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Beräuberter Schiller

Cottbus, Feuilleton | Von | 20. Oktober 2023

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Die meist sehr laute und oft ordinäre Räuberbande: (v.l.n.r.): Sigrun Fischer, Johannes Scheidweiler, Sophie Bock, Markus Paul und Juli Niemann F.: © Marlies Kross

Anmerkungen zur Auftakt-Premiere des Schauspiels in Regie von Pia Richter.

Cottbus. DER DEUTSCHEN KUNST, das Beste aller Länder einschließend, fühlt sich das Stadt- und nun Staatstheater seit 1908 verpflichtet. So werden auch die Klassiker, Goethe und Schiller darunter, oft gespielt. Fünf Schiller-Stücke seit 2000, „Die Räuber“ zuletzt 1984 von Dieter Roth inszeniert, der nach seiner dreisten „Linkerhand“ als kleiner „Karl Moor“ unter Beobachtung stand. Irgendwie war das alles immer spannend. Nun also „Die Räuber“ von Pia Richter, ein wenig angelehnt an Schiller. Wir kennen das seit einigen Jahren, man spielt „frei nach…“ oder nicht einmal das. Die Hautpsache ist: anders oder „im zeitgenössischen Zugriff“. Die erste Premiere des Schauspiels in dieser Spielzeit kam exakt aus dieser Kathegorie gestolpert und war ein Schocker. Ja, die drei Damen und zwei Herren, die alle wichtigen Personen und dazu noch die ganze Räuberbande zu verkörpern haben, spielen engagiert, verstehen ihr Handwerk. Siegrun Fischer wirklich zerrüttet, aber nur zaudernd als Bandenchef Karl Moor, Sophie Bock als intriganter Bruder Franz, Markus Paul als teibender Spiegelberg, Juli Nieman der melancholische Hermann. Alle kommen hochbeschuht und im Packer-Overall mit Plastik-Brüsten daher (Bühne/ Kostüme: Julia Nussbaumer) und zerlegen nicht nur die Schiller-Maske, sondern nach und nach auch die Styropor-Theater-Teile. Irgenwann, wenn die wenigen echten Schiller-Zitate immer hektischer und unverständlicher und durch „Komm raus du feiges Arschloch“ und jede Menge „Scheiße“ ersetzt werden und Grüner Müll gebrüllt wird, fängt der Zuschauer nur noch an zu hoffen, er habe sich in einer Fernsehsendung verfangen, die hoffentlich irgendwann mit der tröstlichen Frage „Verstehen Sie Spaß?“ aufgelöst wird. Aber es bleibt ernst, und es wird sogar geschossen. Am Schluss steht über der Bühne die knappeste Selbstkritik: Aus den eingangs zitierten programmatischen Versalien bleibt nur: D.R..E…C….K…. Das also ist es. Aber so dürfte es nicht sein. Die Theaterdirektion sollte ihren Beschäftigten erklären: Verständlich, dass Theaterschaffende mit Schiller und Goethe usw. ermüden können. Wieder und wieder diese Texte! Aber es kommt Volk nach, das deutsche Kunst will, spannend interpretiert von gutem Theater. J.Hnr.

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