
Ein stattliches Bauwerk zeigt sich in diesem Fotos aus dem Bildarchiv. Leider steht es heute nicht mehr, aber in der Niederlausitz wurde dieses Gebäude als ein Ort der schönen Künste sehr bekannt. Viele erkannten sofort, um welches Bauwerk es sich handelte. So etwa Irina Lehmann aus Cottbus: „Es ist das Theater das in Guben auf einer Insel stand“, schreibt sie. Ähnlich antworten Bernd Hunger aus Guben („Das ist das Stadttheater auf der Schützenhausinsel.“) und Michael Kuhrt aus Cottbus: „Der klassizistische Bau wurde im September 1945 durch Brandstiftung zerstört.“ Auch Jens Pumpa aus Cottbus kennt den Ort und seine Geschichte: „Wir sehen auf die Schützenhausinsel mit Theater und Brücke. Von 1873 bis 1874 wurde das Theater in nur 15 Monaten erbaut.“ Der Gubener Gert Richter, Alt-Deulowitz, beschreibt präzise: „Eine AG unter Führung des Hutfabrikanten Friedrich Wilke erwarb 1873 die Insel, ließ 1873/74 in nur 15 Monaten ein klassizistisches Theater errichten. Nach Abbruch des alten Schützenhauses und der Grundsteinlegung am 16. August 1873 wurde es am 1. Oktober 1874 mit Goethes „Faust“ eingeweiht. 1892 kam es in kommunalen Besitz. Gespielt haben hier u.a. Will Quadflieg und Heinrich George. Am 20. Mai 1905 wurde vorm Portal das Corona-Schröder-Denkmal aus Bronze (seit 45 verschollen) des Bildhauers Karl Donndorf auf einer roten Granitsäule errichtet. Die Massivbrücke stammt aus dem Jahr 1923. Im September 1944 geschlossen, fiel das Theater am 9. September 1945, auf polnischer Seite liegend, einer Brandstiftung zum Opfer. Viele Gubener verfolgten mit Tränen in den Augen die Zerstörung, die von detonierenden Minen begleitet wurde.
Anmerkung: Das Theater in Cottbus wurde erst am 1. Oktober 1908 eingeweiht; 34 Jahre nach dem Gubener!“

Herbert Ramoth aus Cottbus fügt an: „Das Theater, 1874 eingeweiht, erwarb schnell einen guten Ruf und lockte auch berühmte Künstler aus Deutschland und Europa nach Guben. Die Theaterinsel wurde nach dem 2. Weltkrieg polnisches Gebiet und somit Teil der Stadt Gubin. In den 1990er Jahren wurde die Neißeinsel wieder für den Publikumsverkehr geöffnet. Sie ist jetzt ein Park.“
Umfassender schildert Manfred Gnida aus Spremberg: „Das historische Gebäude befand sich einst auf einer ca. 370 Meter langen und 37 Meter breiten Insel an der Nähe der Lubst-Mündung. Die Brücke führte vom Lindengraben über den östlichen Neiße-Arm zur Theaterinsel im heutigen Gubin. Einst vom Schützenverein, der an diesem Ort einen Schießstand und ein Schützenhaus erbaute, genutzt, trug die Insel den Namen Schützeninsel, später Schützen- und Theaterinsel. Das Stadttheater war für hiesige Verhältnisse ein prunkvoller Bau, der 750 Besucher aufnahm. Auf dem Theatervorplatz stand sein Denkmal für die am 14. Januar 1751 in Guben geborene Sängerin und Schauspielerin Corona Schröter. Goethe lernte sie in Leipzig kennen und holte sie später an sein Hoftheater in Weimar. Schon 1670 gab es eine Brücke zur Schützeninsel. Sie blieb im Grenzbereich gesperrt. Das änderte sich erst beim Europatag 1997. Gubin ließ am alten Ort eine neue Brücke errichten, die am 18. September 1998 eingeweiht wurde. Heute führen drei Brücken für Fußgänger und Radfahrer zur Parkanlage, wo Relikte an die alte Zeit erinnern. Die Parkanlage hat aber auch noch mehr zu bieten, darunter eine etwa 5 Meter lange Holz-Nachbildung in Form des Fisches vom Goldfund aus Vettersfelde, der 1882 europaweit Aufsehen erregte (ausführlich beschrieben in NIEDERLAUSITZ 20-18). Für die Doppelstadt ist die Insel ein besonderer Anziehungsort. Es sei nur an den Europatag vom 7. Mai 2022 gedacht, als mit zahlreichen Attraktionen gefeiert wurde.

Leider wird Kulturgut nicht immer geachtet und so haben Graffiti-Schmierfinken das Portal des Theaters besprüht. Es gibt aber auch Löbliches, so der Verein des Gubiner Landes im Verbund mit dem Gubener Verleger Andreas Peter, die in Erinnerung an die Muse Goethes am Ort des Corona-Schröter-Wohnhauses in der Klosterstraße 12 einen Gedenkstein setzten. Das Haus gibt es nicht mehr; es befand sich auf dem Platz in Verlängerung vom Grenzübergang.“
Arno Schulz aus Guben schreibt: „Das 730 Personen fassende Theater wurde mit Goethes ‘Faust’ und der Konzertsaal mit Haydns ‘Schöpfung’ eröffnet. Es war allerdings nicht nur Freude pur, sondern die Stadt musste den wechselnden Betreibern immer wieder finanziell unter die Arme greifen. Den Krieg überstand der Musentempel mit wenigen Schäden, wurde aber später durch Brandstiftung zerstört. Zeitzeugen berichteten von Begleitung durch Klaviermusik, wozu ein Instrument auf dem Vorplatz aufgestellt wurde. Die Ruine wurde abgetragen. 2010 kam es zur EU-geförderten Sanierung der Theaterinsel. Für Ärger sorgte eine 2007 errichtete Brücke von deutscher Seite, aber der Streit wegen einer fehlenden Baugenehmigung konnte beigelegt werden. Am 7. Mai 2022 fand auf der Insel das schöne Europafest statt.“
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