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Feuilleton: Die etwas trockene “Berliner Luft”

1. März 2019 | Von | Kategorie: Feuilleton |

Anmerkungen zur karnevalistischen „Frau Luna“ am Cottbuser Staatstheater /Aufführungen nur noch bis 5. März 2019.

Feuilleton: Die etwas trockene

Die Chance! Graf Zeppelin lädt Steppke als Flugpionier ein. Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Rahel Brede (Marie), Christian Henneberg (Lämmermeier), Gevorg Aperánts (Steppke), Dirk Kleinke (Pannecke) und Carola Fischer (Mathilde Pusebach) | Foto: Marlies Kross

Cottbus. Operette geht immer, hieß es im alten Cottbuser Stadttheater. Man muss es aber können, folgte meist als Nachsatz. Heute bliebe hinzuzufügen: Und auch wollen. Für gegenwärtiges Potenzial ist „Frau Luna“ von Paul Lincke in der Regie von Steffen Piontek eine Bruchlandung auf dem Mond. Wobei: Wenigstens dort wir es mit Mike Hahnes Ausstattung etwas operettenhaft und das Spiel beginnt zu zünden. Was zuvor als „Berlin“ angeboten wird, ist an Einfallslosigkeit und Tristesse kaum zu überbieten. Der Vorhang aus alten Ansichtskarten hebt sich, zeigt weitere Karten, deren Vielfalt die Geringfügigkeit der Aussage nicht erhöht. Den Hintergrund bildet die Fotografie einer düsteren Sackgasse statt der Szene eines quirligen Berliner Hinterhofes. In gähnender Öde quälen sich die Dialoge. Warum bewegten sich nicht Berliner Gören oder andere Menschlein in der Szene? Mitleid erfasst den Zuschauer beim Flehen nach „ein kleines bisschen Liebe“ in dieser Bühnenleere. „Frau Luna“ hatten wir schon mit Schmiss, etwas Frechheit gegenüber der (DDR-) Obrigkeit (1976, Regie Horst Ludwig) und eben lustvoll.
Cottbus spielt die späte Stückfassung von Otto Schneidereit, der Linckes Gassenhauer zu einer Operette bündelte. Christian Möbius hat die musikalische Leitung und lässt die Neigung der Titel ins Berlin-Hymnische nicht überborden. Beschwingte Musikalität bekommt witzige Frische, wenn die drei Ballett-Paare als Berliner Jungs oder silbrige Mondwesen tanzen.
Am besten gefällt in vorantreibender Direktheit die „möblierte Wirtin“ der Carola Fischer, die eine couragierte Pusebach das schöne „Oh Theophil“ schnulzen lässt, dass man den Rahmen vergisst. Als die Huschken aus dem Vorderhaus sahen wir eine flotte Lena Kutzner, später wunder- und würdevoll in reinem Klange die Frau Luna. Ihre Zofe Stella singt Miriam Miesterfeldt, die sich allerdings zu jedem Lied aus der Szene nimmt und wie eine Operndiva aufstellt. Das klingt gut, sieht aber nicht operettenfein aus.
Als Fritz Steppke wurde eine kleiner Mann mit einem auch nur kleinen Tenor eingekauft; Gevog Aperánts vermag nicht die Meute mit sich zu ziehen, was er tunlichst sollte. Warum Christian Henneberg als Lämmermeier sächseln muss, erschließt sich nicht. Zackig Uniformierte geben, operettenleicht singend, Jens Klaus Wilde als motorisierter Adliger und himmlischer Prinz, Heiko Walter als Ordnungshüter – drunten wie oben. Der Chor, diesmal von Christian Georgi einstudiert, bringt sich lebhaft und pointiert ein.
„Frau Luna wird nur eine Woche lang bis 5. März 2019 gespielt. Ein Karnevalsbeitrag. Mehr nicht. J.H.

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