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Ab 7. Februar zeigt die Galerie Brandenburg im Großenhainer Bahnhof erstmals eine Werkschau

Er war nach Carl Blechen der wohl produktivste Cottbuser Künstler – Fritz Lattke, der im fernen thüringischen Weimar lebte, aber stets die Heimat im Herzen trug und sie in zahlreichen stimmungsvollen Landschaftsbildern auf die Leinwand brachte. Mehr als 40 Werke des Künstlers, die aus einer privaten Cottbuser Kunstsammlung und dem Wendischen Museum stammen, sind ab 7. Februar in einer Ausstellung zum 125. Geburtstag des Malers im Großenhainer Bahnhof zu sehen. Fast alle diese Gemälde werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Lattkes Werkverzeichnis umfasst rund 600 Kunstwerke, die unzähligen Illustrationen nicht einzeln genommen.
Der Maler wurde 1895 in Neuendorf bei Peitz geboren und in Sandow, damals selbständiges Dorf, wuchs er auf, besuchte die Dorfschule. Seine außergewöhnliche Begabung erkannte Lehrer Gottfried Herzog, der ihm ein Stipendium der Stadt Cottbus für die Kunstgewerbeschule Berlin vermittelte. 14-jährig verließ Lattke also seine Heimat. Es folgten zehn Jahre Militärdienst einschließlich Teilnahme am I. Weltkrieg. Von 1921 bis 1929 studierte der Niederlausitzer an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Weimar, wurde Meisterschüler bei den Professoren Walter Klemm und Alexander Olbricht, die eher der traditionellen Weimarer Malschule verpflichtet waren. Das Bauhaus spielte nur eine unwesentliche Rolle. Im Studium blieb Lattke genügend Zeit, sich seiner Heimat zu erinnern. So lernte er Vertreter der wendischen/sorbischen Intelligenz näher kennen, wie den Dissener Pfarrer Bogumil Schwela, die Burger Dichterin Mina Witkojc und den Bautzener Maler und Graphiker Martin Nowak-Neumann. 1923 wurde er Mitglied der ersten Vereinigung sorbischer Künstler, durch die er Kontakte etwa zu Conrad Felixmüller, aber auch zu tschechischen und slowakischen Künstlern fand.
Seinen Lebensunterhalt bestritt Lattke mit Illustrationen für Zeitungen, Heimatkalender, Bücher usw. Erfolgreich waren seine Bildgeschichten von Hanni, Fritz, Putzi und dem Raben Kolk, die zu den ersten Comic-Geschichten in Deutschland gehörten. Anfang der 1940er Jahre fand Fritz Lattke zu seinem eigentlichen Stil: Landschaftsbilder aus seiner Niederlausitzer Heimat, melancholisch-traurige Teich-, Moor- und Wiesenlandschaften, knorrige, kahle Bäume, ein hoher Himmel, manchmal mit wenigen Figuren staffiert, die als wendische Bauersfrauen, Fischer oder Jäger zu erkennen sind.
1948 gründete sich die Vereinigung sorbischer Maler neu; Lattke beteiligte sich an den Veranstaltungen und Ausstellungen. Aber seine „trostlosen“ Landschaften entsprachen so gar nicht den Anforderungen der neuen Zeit, die sozialistischen Frohsinns erwartete. So wurde Fritz Lattke 1954 aus dem sorbischen Kunstverein ausgeschlossen, später auch aus dem Verband Bildender Künstler der DDR. Er konnte aber von seiner Kunst und für seine Kunst leben, u.a. durch Buchillustrationen für den privaten Verlag Gebrüder Knabe in Weimar. Zudem fanden sich Freunde seiner Gemälde; vor allem Mediziner, Professoren, Lehrer, Pastoren und andere Vertreter der Intelligenz erwarben Lattke-Bilder. Zum Verkauf kamen die Kunstwerke u.a. in den christlichen Buchhandlungen „Wort und Werk“. Selbst der Bischof von Erfurt, der spätere, streitbare Joachim Kardinal Meisner war eifriger Sammler von Lattke-Bildern.
Kurz vor seinem Lebensende wurde Fritz Lattke rehabilitiert und erhielt im Jahr seines Todes, 1980, den Kunstpreis der Domowina.
Die meisten Gemälde von Fritz Lattke befinden sich heute in Privatbesitz, einige auch in Museen in Cottbus, Weimar, Bautzen, Berlin, Altenburg und Prag.
Eine Merkwürdigkeit im Oeuvre Lattkes sind – absolut gekonnte – Gemälde von berittenen Soldaten aus der Zeit um 1800. Rund fünfzig dieser Motive hat Lattke gemalt. In Weimar gab es eine starke Szene von Zinnfigurensammlern, die Szenen großer Schlachten nicht nur nachstellen, sondern auch als Soldatenbild an der Wand haben wollten. Die Sammler hatten Geld und der Künstler musste leben. Nun sind auch einige dieser Soldatenbilder nach Cottbus umgesiedelt.

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