ICO Innenprojekt Cottbus GmbH – An der Pastoa feierte mit Kunden und Partnern ein besonderes Jubiläum. Aktuell in Bau: neue Trampolinhalle im Sportzentrum Cottbus.

Die drei Buchstaben ICO mit dem holzfarbenen quadratischen Punkt über dem kleinen „i“ sind weit über Cottbuser Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Vita des jetzt 50-jährigen Unternehmens ist alles andere als „normal“. Zum Gründungsdatum 1976 waren gerade vier Jahre vergangen seit der rabiaten Zwangsenteignung der letzten Privat- und sogenannten „halbstaatlichen“ Betriebe in der DDR, die auch das Handwerk schmerzlich traf: Vorwiegend produzierende Genossenschaften wurden, bis zur Unkenntlichkeit entstellt, in das Dickicht der Kombinate gezwängt. Wie aus dieser Zeit ein privatwirtschaftliches Saatkorn aufgehen konnte, um seit den 1980er Jahren Erfolg an Erfolg zu reihen, lässt sich nur in der Lebensgeschichte des Gründers nachvollziehen. Klaus Schmiedchen (83) hat sie beim Jubiläum im lichten Schauraum des Unternehmens erzählt.
Lehrjahre bei PoCo
Aus einfachen Verhältnissen kommend, hat Schmiedchen nach damals üblicher 8-Klassen-Schule beim exportintensiven VEB Polstermöbel Cottbus („PoCo“ in der Franz-Mehring-Straße, heute Mühleninsel) Polsterer gelernt und dann als Facharbeiter „im Kreis guter Kollegen“ gearbeitet. Nebenbei hielt er sich an Bücher, qualifizierte sich in Weimar und stieg schon bald als kaufmännisch begnadeter Meister geradezu kometenhaft mit 31 Jahren zum Absatzleiter auf. Ihm unterstand ein Produktionsbereich mit 150 Leuten, motiviert per DDR-Wettbewerbsslogan „Meine Hand für mein Produkt“. Später sah sich Schmiedchen, nun als „Nomenklaturkader I“ als Fachdirektor für Absatz und Außenwirtschaft. Als Geschäftsleute „von drüben“ seine Möbelexporte reklamierten und nicht zahlen wollten („Die waren fehlerfrei, aber drüben hatten die den Absatz nicht im Griff“), forderte er: zahlen oder Klage! Die Kombinatsdirektion, bei der Westpartner Weihnachten die Geschenke abluden, hingegen kuschte. Schmiedchen war empört und kündigte. Vom VEB Innenprojekt Halle hatte ihn das Angebot erreicht, eine Außenstelle in Cottbus zu eröffnen. Der Möbelexperte sagte: „Ich mach’ das.“ Nach fünf Jahren Fernstudium in Dresden hatte er inzwischen bei Prof. Dr. Unruh an der Hochschule Cottbus des Diplom im Bauingenieurwesen erworben.
Die Gründung zum 1. Oktober 1976 war dann fast nur noch eine Formalie. „Ich bekam sogar die Genehmigung, per Zeitungsanzeige Arbeitskräfte anzuwerben, was damals höchst selten und dann nur den Kombinaten erlaubt war.“
„Sternchen“, Bellevue…

In einer gemieteten Tiefbau-Baracke war mit Gründungsurkunde vom Rat des Bezirkes Ipro Cottbus geboren. Eine Erfolgsgeschichte begann. „Wir haben die Stadtpromenade mit der „Kosmos“-Bar im berühmten „Sternchen“, alle Pavillons mit Gaststätten und Geschäften und die Disco samt Bowling darunter ausgestattet“, erzählt der Direktor von damals. Die besten Architekten hatten sich bei ihm beworben, und alle Monteure waren wirkliche Fachleute. So aufgestellt, gewannen sie die großen Berliner Ausschreibungen, „möblierten“ die Französische Kirche und den Dom am Gendarmenmarkt sowie im Umfeld der 1980er Jahren die wieder erbaute Nikolai-Kirche und statten auch das 1821 eröffnete Schauspielhaus 1984 als Konzerthaus aus. Die Feuerprobe für spätere Herausforderungen war das Hotel „Bellevue“ in Dresden. 38 Millionen (Ost-)Mark allein für die Innenausstattung! Schmiedchen war Oberbauleiter, band Betriebe und Handwerker aus der ganzen DDR ein. Auch Cottbuser, wie den Polsterbetrieb Hummel oder Tischlerei Vater. Die Zusammenarbeit mit den Planern aus Japan und den Hochbauern aus Schweden war hervorragend. „Ich kehre noch heute nur im ‘Bellevue’ ein, wenn ich in Dresden bin“, sagt der Jubilar.
Tiefpunkt Treuhand
Ipro Cottbus als Ableger des Hallenser Betriebes fiel 1990 an die Treuhand. Klaus Schmiedchen legte sein Konzept zur Übernahme der Firma vor und bekam zu hören: ‘Ihr wart doch alle Stasileute und schlimme Kommunisten. Jetzt kommt ein richtiger Unternehmer und bringt euch mal das Arbeiten bei.’ Schmiedchen war weder das eine noch das andere und arbeiten konnte er wie kaum ein zweiter. „Es wurden die düstersten Monate meiner beruflichen Laufbahn.“ 200.000 Mark wenigstens wollte die Treuhand, das Konzept hat nie jemand gelesen. Es fand sich ein bayrischer Möblierer, der den Betrieb kaufte und gelegentlich nach ihm sah. Klaus Schmiedchen wurde sein angestellter Geschäftsführer.
1995 hatte der Eigentümer genug verdient und „die Nase voll vom Osten“. Hier gehe ja ohnehin alles „den Bach runter’, jammerte der. „Was blieb mir! Ich habe mein Unternehmen zu einem unangemessen hohen Preis gekauft. “ Am 1. Juli 1995 war ICO in der dritten Eigentumsform endlich sein Eigen. Eine 14-Leute Kernmannschaft blieb dabei und erwirtschaftete Jahresumsätze bei vier bis fünf Millionen D-Mark. Wie in den „goldenen 80ern“ blieben kaufmännische und fachliche Kompetenz die Erfolgsgarantie. Zusammen mit Reiss Bad Liebenwerda hat ICO das Vattenfall-Hochhaus im Cottbuser Süden (Architekt Prof. Rüdiger Sommer, Cottbus) komplett ausgestattet und behielt auch den Rahmenvertrag für die deutschen Standorte der Schweden. Kunden sind Krankenhäuser, die Altenpflege, Universitäten und andere große, aber auch kleine Unternehmen.
Klaus Schmiedchen ist vom Typ her bescheiden, aber er hat auch einen besonderen Stolz „auf viele Arbeitsplätze, die wir hier, nicht nur in Bad Liebenwerda, erhalten helfen konnten, weil wir die guten Produkte von hier für unsere besten Lösungen einsetzen.“ Aktuell arbeiten seine Monteure wieder einmal für den Sport.

„Im Februar eröffnen wir als Ergänzung zum Ensemble LausitzArena, Sportschule und Olympiastützpunkt Deutschlands modernste Trampolinhalle“ berichtete Bürgermeisterin Doreen Mohaupt beim ICO-Jubiläum. Knapp neun Millionen Euro werden dort investiert. Die Schmiedchen- Fachleute besorgen die Ausstattung.
Klaus Schmiedchen und sein Sohn Sylvio Schmiedchen sind dem Sport verbunden, sind kontinuierlich Sponsoren des heimischen FC Energie und fehlen, wie übrigens auch schon der Enkelsohn des Seniorchefs, bei keinem Heimspiel. Vater und zunehmend Sohn Sylvio akquirieren nach wie vor Aufträge in ganz Ostdeutschland und bringen so Aufträge in die Niederlausitz. Wie seit Beginn der Unternehmensgeschichte liegt ihnen ganz besonderes an den Projekten der jetzt im Strukturwandel besonders dynamischen Entwicklung der Stadt. Ob bei der Handwerkskammer oder der Industrie- und Handelskammer, so bestätigten die Gäste von dort – überall wird mit viel Freude an den von ICO Cottbus vermittelten und montierten Arbeitsplätzen agiert. Das bleibe hoffentlich lange so, meint Klaus Schmiedchen, „auch für den Fall, dass ich in überschaubarer Zukunft vielleicht die Geschäftsführung abgebe. Sohn Sylvio und viele vertraute Gäste im gut gefüllten Schauraum An der Pastoa schmunzeln…
In den 1980er Jahren von ICO ausgestattet:


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