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Leserbrief: Ist Spremberg bald 1130 Jahre alt? - Märkischer Bote - Märkischer Bote
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Leserbrief: Ist Spremberg bald 1130 Jahre alt?

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Leserbrief: Ist Spremberg bald 1130 Jahre alt?

6. November 2020 | Von | Kategorie: Leserbriefe |

Unsere Leserin Greta Hardkamp mailt uns eine „Entdeckung“:
Unterwegs in alten Chroniken auf der Suche nach dem Datum einer Stadtgründung, bin ich für Spremberg fündig geworden. In der Chronik von Spremberg von 1833 steht auf Seite 41 und 42 eine sehr bedeutende Aussage. Hier der Link zur Bibliothek und dem Buch und im Anhang ein Screenshot von Seite 42.
Dort wird Abraham Hosemann „sacrae Caesare Majestatis Historicus“ zitiert: „Spremberg ist 893 von König Arnulf gegründet und schon gleich mit einer ziemlich starken Mauer umgeben worden.“

Hierzu genügen wenige Handgriffe, um im Redaktionsarchiv des “Märkischen Boten“ Aufklärung zu finden:

Bezeichneter Hosemann (1561-1617), der sich lateinisierend auch gern „Cnemiander“ nannte, war der Sohn eines Schuhmachers aus dem schlesischen Lauban. Das väterliche Handwerk verabscheute er, stattdessen ging er nach Jena und Erfurt und legte sich ein gewisses Maß an Bildung zu. Er fand Gönner und, überaus phantasiebegabt, sehr bald Abnehmer für seine frei erfundenen Geschichtsbilder. Er brachte es gar zum Titel eines „kaiserlichen Historiographen“. In Zeiten weit verbreiteten Analphabetentums bis in höchste Schichten gut nachvollziehbar. Hosemann verfasste nicht nur erfundene Geschichten ganzer Aristokratien, sondern auf Bestellung auch Stadtgeschichten. Er trieb es so weit, dass er sich eine Geschichte mit Daten und austauschbaren Namen „bedeutender Söhne der Stadt“ baute, und diese mit geringen Anpassungen an viele Magistrate schickte, die zum Teil auch begeistert darauf hereinfielen, denn Jubiläen waren immer nützlich für die Volksstimmung. Auch Cottbus schickte sich im Jahre 1830 an, seine 900-Jahr-Feier mit großem Pomp zu begehen, obwohl die Stadtgründung für 1156 belegt ist.
Der Archivar, Regionalhistoriker und Ehrenbürger der Stadt, Walter Drangosch, hat wiederholt zu Hosemann publiziert. Bereits im 17. Jahrhundert ist dieser dreiste schlesische Lügen-Schusterjunge mit seinen Erfindungen aufgeflogen. Dennoch haben sich einige seiner vielen Publikationen, wenn sie in Teilen zufällig Ähnlichkeit mit wirklicher Historie hatten, erhalten und sind immer wieder als „Quellen“ angegeben worden.
Was Spremberg betrifft, besteht, abgesehen von der Frage, ob der Hochstapler Spremberg / NL oder Spremberg-Neusalza meinte, kein Anlass zu Korrektur der Chronik.

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