Rastlos, bis zum Schluss

Der Best-Bauführer und langjährige Fußball-Korrespondent Joachim Rohde ist gestorben.

An der Cottbuser Lutherkirche. Hier hat Joachim Rohde als Erstklässler den Bombenangriff vom 15.2.1945 er- und überlebt - nachzulesen in seinem Buch „Rastlos“. Jedes Jahr, wohl 70 Jahre lang, kam er zur Mittagsstunde des 15. Februar an diesen Ort.
An der Cottbuser Lutherkirche. Hier hat Joachim Rohde als Erstklässler den Bombenangriff vom 15.2.1945 er- und überlebt – nachzulesen in seinem Buch „Rastlos“. Jedes Jahr, wohl 70 Jahre lang, kam er zur Mittagsstunde des 15. Februar an diesen Ort.

Als er an jenem Dienstag nach Redaktionsschluss aus dem Krankenhaus anrief, entschuldigte er sich: „Diesmal habe ich es nicht geschafft…“ Er hatte tags zuvor, ehe er zusammenbrach, noch am Spielbericht des Wochenendes gearbeitet. Aber diesmal… Nie zuvor war er selbst oder ein Bericht von ihm je zu spät gekommen. Zuverlässigkeit war der Kern seines Wesens, verlässlich sein, Regeln genau einhalten. Mancher hatte es nicht leicht mit ihm. Er musste diesen letzten, seinen wohl ersten Ausfall nicht mehr ertragen. Als die Zeitung ohne seinen Bericht erschien, hatte sein Herz schon aufgehört zu schlagen.

Joachim Rohde, seit Gründung des Niederlausitzer Fußballkreises und seiner Oberliga-Berichterstatter für den Märkischen Boten, ist am Mittwoch voriger Woche gestorben. Nein, nicht plötzlich und unerwartet, sondern schon lange sehr krank und im Wettlauf zwischen der Zeit die ihm blieb und den Aufgaben, die er meistern wollte. Sein Schreiben hielt ihn bis über seinen 88. Geburtstag hinaus am Leben. Und das Glück, spät noch zwei wunderbare Enkel bei sich zu haben. Sie werden sich an einen großartigen Opa erinnern dürfen, einen, auf den Verlass war im Leben. Das wusste auch sein langjähriger, viel zu früh verstorbener Wohnungsbau-Fließstreckenleiter Manfred Ahlsdorf aus Lübbenau zu schätzen. Er hat ihn zum Bauführer gemacht. Sie beide und ein Team „ohne Bonbon“ an den Jacken wurden zur besten Fließstrecke der ganzen baueifrigen DDR, ausgezeichnet vom Bauminister persönlich. In allen Cottbuser Stadtteilen und in Berlin-Hellersdorf haben sie ihre Spuren hinterlassen als Freunde auf dem Bau. Ahlsdorf lebt schon lange nicht mehr, aber für Achim Rohde blieb er der Maßstab.

Ahlsdorf und Oertel, das waren seine Leitbilder. Der Super-Reporter, weil auch Achim Rohde vom Rundfunk-Mikrofon träumte und wo immer sich Gelegenheit bot, moderierte und Reportagen „in die Faust“ sprach. Im Verlagshaus „DoppelDeck“ bot sich ihm in den 2000er Jahren die Gelegenheit, eine eigene Talk-Reihe zu entwickeln. Olympiasieger und Weltmeister, von denen es so viele in und um Cottbus gibt, waren Gäste auf seinem Podium, und auch Heinz-Florian Oertel tauschte hier mit Moderator Rohde die Interview-Rollen. Nach Rosi Ackermann, Lutz Heßlich, Klaus Stabach und den vielen anderen war das die Königsklasse.
Joachim Rohde ist nie weich gebettet worden, er ging beharrlich und rastlos seinen Weg. Zuletzt hat er, schwer leidend, losgelassen.
Er bleibt in unseren Gedanken.

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