Forst: Heimkehr mit Krone im Zacken

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Erinnerungen an die Nachkriegsjahre werden wach

 Gesucht war der Ernst-Hammer-Platz mit dem Wirtshaus zum Schulzen

Wolfgang Schenk schreibt: „Mein erstes Nachkriegswiedersehen mit der fast total zerstörten Heimatstadt im Jahre 1947 war ein schwerer Schock. Besonders rund um die Stadtkirche, wo nur noch wenige intakte Gebäude standen, aber auch schon erste Aufräumarbeiten stattgefunden hatten, zog es uns in die Jägerstraße und in die Hammerstraße, sowie zum Ernst Hammerplatz. Nichts erinnerte mehr an das rege Leben und Treiben der Jahre 1942 bis 1944. Schon bei unserer Flucht am 13. März 1945 ahnten wir, bei unserer Rückkehr werden wir Forst nur noch schwer wiedererkennen. Aber die Forster gaben nicht auf. Ich war damals öfter mit meinem Lehrer und späteren Freund Hans Joachim Leonhardt in den Straßen unserer Stadt unterwegs, er mit Fotoapparat und ich mit einem Eimer und Schippchen am Fahrrad. Er machte Foto nach Foto und ich sammelte ‘Pferdeäpfel’ für unseren ersten Garten in der früheren Kaiser-Wilhelm-Straße, der heutigen Max-Fritz-Hammer-Straße, so ganz nebenher, unsere Gartenparzelle befand sich auf dem Gelände der Grundschule Mitte in der Nummer 15, genau im Dreieck Fabrikgebäude und Straßenzaun. Das gesamte Gebäude war, bis auf einen kleinen Park rund um die Fabrikantenvilla-Ruine, in Gartenland für die Beschäftigten der Firma C.-A. Groeschke aufgeteilt. Es gab eben auch Kapitalisten, die an ihre Arbeiter dachten und diese dankten dem Betrieb durch ihre fleißige Arbeit und Betriebstreue. Zwischenbemerkung: Ich habe nie mehr so viel vor Heimweh geweint wie 1947/48. 1950 war ich noch einmal in der Pförtener Straße. Ein Freundschaftstreffen mit Nachbarn. Nun erst mal wieder zurück zum Thema Ernst Hammerplatz. Gegenüber dem rechten Gebäude und der bereits abgetragenen Ruine, im Rätselbild nicht sichtbar, befand sich das Wirtshaus ‘Zum Schulzen’ bei der Kundschaft und Gästen scherzhaft ‘Zacken’ genannt. Denn wer hier mit Freunden einkehrte, kam mit einem Zacken in der Krone heim. Wie viele Gebäude zwischen Stadtmühle und Markt war auch der ‘Zacken’ ausgebrannt. Günter Wotzka, ein geschätzter und bekannter Lehrer der Jahre nach 1945 hatte damals schon viele Erinnerungsfotos an diese grausame Epoche unserer Stadtgeschichte mit seiner Fotokamera eingefangen, u. a. auch vom ausgebrannten ‘Zacken’. Als ich in den Jahren 2010/2011 meine Aufzeichnungen und Notizen über die Vereinsgeschichte der ‘Aquarien-Terrarienfreunde Forst’ aus den Jahren 1902 bis 2007 für einen Bericht in den ‘Forster Jahrbüchern’ 2012, 2013 und 2014 nach über sechzig Sammeljahren zusammenfasste, stieß ich auf den Bericht von der Feier ‘30 Jahre A-T-Freunde Forst’ im Zacken am 30. April 1932. So schloss sich der Kreis. Da in vorangegangenen Ratebilderfolgen schon recht ausführlich über die Jägerstraße berichtet wurde, möchte ich nicht noch einmal alles wiederholen, denn viele Forster möchten über ihre Erinnerungen berichten.“
Thomas Methe schreibt: „Geradezu die schmale Straße zeigt die Jägerstraße, man nannte sie früher auch Hintergasse, später Braugasse. Unter anderem befand sich in der Jägerstraße das Forster Brauhaus sowie ein Restaurant. Das östliche Ende der Jägerstraße bildete ein Platz- der Ernst-Hammer-Platz. An ihm trafen sich weitere zwei Straßen. In nordwestlicher Richtung zweigte die Hammerstraße ab, die um 1748 die Namen Kleine Mühlgasse und Töpfergasse hatte. Verfolgt man dann die Hammerstraße in Richtung Markt, zweigte an deren Ende die Sternstraße nach links ab und bildete eine Verbindung zur Jägerstraße. Die Sternstraße nannte man in der Historie auch Sternwirtsgässchen, weil sich in der Sternstraße früher ein Gasthaus und Hotel ‘Zum Stern’ befand. Bevor der Ernst-Hammer-Platz so hieß,  war er als Topfmarkt bekannt, denn früher wurden hier Waren von Töpfern angeboten. Etwa in den 1970er-Jahren wurden der Ernst-Hammer-Platz sowie die Jäger-, Hammer- und Sternstraße durch Neubebauung von Wohnblöcken und Neugestaltung überbaut.


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