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„Schöne neue Welt“ an der Neuen Bühne Senftenberg

Feuilleton | Von | 7. Dezember 2018

Im Nebel eines „Soma“-Glücks / Anmerkungen zur Uraufführung.

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Szene aus „Schöne neue Welt“ – alles andere als schön, aber spannend | Foto: St. Rasche

Senftenberg (MB). Aktuelle Endzeitstimmung in einer zu satten, redlicher Leistung fremden Gesellschaft findet ihre Stoffe in der Literatur. Aldous Huxley passt prächtig in die kaputten Seelen. Der Brite (1894-1963) erzielte in einer Zeit, die tatsächlich eine elende war, Erfolg mit seiner „Schönen Neuen Welt“. 1932 war das. Hier bleibt nicht viel zu erklären. Aber heute?
Huxleys Totalmanipulation des menschlichen Wesens wird, ähnlich wie Orwells „1984“, gern herangezogen, um die Grenzen auszuloten dessen, was schiefgehen kann. Gespielt wird und wurde Huxley aktuell in Hamburg-Altona, in München und auch in Dresden. Dennoch tritt uns an der neuenBühne eine Uraufführung entgegen. Die Roman-Vorlage hat unerschöpfliche 800 Seiten. Für die Theaterfassung mit knapp 120 Minuten Spielzeit haben Samia Chancrin und Chefdramaturgin Katja Stoppa in einem guten Jahr Arbeit zutiefst anrührende Beziehungssegmente dramatisiert.
Worum geht es?
In einer sehr, sehr fernen Zeit hat die Menschheit alle Ärgernisse beiseite gelegt. Selbst die der unbestimmbaren Zeugung. Menschen werden in Retorten produziert, und zwar so, dass ihre Gefühlsscala zu ihrer vorgesehenen „Verwendung“ passt, wie ein Deckel auf den Topf. So hat jedes Geschöpf nur Spass an dem, was es tun muss, und wenn einmal etwas nicht ganz so läuft, gibt es noch „Soma“, eine Droge, die beflügelt, ohne jegliche Folgen.
Die Autorinnen haben die Regie und die Dramaturgie übernommen, die utopischen Kostüme schuf als Gast Lea Reusse, Musik bereitet Rober Eder, die Choreografie des sehr in Körperbewegung transportierten Handelns besorgte Franziska Golk.
Zu erleben sind faszinierende schauspielerische Leistungen, ganz erstaunlicherweise die Individualitäten herauskehrend. Das gelingt allen eindrucksvoll. Aber die Premiere litt unter nötigen Umbesetzungen wegen Krankheit, weswegen eine Darstellerin gar zwei Rollen übernimmt. Das technische Handling ist zudem unausgereift. Nicht nur, dass dem Videovortrag der Akku ausging, die Bilder sind auch schlecht. Alles ist (warum?) mit zu heißer Nadel gestrickt. Trotzdem macht das Stück betroffen und findet Beifall. Hnr.

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