Guben: Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz im Gespräch mit Bürgern

Vortrag: Russland – und wie weiter? Frieden!

Guben. Am Montag, 31.03., ist dem Gubener „Friedensgrenze e.V.“ ein ganz besonderer Abend gelungen. Im großen Saal des aus den 1950er Jahren stammenden Gebäudes (ehemaliges Kino Guben), das laut Angaben des Vereins seit 30 Jahren nicht mehr so viel Publikum auf einmal gesehen hat, referierte Frau Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz zu den akuten Fragen der Friedenssicherung und des Umgangs mit Russland, der Ukraine und der Nato. Krone Schmalz, die wie keine zweite Journalistin Russland über viele Jahr sehr genau kennt und darüber berichtet, wird von den öffentlich-rechtlichen Medien gemieden. Gut für die Vereine im Land, wo sie gern und mit Erfolg auftritt. Inzwischen auch wieder in den „transatlantisch – sozialisierten“ Bundesländern.

Krone-Schmalz agiert nicht wie eine steigende Zahl von Politikern und Medien mit Narrativen, die sie richtig als eine Form von Propaganda ansieht. Sie überzeugt mit einem großen Wissen an echten, nachprüfbaren Fakten und Analysen. So fordert sie auch an diesem Abend mehrfach die Chronologie der Ereignisse zu beachten und zu hinterfragen. Der Angriff Russlands war und ist völkerrechtswidrig, das betont sie mehrfach am Abend. (Ihre Augen durchsuchen dabei den Saal wohl nicht ohne Grund.) Aber wie kam es dazu? Sie stellt an Hand von Zitaten eine durchgehende rote Linie dar. Beginnend beim Ende des Kalten Krieges und den daraus erwachsenen Hoffnungen. Das Aufblühen der eurasischen Beziehungen war nicht jedem jenseits des Atlantik genehm und so gab es subtile und weniger subtile Gegenaktionen. Krone-Schmalz belegt dies und nennt Quellen. Sie stellt die richtige Frage: Kann ein Kalter Krieg zu Ende sein, wenn sich eine Seite als Sieger begreift und die andere Seite im besten Falle ignoriert wird? Beide Seiten müssen sich als Sieger fühlen dürfen, sonst ist der Kalte Krieg nicht zu Ende. Das Reden miteinander, eine selbstbewußte EU, die ihre Interessen und nicht die von irgend jemandem auf der Welt wahrt, wäre die richtige Sicherheitspolitik.

Die Ukraine als Staat von der Entstehung bis zu den inneren Konflikten der letzten Jahrzehnte, deren Instrumentalisierung durch westliche Dienste etc. sind ein wichtiger Baustein im Zeitstrahl der Ereignisse. Doch was ist die Konsequenz aus dem desaströsen Treiben schlafwandelnder Politiker und höriger Journalisten, die uns in einen letzten großen Krieg treiben? Auch hierauf hat Krone-Schmalz konkrete Antworten, die als Journalistin und Wissenschaftlerin nicht überraschen: Bildung mit einem qualifizierten historischem Wissen sowie ein uneingeschränkter Zugang zu Informationen. Eine Medienlandschaft, die nicht einseitig berichtet, nicht nur „auf der Hauptstraße fährt, sondern die Seitengassen mit einbezieht“. So ruft sie auf, dass jeder, der dazu Gelegenheit hat, der nachfolgenden Generation Grundlagenwissen auf allen Gebieten, vor allem historisches Wissen vermittelt. Denn ohne Bildung und ohne eine allseits berichtende und untendenziöse Medienlandschaft ist unser Wertesystem, unsere Gesellschaft in Gefahr. (Ich vermeide hier ausdrücklich den durch deutsche Politiker bis zu Unkenntlichkeit verzerrten Begriff „Demokratie“. Die Herkunft und Tradierung dieses Begriffes gehört leider nicht mehr zur Allgemeinbildung. Schon gar nicht der politisch Agierenden.)

Der Ausblick in die Zukunft gerät an diesem Abend trotz weniger Hoffnungsschimmer düster. Die existenzielle Frage steht. Mit der bereits durch den Friedensnobelpreisträger(!) Barack Obama geplanten und im letzten Jahr mal eben am Rande, ohne parlamentarischen Diskurs wie das noch beim Nato-Doppelbeschluss geschah, angeordnete Stationierung neuer Interkontinentalraketen in Deutschland werden wir zu einem legitimen militärischem Ziel. Erst recht, wenn es sich um Hyperschallraketen mit großer Reichweite handelt. Dies stellt eine akute Bedrohung für Rußland und die deutsche Bevölkerung dar. Noch im letzten Frühjahr betonten glaubwürdige Mitarbeiter der Russischen Botschaft in Berlin mir gegenüber: „Wir haben kein Interesse daran, Deutschland anzugreifen.“ Dies dürfte mit der Stationierung hinfällig sein. Es wird im Ernstfall auch die Lausitz treffen, dass muss jedem klar sein.

Also nehmen Sie Einfluß auf Ihre gewählten Volksvertreter, auf die deutsche Regierung (der nach dem Wahlbetrug, den auch Ministerpräsident Wüst nicht bestreitet, nur noch wenige trauen). Wo sind denn die einstigen Friedensmärschler? Ach ja, viele von denen haben sich in den Fallstricken des Lobbyismus verfangen und tragen die Ausrichtung zum Krieg inzwischen mit. Auch selbstherrlich auf neuen, allerhöchsten Posten bei der UNO. Man beachte bitte den inzwischen gängigen Sprachgebrauch von Kriegsertüchtigung, die massive Werbung auf deutschen Straßen für den Krieg! Sagen Sie laut: Stopp! Gespräche jetzt!

Jens Lipsdorf
Vorsitzender Niederlausitzer Gesellschaft für Geschichte und Landeskunde e.V