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Hoffte Pücklers Machbuba auf Bildung und Karriere?

Kultur & Service, Region | Von | 9. Februar 2024

Aus neuen Forschungen über Pücklers nubische Begleiterin im Magazin WienMuseum.

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Pücklers Machbuba in Wien. Undatiertes Aquarell von Moritz Michael Daffinger. Aus dem Besitz eines österreichischen Erzherzogs und aus der Sammlung Dr. August Heymann, Wien, 1933.

Region/ Wien (J.H.). Fürst Pücklers Gefährtin Machbuba (um1825-40) hat es nie bis in die Niederlausitz geschafft, nur bis Muskau, wo sie begraben liegt. Aber sie blieb, obwohl sie schon etwa 15-jährig starb, in Muskau, in Cottbus und vor allem in Wien in lebhafter Erinnerung. Dort erschien der preußische Fürst in Begleitung des Mädchens aus Nordost-Afrika Anfang des Jahres 1840. Auf Bällen und in Salons erregten beide gehöriges Aufsehen.
Die Ethnologin Dr. Kerstin Volker-Saad ist der Spur der bewunderten Sklavin, die namhafte Künstler sogar porträtierten, gefolgt. Darüber berichtete sie vor wenigen Tagen in dem Magazin WienMuseum. Was sie herausfand stößt hier auf großes Interesse:
Machbuba, das ist hier bekannt, stammte aus dem Südwesten des heutigen Äthiopien. Die Ethnologin reiste in die Region, die damals unter der Herrschaft der Oromo stand. Machbuba kam nach ihrer Recherche aus Guummaa, einem Verwaltungsbezirk des Oromo-Reiches, und

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Im Gasthof „Zum Goldenen Lamm“ residierte Pückler mit der vom Wiener Hochadel bewunderten Machbuba.

gehörte wohl einer höheren Beamtenfamilie an. In einem lokalen Krieg wurde sie versklavt und verschleppt. Sklavenhändler brachten sie nach Gondar, Hauptstadt des Königreiches Amhara. Weiter ging es über Metemma an der Grenze zum Sudan und bis Khartum, heute Sudans Hauptstadt am Nil. Der Khartumer Sklavenmarkt versorgte Einheimische mit unfreien Arbeitskräften für Feld- und Hausarbeiten. Hier sah Pückler 1837 das Mädchen und zahlte nach eigener Aussage ohne zu handeln den geforderten Preis. In hier bekannten Quellen wird meist von „Ajiame“ geschrieben, die in Kairo gekauft und später zu Machbuba wurde. Volker-Saad stellt klar: Das ist leider absolut falsch. Ajiame war eine von vier Sklaven, die Pückler in Kairo und Khartum erwarb. Ajiame kaufte er in Kairo, Machbuba in Khartum. Die langlebige, verwirrende Legende hat Pückler selbst in seiner Literatur gesponnen. Aber Briefe und Archivalien führen zu dem Schluss, dass Ajiame und Machbuba zwei Mädchen waren, die zu Pücklers Entourage gehörten. Zudem ist belegt, dass Machbuba in ihrer Muttersprache eigentlich Bililellee hieß. Das erklären äthiopische Wissenschaftler. Der Ethnologin ging es in ihrer Forschung um die Persönlichkeit Machbubas. Sie erklärt: „Ich bin die Sklavenroute auf den Spuren von Machbuba nachgereist, weite Strecken zu Fuß. Es blieb der Eindruck: Wer diese Strapazen überlebte, war von ausgeprägter Willensstärke. Machbuba war schon eine starke Frau, obwohl wir ja gar nicht wissen, wie alt sie damals war.“ Pückler kaufte sie und stellte ihr frei, in Freiheit zu gehen, wie er schreibt. „Dass Machbuba sich entschließt, zuerst einmal mit dem Fürsten mitzugehen und sich nicht alleine in fremder Gegend durchzuschlagen, erscheint einleuchtend“, findet die Wissenschaftlerin. Die Abhängigkeit wechselt von der von Sklavenhändlern durch zu einer anderen vom Fürsten. Während der Reise durch das osmanische Reich veränderte sich Machbubas Rolle. Sie diente als Kammerfrau, als Übersetzerin, und als Pückler erkrankte, übernahm sie dessen Buchhaltung. Nach Wien reisten sie über Budapest, und ab hier verfolgten Presseberichte jeden Schritt des „Fürsten und seiner Abessinierin“. In Wien angekommen, wollte sie ihrer repräsentativen Rolle entkommen, rebellierte gegen den starren Hochadel und wollte lieber lernen und etwas für ihre eigene Entwicklung tun, statt Pückler auf Bälle und in Salons zu begleiten. Der stauenden Gesellschaft präsentierte er sie als eine beeindruckende Person mit vielen Kenntnissen und Fähigkeiten. Beide blieben fast sieben Monate – vom 2. Januar bis 26. Juli – in Wien und fuhren dann, gesundheitlich angeschlagen, nach Marienbad zur Kur. Den Rest kennt man hierzulande – oder meint, ihn zu kennen.

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