Gauben verschwanden mit der Zeit / Fabrikanten halfen beim Hausbau
Unser schwieriges Rätselbild löste Familie Koschack und teilte uns außerdem interessante Details mit: „Auf dem Foto erkennen wir ein Siedlungshaus. Es ist von der Firma BGH (Berlin Gubener Hutfabrik) für seine Gefolgschaft erbaut worden. Wo genau dieses Haus stand, war für mich nicht herauszufinden.
Es gab in Guben mehrere Siedlungen – meist am Stadtrand, welche ca. ab 1919 bis 1939 erbaut worden sind. Die ‘Stadtrandsiedlung’ Crossener Straße, gegenüber von Mückenberg, gibt es zum Teil noch heute. Dort, im Herbstsonnenweg, wohnte zeitweise der Opa meines Mannes. Eine andere Siedlung war das Gebiet zwischen Kaltenborner Straße, Schlagsdorfer Weg und Bahn. Diese gibt es heute noch: Heimstättenring, Randweg – genannt Dubrau. In der Obersprucke, damals als Neusprucke bezeichnet, gibt es ebenfalls Siedlungshäuser Am Gehege und Finkenhebbel.
Diese flache Gaube der abgebildeten Häuser auf dem Rätselbild ist später sicher in zwei Mansardenfenster umgebaut worden. Sie sind typisch für die Siedlungshäuser, welche alle von Fabriken für ihre Mitarbeiter gebaut wurden. So hat besonders die Hutfabrik auf soziale Aspekte geachtet, indem nicht nur helle Arbeits- und Sozialräume für die Arbeitskollegen geschaffen wurden, sondern auch Wohnraum mit finanziert wurde. So war es nicht selten, dass drei Generationen in die Hutwerke gingen.“
Gisela Lehmann schrieb uns in ihrem Brief den Ort: „Das gesuchte Rätselbild in dieser Woche ist die Hoemannstraße, besser gesagt Weg, zwischen Triftstraße und Eichholstraße (nicht eindeutig lesbar, d.Red.). Dort wohnten Arbeiter und Angestellte von Lehmann-Wittwe, Wilke C.G., Berliner-Gubener Hutfabrik, Stammhaus und Fugmann, so ist es mir in Erinnerung. Ja, meine Heimat war einst schön und wir waren alle froh, bescheiden und glücklich.Leider teilte man diese Stadt, was ich nie begriff und begreifen werde.“
Auch Andreas Wende mailte uns und tippte auf Gubener Siedlungsbauten. „Das könnten die Wohnhäuser der Gubener Hutfabrik gewesen sein. Sie wurden in den 1920er Jahren errichtet, damals meist am Stadtrand. Diese hier dürften auf der heute Gubiner Seite entstanden sein, es war damals die bevorzugte Wohngegend der Stadt. Die Bewohner bekamen nicht selten zum Hausbau etwas Land dazu, um etwas anzubauen und sich selbst mit Kartoffeln und Gemüse zu versorgen. Im Grund war das schon eine Form von Fachkräfte-Sicherung, denn die Unternehmer wollten die damals übliche Abwanderung und den damit verbundenen Arbeitnehmer-Wechsel verhindern, was auch trefflich funktionierte. Mit solchen Siedlungshäusern wurden ganze Familien an den Betrieb gebunden, nicht selten über Generationen. Da können sich manche Unternehmer heute eine Scheibe abschneiden!“