Die Straßenbahn endete vor Ströbitz

Helga Nattkes Wintermotiv bereitete viel Kopfzerbrechen und auch Freude.

Tief verschneit ist die Berliner Straße Richtung Ströbitz
Tief verschneit ist die Berliner Straße Richtung Ströbitz

„Ein schönes Winterfoto“, freut sich Manfred Gnida aus Spremberg. „Leider kenne ich den Ort dieser Aufnahme nicht. Mit Hinweis auf eine Straßenbahn-Endstelle ohne Wendeschleife könnte es Ströbitz sein. Die damalige Endhaltestelle befand nahe der heutigen Hebbelstraße. Zwischen 1953 und 1972 bekamen alle Endhaltestellen Wendeschleifen, außer dem Hauptbahnhof.“

„Prima Bild, was lange verdrängte schöne Erinnerrungen der Jungenzeit hervorruft. Großes Dankeschön“, schreibt Peter Radach vom Brandenburger Platz in Cottbus. Und weiter: „Damals begann Ströbitz ab Grenzstraße, heute Hebbelstraße. Rechts, nicht mehr im Bild, auf der Ecke zur Berliner Straße konnte man bei Lebensmittel Reiher einkaufen, danach in Nr.68 bei Bauer Haushaltswaren erhalten und dann in Nr.65 bei meinem Vater in der Pilz-Drogerie (1947-1958) den weiteren Einkauf tätigen. Weiter auf der Südseite folgte ein Friseur und dann in Nr. 62 auf dem Hof die Ölmühle Mixdorf, heute Goldschmiede Bullrich, wobei der leider schon verstorbene Werner Bullrich, als Junge mein Spielkamerad, im Haus gegenüber aufwuchs, wo unten das Milchgeschäft der ‘Pietschen’, wie wir sagten, sich befand. (Das große Gebäude im Bild hinten). Wäre man auf der vorderen linken Seite des Bildes abgebogen, hätte man das Karolinenheim, ein Klinikteil des damaligen Krankenhauses, erreicht. In der Mitte des Bildes, im grossen Gebäude befand sich das Blumengeschäft der dahinter gelegenen Gärtnerei Möwitz.“

Aus ihrer privaten Sammlung überließ uns Helga Nattke auch das Bild einer früheren Bahn
Aus ihrer privaten Sammlung überließ uns Helga Nattke auch das Bild einer früheren Bahn

Auch Frank Irmer aus Cottbus kennt die Stelle: „Wir schauen in der Kolkwitzer-/Berliner Straße Richtung Stadtmitte. Benannte Haltestelle beendete die ‘Blaue Linie’ (ab 1952 Linie 3) an der Stadtgrenze zu Ströbitz, das 1950 eingemeindet wurde. Die Straßen- bahnen hatten damals noch auf beiden Seiten Türen. Bevor wieder abgefahren wurde, setzte man die die Türen auf die andere Seite, damit die Fahrgäste wieder auf der in Fahrtrichtung rechten Seite aus- und einsteigen konn- ten.“

Johanna Ruschke aus Rietschen schreibt ein wenig verzweifelt: „Ich tippe mal ganz ohne Ahnung auf B, in Richtung Ströbitz und erhoffe mir einen Kalender… Ich muss doch endlich mal was gewinnen.“ Und auch Jürgen Klingmüller muss einräumen: „Bei dieser schönen Aufnahme muss ich raten. Die Anordnung der Stahlgittermasten und die Freileitung, links im Bild, lassen mich auf B tippen. Dieses Mal ist es selbst für mich, als alten Cottbuser, nicht einfach.“

Hier an den Kornfeldern (jetzt Netto-Markt) endete die Tram.
Hier an den Kornfeldern (jetzt Netto-Markt) endete die Tram. Foto: Sammlg. Helga Nattke

Nur fast richtig, allerdings seitenverkehrt, ordnet Siegfried Krusche aus der Drebkauer Straße das Bild ein. Lothar Haase aus der Spreestraße sieht: „Im Gebäude vorne links befand sich ein Blumenladen. Davor ging es zum Karolinenheim. Gegenüber befindet sich noch heute die Friedrich-Hebbel-Straße die zur Karl-Liebknecht-Straße führt.“ Als Ur-Ströbitzerin hat Christa Rogge ein Heimspiel: „Wir blicken von der damaligen Chausseestraße (heute Kolkwitzer ) zur Berliner Straße stadteinwärts. Die rechte Häuserzeile ist mittlerweile saniert. Das Haus links beheimatete das Ladengeschäft der dahintergelegenen Gärtnerei Konrad Möwitz. Die angrenzende Umzäunung ist Teil des Areals vom Karolinenheim. Heute prägen Neubauten diesen Straßenzug.“ Gewonnen haben Johanna Ruschke aus Rietschen, Kalendersammler Manfred Gnida aus Spremberg und Christa Rogge aus Cottbus-Ströbitz. Herzlichen Glückwunsch!

Carolinenheim Ströbitz, dahinter Gärtnerei Möwitz
Carolinenheim Ströbitz, dahinter Gärtnerei Möwitz F.: Sammlg. Ch. Rogge

Zum Bild der Berliner Straße um 1950 gibt es Ergänzungen. Christa Rogge erwähnte die „Umzäunung vom Karolinenheim“ und fügte ein Bild jenes Haues bei, auf das auch Helga Nattke erläuternd eingeht: „Es handelt sich um die Endhaltestelle der Straßenbahn Linie 3 vor dem Abzweig F.-Hebbel-Straße (alte Grenze zum wendischen Dorf). Die Gärtnerei Konrad Möwitz, wo man wunderschöne Blumengestecke bekam. Bis zum Trampelpfad entlang der Gärtnerei (heutige E.-Barlach-Straße) befanden sich Getreidefelder Ströbitzer Landwirte. Rechts war das Lebensmittelgeschäft Reier. Die schneebedeckte Hecke gehörte zum Vorgarten der Privatklinik Carolinenheim in der Goethestraße, 1910 von Karoline Möller, später Dr. Leiphold, als Geburtenklinik eröffnet. Ältere Ströbitzer erblickten hier das Licht der Welt. 1929 entstand ein Erweiterungsbau. Ärzte verschiedenster Fachrichtungen haben hier Hervorragendes geleistet. Kurze Zeit hatte auch ich die Gelegenheit, hier als MTA in einem Labor zu arbeiten.1972 wurde das Haus für Neubauten abgerissen, geblieben ist der Park, einst für Patienten zur Erholung gedacht. Wer diesen Abriss veranlasste, sollte noch heute bestraft werden. Gegenüber stand das Gemeindehaus für die Amtsverwaltung Ströbitz, 1897 gebaut. Erster Bürgermeister darin war Martin Schultka – abgerissen ca. 1972, ebenfalls eine Schande. Im April 1965 wurde die Verlängerung der Straßenbahngleise bis zur Wendeschleife freigegeben.“

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