Dankbarer Interims-Intendant / Matthias Günther: ein Leben für Moderne im Denkmal.

Cottbus. Die letzten Szenen dieser Saison sind gespielt, die letzten Takte verklungen, der Beifall verhallt. Er brandete nochmal heftig auf bei einem begeisternden Abschiedsfest auf der großen Bühne am vergangenen Freitag. Interims-Intendant Hasco Weber verabschiedete sich nach einem Jahr mit einem Programm-Puzzle aus allen Sparten und führte gleich selbst durch dieses überwiegend heitere Erinnern, gebettet in den Soundtrack der beliebten JUKEBOX mit Schauspieler und Sänger Markus Paul und Schauspielkapellmeister Hans Petith und den Solisten Sigrun Fischer, Johannes Scheidweiler, Charlotte Müller, Lu Schulz und Heiko Liebmann.
Oberbürgermeister Tobias Schick fand herzliche Worte für Hasco Webers Engagement, das nach der erfolgreichen Phase unter Stephan Märki nochmals eine reibungslose Spielzeit ermöglichte. Weber bedankte sich in allen Ebenen für offenes Entgegenkommen. In einer kurzen Ansprache als Prinzipal forderte er Freiheit der Kunst. Er sieht sie gefährdet durch „eine Partei, die mit einer Farbe benannt wird“ und erwähnte im gleichen Atemzug „offenkundig rechtsextrem verursachte Vorfälle“ jüngst in Cottbus.
Aus der Spielzeit waren unter anderem die Aufsteh-Puppen-Szene aus „Der Hauptmann von Köpenick“ zu sehen,“ der Freiheitschor aus Verdis „Nubucco“ und das „Blumenduett“ aus „Madame Butterfly“ zu hören. Zum Toben brachten das Haus ,„Die Drei Tenöre“ – im Ansatz parodierend Hardy Brachmann, Alexey Sayapin und Jens Klaus Wilde. Das Ballett erinnerte an die Doktoren-Szene aus „Da Vinci“.

Zahlreiche Mitarbeiter – nicht alle namentlich genannt – verlassen das Haus nach dieser Spielzeit aus unterschiedlichsten Gründen. Christian Illgen, Direktor des Künstlerischen Betriebsbüros, wird Intendant in Erfurt, Corinna Jarosch, Geschäftsführende Dramaturgin im Musiktheater, geht nach Salzburg und auch die Sopranistin Cornelia Zink verlässt Cottbus nach kurzer Zeit wieder. Schauspieldirektor Raban Witt stand nur für eine Spielzeit unter Vertrag, und im Ballett ist der Wechsel der jungen Künstler normal; mehrere gehen, neue kommen. Abschied nimmt auch Tontechniker Ulrich Salzbrenner, der seit 1989 zum Team zählte.
Ein ganzer Film war dem Ausscheiden des Technischen Direktors Matthias Günther gewidmet, der 1984 an diese Theater kam, eine Zugmaschine und später einen Transporter fuhr und sich in die Technik einarbeitete. 1999 wurde er Direktor und hat seither sein Leben dem geduldigen Ringen um die Moderne im (von ihm heiß geliebten) Denkmal gewidmet. Cottbus hat mit dem zu 80 Prozent original erhaltenen Sehring-Bau eines der schönsten Theater Deutschlands. Günther wirkte schon an der großen Rekonstruktion der 80er Jahre mit. Damals wurden die Zugänge zum zweiten Rang ins Kuppelfoyer verlegt. Nach bundesdeutschem Denkmalrecht sollte das rückgebaut werden. Aber es blieb dabei. Darauf und auf perfekte Ton- und Lichttechnik im Denkmal ist Günther stolz. Er geht als Ehrenmitglied des Theaters in den Ruhestand und durfte sich viele Minuten dauernden Beifalls erfreuen.
Neuer Intendant und Operndirektor ist jetzt Berthold Schneider, der Unterhaltung mit viel Humor verspricht. Den wird Hasco Weber bei der Pflege seines Mispelbaumes brauchen, den ihm Ulrike Kremeier und die Damen der dkw-Kunstsammlungen zum Abschied schenkten. J. Heinrich










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