Wiese. Meine Vorfahren waren mit den Firmen Gebrüder Kleinert und Otto Kleinert dort Kunden, wie aus beiliegenden Lieferscheinen hervorgeht. Ich selbst suche Firmenbelege über die Textilindustrie von Cottbus und Umgebung, Stoff-Musterbücher, Fotos, Belege über die ‘PGH der Weber und Stricker Schwarz-Weiß’ in Cottbus, Pyrastraße, usw. und bin unter Telefon 23770 erreichbar. Des Weiteren sammle ich Dinge über die ‘Preußische Höhere Fachschule für Textilindustrie zu Cottbus’ sowie Cottbuser Teppichindustrie“.
Unser Leser S. Sachse mailt: „Die geradezu romantisch wirkende Fabrik am Mühlengraben hatten sich in den 1980er Jahren wohl die ‘falschen’ Jugendlichen als ‘Kulturfabrik’ schöngeträumt. Wären es FDJ-Funktionäre gewesen, hätten die Parteibosse vielleicht darüber nachgedacht. So fürchteten sie eine Hölle der Subkultur und erklärten das Objekt für ‘baufällig’. Es stand aber fester als irgendein anderes Haus, und der Abriss war außerordentlich aufwändig. Man muss den schwachsinnigen Genossen dankbar sein. Mit solchen Aktionen haben sie die Menschen reif für die Wende gemacht.“

Ein Dokument der Cottbuser Industriegeschichte aus der Sammlung von Herrn Klimt: Lieferschein der Lohnfärberei Kronberg aus dem Jahre 1936 mit der Unterschrift des Färbereibesitzers.

Ein Dokument der Cottbuser Industriegeschichte aus der Sammlung von Herrn Klimt: Lieferschein der Lohnfärberei Kronberg aus dem Jahre 1936 mit der Unterschrift des Färbereibesitzers.

Brigitte Albrecht vom Striesower Weg in Cottbus meint „An der Spree wurde die Ruine der Färberei gegenüber den Gerberhäusern in den 90er Jahren abgerissen. Es war wie ein kleines Schlösschen.“ Damit irrt sie sich wie viele andere Leser in der Zeit; vereinzelt lesen wir als Abrissjahr sogar 2016 oder 2018. Doch der Frevel passierte eben viel früher.
Michael Kuhrt aus Cottbus bringt örtlich und namentlich etwas durcheinander, meint aber wohl das Richtige: „Das markante Klinkergebäude stand am Ostrower Damm. Es handelte sich um die Tuchfärberei Wilhelm Eschenhagen am Mühlgraben. Ein ehemaliger Kollege erzählte, dass er in den 50er Jahren dort Lehrling war und von seinem Lehrmeister noch Backpfeifen bekam.“ Lothar Haase, aus Kiekebusch schreibt: „Das Damals-Foto zeigt das Färbereigebäude der Tuchfabrik Cottbus (Tufa). Der historische Klinkerbau stand direkt am Mühlgraben. Das für den Färbevorgang benötigte Wasser konnte aus dem Graben gezogen und nach Gebrauch wieder an diesen abgegeben werden. Der kleine Hof lag ständig voller Kohle, die mit Eisenbahnwaggons per Kuhlemeier angeliefert und dann von Hand entladen werden musste. Mein Vater arbeitete damals in der Tufa und wurde öfter auch nach Feierabend oder an Sonn- und Feiertagen zu dieser Arbeit herangeholt. Schade um dieses Kulturdenkmal, es wurde etwa 2018-2019 (etwa 35 Jahre früher, d. Red.) abgerissen. Heute befindet sich dort eine Grünanlage.
Manfred Gnida aus Spremberg findet: „Ein Bauwerk von märchenhafter Stimmung. Es ist kein Schloss, sondern imposante Hinterlassenschaft der Hochburg der Textilindustrie. Jahrzehnte bestimmten Textilfabriken und Spezialbetriebe wie Färberei und Appretur, das Bild der Stadt Cottbus. Die abgebildete Fabrik gehörte also nicht zu Schwangau, hat auch nicht so eine Berühmtheit wie das Schloss Neuschwanstein dort, wäre auch kein Thema als Welterbe. Es sollte damals auf Wunsch vieler Bürger und besonders der Jugend erhalten bleiben. Die Bausubstanz war nicht so schlecht. Der Gedanke war, im leerstehenden Gebäude ein Jugend- und Kulturzentrum einzurichten. Politisch fiel damals eine Entscheidung gegen das Vorhaben, die unterschiedlich begründet wurde. In den 1980er Jahren wurde dieses Werk abgerissen. Die Textilfärberei gehörte einst Hermann Salm. Als er 1895 verstarb, verpachtete seine Witwe die Färberei an Emil Kronberg, der sie 1905 kaufte und viele Jahre betrieb. Am sinnlosen Ende war die Färberei ein VEB. Berichtet wurde, dass beim Abriss Baumaterial, wie Dachziegel, Steine, Balken usw., Weiterverwendung bei den Bürgern fand.“
Auch Irina Lehmann aus Cottbus weiß: „Es war eine Färberei, direkt am Mühlgraben und stand vor dem Abriss lange leer. Ich erinnere mich, dass es einige Initiativen gab, dieses stadtbildprägende Bauwerk zu erhalten. Der Abriss hatte mutmaßlich ideologische Gründe und war auch gar nicht so einfach, weil in der Gründerzeit sehr solide gebaut wurde. Die Fläche wurde nie wieder bebaut. Vor etlichen Jahren legten Studenten dort einen kleinen Garten an, für etwa ein Jahr. Seitdem wächst wieder Gras drüber. Ist ja auch nicht das einzige Gebäude, das aus ideologischen Gründen verschwinden musste. Andere Städte machen was aus ihren ‘geerbten’ Schätzen.“

Aus der Sammlung von Ulf Grödel eine weitere Ansicht der in den 1980er Jahren abgerissenen Färberei

Aus der Sammlung von Ulf Grödel eine weitere Ansicht der in den 1980er Jahren abgerissenen Färberei

Der Cottbuser Klaus Reiter fügt an: „Wir sehen hier die Lohnfärberei Emil Kronberg am Mühlgraben, einem Nebenarm der Spree. Erbaut wurde das Gebäude 1891 von Hermann Salm. Seine Witwe verpachtete die Färberein und 1905 verkaufte sie diese. Im Turm in der Bildmitte war eine Wendeltreppe, die noch lange erhalten war. Mitte der Achtziger wurde das Gebäude abgerissen, vorher hatte man die Idee, ein Jugend- und Kulturzentrum entstehen zu lassen.“
Auch Jens Pumpa aus der Rostocker Straße in Cottbus erinnert sich: „Die Färberei wollten junge Leute als Kulturfabrik erhalten. Die staatliche Entscheidung aber lautete: Abriss! Leider ist dieser imposante, an ein Märchenschloss erinnernde Bau Ende der 80er Jahre sinnlos abgerissen worden, obwohl das Mauerwerk noch als stabil galt. Es war die Lohnfärberei von Emil Kronberg.“
Der Cottbuser Michael Max denkt zurück: „Auf diesem Foto sehen wir die Färberei am Mühlgraben, Ostrower Damm / Ecke Am Spreeufer. Uuuuuuh! wie hat es mich als Kind gegruselt, sah ich in die toten Fensterhöhlen des festungsartigen Gebäudes, wenn ich im Bus saß, um nach Hause zu fahren. Kindliche Phantasie wurde damals viel von Ritter Runkel, Kapitän Tenkes und Co. geprägt. Später erst erfuhr ich, dass um dieses bedeutende Werk der Industriearchitektur gerungen wurde, um es nicht dem Abriss preiszugeben.“
Ulrich Buder aus Cottbus lässt wieder die Gedanken schweifen: „Es war eine Färberei!
Nicht weit hinter ihr befinden sich der Mühlgraben und der Amtsteich. Gleich schlägt sich mir eine Geschichte in den Kopf unter dem Motto Auftauchen der Titanic! In den 70er Jahren bekam mein Kumpel Stefan ein nicht allzu billiges Plaste-Aufziehboot, der Titanic nachgebildet, zum Geburtstag geschenkt. Gleich wollte er es mit mir auf dem Amtsteich in See stechen lassen. Wir zogen es auf und hofften, dass es unseren ‘Amtlantic’ auf dem gegenüberliegenden Ufer erreichen würde. Nein, es tat es nicht! Denn es blieb mitten auf dem kleinen Teich stehen. Enttäuscht gingen wir nach Hause. Stefans Mutter schimpfte und wollte, dass wir das Boot retten. Wir schmissen immer kleine Steine in Richtung Kreuzer und erzeugten Wellen, die das Schiff tatsächlich Richtung Ufer trieben. Am späten Nachmittag, auch dank der aufgescheuchten Enten, konnte der Kahn geborgen werden, genau da, wo der Biergarten ist. Damit blieb meinem Kumpel der Teppichklopfer erspart.
Auf dem irgendwann Mal gefülltem Ostsee wäre es da natürlich schwerer geworden. Da hätte man wahrscheinlich noch Rettungshunde einsetzen müssen!“30

Weitere Beiträge über das historische Cottbus finden Sie hier!



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