Reisebericht: Kopernikus, Kathrinchen und Spitzensport

Leichtatlethik Hallen-WM ab 20. März in der Deutschordenstadt Thorn/Torun, seit 1997 mit Burg und Altstadt im UNESCO-Erbe.

Blick über die Weichsel-Eisschollen zu Toruner Altstadt mit der mächtigen Johanneskirche. Weiter rechts liegen (hier nicht im Bild) die Ruinen der Ordensburg. Fotos: Autor
Blick über die Weichsel-Eisschollen zu Toruner Altstadt mit der mächtigen Johanneskirche. Weiter rechts liegen (hier nicht im Bild) die Ruinen der Ordensburg. Fotos: Autor

Die Stadt Thorn, heute Torun, war bis 1920 ein Ort, in dem Deutsche und Polen harmonisch miteinander lebten, auch wenn sie ewig (bis heute) stritten und streiten, ob Nikolaus Kopernikus Deutscher oder Pole sei. Der berühmteste Sohn der Stadt (1473-1543) war Arzt und Astronom und rückte als erster die Sonne ins Zentrum unseres Planetensystems. Heute steht er als bester Freund der 30.000 Studenten der Stadt direkt am Rathaus auf hohem Sockel.

Mit der Altstadt 1997 zum UNESCO-Erbe ernannt: Die Trümmer der Burg des Deutschen Ordens. Sie war die erste von vielen weiteren im Kulmer Land.
Mit der Altstadt 1997 zum UNESCO-Erbe ernannt: Die Trümmer der Burg des Deutschen Ordens. Sie war die erste von vielen weiteren im Kulmer Land.

Wenn sie etwas Wichtiges feiern, dekorieren sie ihn entsprechend. Bis zum I. Weltkrieg, lernten alle deutschen Kinder in der Schule auch polnisch, und sie waren traurig, als ihre Familien wegen des Versailler Vertrages ihre Stadt verlassen mussten, auch wenn die Eltern finanziell entschädigt wurden. Die Enkel und Urenkel leben heute in aller Welt, nicht wenige in den USA, aber auch in der Lausitz. Das Polnische hat sich verloren, das Interesse an der schönen Stadt an der Weichsel aber nie.

Mehrzweckhalle Torun
2014 wurde die Arena und Mehrzweckhalle Torun eröffnet. Für Sportereignisse fasst sie 5.200 Zuschauer, zu Konzerten oder anderen Events bis zu 9.250. Leichtathleten Europas trafen sich hier 2021. Foto: Andrzej Romanski

Torun hat heute etwa 200.000 Einwohner und ist neben dem noch größeren Bromberg (Bydgosz) eine der beiden Hauptstädte dieser Pommern-Woiwodschaft. Was Touristen, auch jenen, die regelmäßig mit dem Reiseclub Cottbus oder als Camper (riesiger Campingplatz direkt an der Weichsel) hier aufkreuzen, fasziniert, ist die bestens erhaltene Altstadt. Seit dem Schwedeneinfall am Anfang des 18. Jahrhunderts wurde hier kaum etwas zerstört, und in den alten Gemäuern, nachts auch in den tiefen Altstadtkellern, herrscht junges Leben.

Direkt am Rathaus steht Thorns berühmtester Sohn, Nikolaus Kopernikus, der die Sonne in den Mittelpunkt dieser Welt stellte.
Direkt am Rathaus steht Thorns berühmtester Sohn, Nikolaus Kopernikus, der die Sonne in den Mittelpunkt dieser Welt stellte.

Die Gastronomie bietet große Vielfalt, und beliebte Spezialität blieben die „Kathrinchen“, Thorns Lebkuchen, die hier nicht nur um Weihnachten, sondern das ganze Jahr gegessen werden. Das Gebäck mit Honig, Zimt, Nelken und anderlei Gewürzen schmeckt großen wie kleinen Leuten und wird in Torun gefeiert. Viele Läden bieten es an, und im Museum können Besucher den Teig selbst kneten, formen und in nur 5 Minuten ausbacken. Lecker!

1997 wurde die Toruner Altstadt mit den Überresten der Deutschordensburg zum UNESCO-Erbe ernannt. Nur wenige Teile der Burg aus dem 13. Jahrhundert sind erhalten; ein Wachturm wurde restauriert. Ordensburgen prägen bis heute das Kulmer Land, in dem Thorn unter Verwaltung des Deutschen Ordens als erste Siedlung anstelle einer slawischen Festung entstand. Der polnische Herzog hatte die Ordensritter im 13. Jahrhundert zur Hilfe gegen die marodierenden baltischen Pruzzen angefordert. Thorn entwickelte sich gut am Fluss, wurde Hansestadt und bekam erst 1703 Ärger mit den Schweden. Die sächsischen Soldaten von August dem Starken konnten Zerstörung nicht verhindern. Aber das unterblieb dann auch für Jahrhunderte.

Mit barocker Fassade ist der Goldene Stern das höchste Haus am Markt; in der Neustadt lädt die „Blaue Schürze“ als ältestes Lokal in Polen zu rustikaler Küche ein.
In der Neustadt lädt die „Blaue Schürze“ als ältestes Lokal in Polen zu rustikaler Küche ein.
Mit barocker Fassade ist der Goldene Stern das höchste Haus am Markt.
Mit barocker Fassade ist der Goldene Stern das höchste Haus am Markt.

Heute kommen Sachsen und andere, um Kopernikus zu ehren, dessen Vater ein Pole aus Krakau war, der in Thorn seine deutsche Frau heiratete. In Nachbarorten treffen sich nun moderne Ritter zu Lanzenkämpfen und in Torun demnächst die Leichtathleten

Einst Schuhfabrik, heute Lebkuchenmuseum, in dem die berühmten „Kathrinchen“ noch immer gebacken werden.
Einst Schuhfabrik, heute Lebkuchenmuseum, in dem die berühmten „Kathrinchen“ noch immer gebacken werden.
Besucher können ihren gekneteten Teig selbst in die Model drücken.
Besucher können ihren gekneteten Teig selbst in die Model drücken.

der Welt. J. Heinrich