Cottbus: Am Rande der Pferdeeisenbahn

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Die Grüne Linie fuhr durch die heutige Lausitzer Straße (C)

Wohn- und Geschäftshaus erhielt „Nachbarn“ / Zunftzeichen erkennbar
Die Lösung war diesmal – trotz oder wegen der Hinweise – nicht ganz einfach. Wolfgang Engelmann tippt richtig auf die Lausitzer Straße, früher Moltkestraße 28 oder Budichstraße, fügt er auf der Karte hinzu. Jens Pumpa korrigiert die Hausnummer und mailt: „Die Firma Fritz Donath befand sich in der Moltkestraße 29. Der Schienenstrang von der Kreuzung Bahnhofstraße / Karl-Liebknecht-Straße (Kaiser-Friedrich-Straße) ging die Karl-Liebknecht-Straße entlang, bog dann vor der Alvensleben-Kaserne links ab in die damalige Moltkestraße (heutige Lausitzer Straße) bis zum Spreewaldbahnhof. Eine erste Probefahrt der Cottbuser Straßenbahn über diese Gleise erfolgte im Juli des Jahres 1903. Dieser Streckenabschnitt (Grüne Linie) wurde von 1903 bis 1914 betrieben.“ Auch Michael Kurth notiert die Hausnummer 29 und verweist zum Wandel der Straßenbezeichnung auf einen Artikel im Märkischen Boten derselben Ausgabe auf Seite 17.
Im Adressbuch fand Michael Bodo Wunderlich die Angabe, „dass die Frima Fritz Donath in der Moltkestraße 28/29 ihren Sitz hatte. Wenn die Nummerierung heute noch gilt, war sie am südlichen Ende der Straße vor der Einmündung in die heutige Wilhelm-Külz-Straße. Gegenüber ist der Hof von der
Alvensleben-Kaserne, wo das Staatstheater eine Außenstelle und Lager hat. Rechts außerhalb des Bildes führten Industriegleise der Bahn wahrscheinlich auch zur Handlung des Herrn Donath und weiter bis zu den Firmen Melde und Eisen-Koppe, wo sich auch der ehemalige Packhof der Pferdebahn befand. Die Straßenbahn führte 1903 als Gelbe Linie vom Nordfriedhof bis südlich des Spreewaldbahnhofs. Sie kreuzte dabei dreimal Gleise der Bahn. 1914 führte sie als Grüne Linie von Sandow Diepowplatz aus hierher.“ Entnommen hat er die Fakten aus dem Anhang des Buches „Chronik der Cottbuser Straßenbahn“ VEB Cottbusverkehr, wahrscheinlich 1973, fügt er hinzu. Klaus Herold merkt an: „Die Straße heißt heute Lausitzer Straße, hieß in der DDR Jannaschkestraße und vor dem Zweiten Weltkrieg Moltke-Straße. Mit der früheren Lausitzer Straße hat sie allerdings nichts zu tun, da diese heute Wilhelm-Külz-Straße heißt. Dass dort einmal die Straßenbahn fuhr, war mir noch nicht bekannt. So lernt man voneinander.“ „Hinter der linken Hofeingangspforte lugt übrigens der etwa 600 Meter entfernte Schornstein des alten Cottbuser Gaswerkes hervor“, achtet Georg Müller mehr auf den Hintergrund. Karl-Heinz Schlodder erzählt: „Rechts die Ecke führt in die Güterzufuhrstraße (heute Nordring). Wo der Leiterwagen steht, befindet sich heute ein herrschaftliches Wohnhaus im gleichen Baustil. Das Haus wurde in den 20er-Jahren gebaut. Es ist die alte Haltestelle der Grünen Straßenbahnlinie, die bis 1914 vom Diepowplatz über die
Kaiser-Friedrich-Straße zum Spreewaldbahnhof fuhr. Im Hintergrund ist der Industriegleisanschluss mit dem Speicher zu sehen. Er gehörte zu den Lagerhäusern der Cottbus-Schwielochsee-Eisenbahngesellschaft, die Pferdeeisenbahn. Der Eingang mit der Fahne zeigt das Zunftzeichen der Kohlehändler. Beachtenswert sind die sehr schönen Gittermasten, die damals noch mit einem sogenannten Masthäubchen versehen waren. Sie trugen die Fahrleitungen für die Straßenbahn, wenn kein Haus vorhanden war.“