
Sehenswerte Wittenberger Ausstellung zu Lucas Cranach d. J, dessen 500. Geburtstag wir feiern:
Region. In Eisenach, Gotha, Weimar und Wittenberg tut sich derzeit eine zeitlich ferne, uns Lausitzern aber doch recht nahe Bilderwelt auf: Lucas Cranach der Jüngere ist vor 500 Jahren geboren (4.10.1515 – 25.1.1586). Er und sein Vater haben wie keiner sonst die Gedanken der Reformation als Luthers und Melanchthons „Propagandisten“ im analphabetischen Volk verbreitet.
20 Jahre nach dem Thesenanschlag in Wittenberg war die Lehre durch Briesmann 1537 schon in Cottbus angekommen, und die brandenburgischen Herren, der Lüstling Joachim II. in Spandau und sein Bruder Johann in Küstrin für Cottbus, waren Förderer der neuen Lehre. So kommen sie also nicht zufällig in Bildern der Cranachs vor. Alles, was die Menschen dieses Raumes, die Lausitz also eingeschlossen, damals bewegte, findet sich in den großartigen Werken einer Künstlerfamilie, die mit vielen hochbegabten Gesellen fast ein ganzes Jahrhundert malerisch abbildete. Das zu erleben, sind zwei Autostunden (auch gut mit dem Zug) bis Wittenberg nicht zu weit. Die „Landesausstellung Sachsen-Anhalt Cranach der Jüngere“ ist täglich von 9 bis 18 Uhr offen, Abstecher in die Cranach-Häuser am Ort und nach Dessau und Wörlitz werden empfohlen.
Der ältere Cranach
Das Phänomen der Cranachs beginnt mit einem Hans Maler im fränkischen Kronach. Er hatte es schon zu Wohlstand gebracht und bildete seinen Sohn Lukas aus. Als „der Ältere“ wurde der ein Freund Luthers und sächsischer Kurfürsten. Als Künstler war er genial, ebenso aber als Unternehmer und Erfinder. Mit einem unermesslichen druckgrafischen Werk setzte er sich und seine hochproduktiven Werkstätten in die Lage, Botschaften der Reformation in Flugblättern zu verbreiten und das Abbild Luthers bis in fernste Dörfer bekannt zu machen. In Dresden wurde das künstlerische Andenken Cranachs d. Ä. als Meister der Renaissance anlässlich des 500. Geburtstages 1972 gebührend gewürdigt, auch natürlich in allen Medien. Der Jüngere galt damals noch als weniger bedeutend. Zu Unrecht.
Lucas Cranach d. J.
Bruder Hans sollte das Unternehmen Cranach fortführen, aber als der 1537 starb (wenige Bilder von seiner Hand sind überliefert), übernahm Lukas die Aufgabe. Der Umfang seines persönlichen Malwerks ist erst durch jüngere Forschung hervorgehoben worden. Sicher setzte er die Typisierung in Figurengruppen, die schon der Vater pflegte, fort und kam aufgrund der Auftragslage, ewig Epitaphe (Begräbnisbildnisse) zahlungskräftiger Kunden zu erstellen, zu vielen Wiederholungen. Aber viele seiner Porträts und selbst landschaftlich weitergeführten Heilandbilder rühren den Betrachter
tief. Während Vater Lukas oft, selbst von Dürer, porträtiert wurde, gibt es vom Jüngeren, der auch Ratsherr, Kämmerer und sogar Bürgermeister in der damals hochbedeutenden Stadt Wittenberg war, kein ausdrückliches Bildnis. Möglich, dass er sich selbst als Mundschenk (Bild oben) in ein Abendmahl gestellt hat, so wie Hitchcock später immer durch seine Filme lief. Indiz ist der Siegelring am Finger der linken Hand. Der zeigt die gekrönte Schlange mit dem Ring im Maul. Der Jüngere hat sie vom Vater als Signum übernommen, allerdings machte er aus dem Fledermausflügel einen Vogelflügel. Details eines Bekenntnisses zur Tradition mit deutlichem Selbst. In der Wittenberger Ausstellung sind solche Botschaften, auch technisch, gut dargeboten. Es lohnt sich! J. Heinrich













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