Herrenhäuser in der Lausitz (7): Gute Hoffnung für den alten Rittersitz in Raakow

Zwei wesentliche Bedingungen entscheiden häufig über das Schicksal der Herrenhäuser: Die Nutzung und die Lage. Was soll aus einem Haus werden, für das es keine vernünftige Nutzung gibt? Zumeist sind die Gemeinden nach 1990 Eigentümer geworden und mit ihrem “Gewinn” völlig überfordert. Und wer will in ein altes Haus investieren, wenn das Umfeld nicht stimmt, sei es die Lage an einer viel befahrenen Straße, seien es die nicht wegzureißenden Buden und Garagen aus DDR-Zeiten oder der allseits beliebte Sportplatz direkt vor der Schlossterrasse. Unter diesen Gesichtspunkten hat unser heutiges Objekt allerbeste Chancen auf eine gute Zukunft. Es liegt sehr ruhig und doch am Rande eines lebhaften Ortes und es gibt eine beabsichtigte Nutzung, die vor Ort benötigt wird. Die Rede ist von dem Schloss Raakow am Stadtrand von Drebkau – doch der Reihe nach.

Barockschloss
Das Barockschloss in Raakow aus dem 18. Jahrhundert existiert nicht mehr. Teile des Baues wurden in einen Neu- und Umbau integriert. Ein Farblithographie von 1870 vermittelt uns so recht den Charme und die Behaglichkeit ländlichen Wohnens.

Die Köckritze

Die alte Geschichte des Dorfes Raackow (das “c” in dem Ortsnamen verschwand in den 1930er Jahren) liegt im Dunkeln. Doch allein die Tatsache, das ein Teil des Dorfes über Jahrhunderte böhmisch (später sächsisch) und ein Teil brandenburgisch war, deutet auf eine mittelalterliche Gründung hin. Erstmals genannt wird der Ort im Jahre 1468, als in einer Urkunde ein “Pop von Köckeritz gesessen zu Raakow” erwähnt wird. Schon Anfang des 16. Jahrhunderts war Raakow der Mittelpunkt einer ausgedehnten Herrschaft geworden. 1527 wurde mit Siegmund von Köckritz, der Begründer einer speziellen Linie dieser Adelsfamilie, mit Raakow und seinen dazugehörigen Gütern belehnt. Zu dem Rittergut gehörten die Dörfer Brodtkowitz, Illmersdorf, Jauer, Kausche, Koschendorf, Kunersdorf, Laubst, Pritzen und Siewisch. Die Familie von Köckritz, vor allem mit Drebkau über mehrere Jahrhunderte verbunden, blühte in vielen Zweigen, Ästen und Häusern. Selbst Götz von Houwald, der beste Kenner Lausitzer Adelsgeschichte, wusste manchmal nicht, wie die Vettern alle zueinander gehörten.

 

 

Landschaftspark
Im 19. Jahrhundert wurde südlich des Schlosses ein Landschaftspark angelegt. Pücklersche Gartenkunst ist unverkennbar, vielleicht waren Schüler des Fürsten hier am Werke. Ein Wasserlauf wurde zu einem See mit malerischen Ufern erweitert. Die Bäume sind zu imposanten Gruppen herangewachsen. Ganz nach Pückler ist z.B. diese Pflanzung: Blutbuche, daneben eine Eiche, dann ein Ahorn, versetzt dahinter eine Platane und eine Linde.

30 jähriger Krieg

Der Cottbuser Amtshauptmann Abraham von Grüneberg machte 1652 mit seinem Sekretär Carl Magnus eine Rundreise durch den Cottbuser Kreis. Er sollte für seinen Kurfürsten den Zustand des Landes nach 30 Jahren Krieg aufschreiben. Am 19. Februar war er in Kolkwitz, hier mussten die Bewohner des südwestlichen Kreisteiles zur Visite erscheinen. Über Raackow notierte der Cottbuser Amtshauptmann: “Hans Sigismund von Köckrizen zuständig. Das ganze Dorf ist brandenburgisch ohne den Hoff und Rittersitz, gehören in die Kirche nach Steiniz.” Von ehemals 10 Höfen lagen sechs wüst danieder, fünf davon hatte der Rittergutsbesitzer sich angeeignet. Nur auf vier Höfen waren Bauern ansässig: David Wolff, der auch Müller war, Hans Mlosch, Hans Behla, Georg Reitsch. Um 1700 musste die Familie von Köckritz Raakow aufgeben, rund 200 Jahre hatte sie die Geschicke des Dorfes gelenkt. Im Besitz folgte die Familie von Löben. Auch sie konnte Raakow nur in vier Generationen halten, in der Folge wechselten die Besitzer häufig. Von 1842 bis 1850 saß sogar ein “Porsche” auf dem Schloss.

 

 

 

 

 

 

Umbau
Um 1880 wurde in Raakow ein neubarockes Schloss errichtet. Auf unregelmäßigem Grundriss entstand eine repräsentative Anlage. Zu DDR-Zeiten wurden in dem Haus Jugendfunktionäre geschult. Durch den geplanten Umbau zu altersgerechten Wohnungen hat das Schloss jetzt wieder eine Perspektive.

Das neue Schloss

Die erste Nachricht von einem Herrenhaus haben wir durch ein Unglück: 1694 brannte das Schloss ab. Das uns bekannte spätbarocke Herrenhaus wurde von Friedrich Wilhelm von Löben erbaut, dem Raakow von 1753 bis 1797 gehörte. Das Haus war fast ein Typenbau, in der Lausitz häufiger anzutreffen, neun Fensterachsen breit, eingeschossig, das Krüppelwalmdach mit Mansardgeschoss. Zu dem Komplex gehörten ein großer, separater Wirtschaftshof und ein prächtiger Park. Nach 1866 kam Raakow in reichere Hände, der neue Besitzer nahm umfangreiche Neu- und Umbauten vor. Bauherr war entweder Graf Fritz von Wartensleben oder, letzteres scheint mir wahrscheinlicher, der Generalleutnant Johann Hermann von Oppeln-Bronikowski, etwa von 1885 bis 1904 in Raakow. Es entstand ein vielfach gegliederter Baukörper mit unregelmäßigem Grundriss. Das alte Schloss wurde umgebaut und integriert, hinzugefügt wurden ein nördlicher Anbau mit Turm und ein ganzer Flügel im Süden, dazu Loggia, Erker und Terrassen. Auch im 20. Jahrhundert wechselten die Besitzer mehrfach. Zunächst kam ein Hauptmann von Schack, dann Major Graf Beissel von Gymnich und letztlich Kurt Buder.

 

 

 

 

 

 

 

Stallungen
Die Stallungen des neubarocken Schloßes.

Der Zukunft zugewandt

Nach der Vertreibung 1945 wurde das Schloss zunächst vom Roten Kreuz genutzt, dann wurde es der Freien Deutschen Jugend (FDJ), der Jugendorganisation der SED, als Bezirksschule mit Internat überlassen. Nach der Wende wurde das Schloss dem Amt Drebkau übertragen, ein privater Bildungsträger zog ein. Der hielt nicht lange durch, was dann kam, nennen Anwohner heute noch mit Grausen “die Katastrophe” – alle atmeten auf, als die alternativen Leute mit den antiautoritär erzogenen Kindern wieder Richtung Westen verschwanden. Seit kurzem ist die Zukunft von Schloss Raakow auf einem guten Weg. Da kamen zwei, die erkannten: Die Lage des alten Hauses ist gut, ein Konzept für angemessene Nutzung fand sich. Nach reiflicher Überlegung kauften die Drebkauer Kerstin und Torsten Koalick das Anwesen. Die Unternehmerfamilie investiert hier nicht nur Geld, sie hat auch die nötige Tatkraft, Schwung und Ideen. Das Schloss soll zu einem Ort altersgerechten Wohnens umgebaut werden. Daneben wird an der Stelle des altes Wirtschaftshofes ein Altenpflegeheim gebaut, das schon im nächstes Jahr eröffnet. Und das ganze in einer Parklandschaft, die keinen Vergleich zu scheuen braucht. Übrigens: Wege wurden schon angelegt, der Schlossteich entschlammt, jede Menge Wildwuchs entfernt und Rasen gesät, alte Schuppen und Ställe abgerissen. Jetzt können die Bauarbeiten vorangehen.
SEK

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