
In Spremberg wurde sich die Schützenscheibe erkauft
Ilse Belka schreibt: „Ich habe mich über das Foto sehr gefreut. Ich besitze ein Foto von der anderen Marktseite. Die Leute auf dem Foto sind vom Spremberger Schützenverein und vom Musikverein unter der Leitung von Herrn Zerbka aus Spremberg. Die Fahnen sind von den einzelnen Schützenvereinen. Jedes Jahr wurde in Parma in Cantdorf ein Schützenfest gefeiert. Für uns Kinder war das ein großes, lustiges Kinderfest und die Schützen hatten bis zum späten Nachmittag Vogel- und Scheibenschießen. Schützenkönig konnte immer nur einer mit viel Geld werden. Mein Vati war ein sehr guter Schütze und wurde dadurch jedes Mal von Fabrikbesitzern gekauft. Er bekam Geld und der Käufer war in dem Jahr der Schützenkönig und bekam die Scheibe. Am Nachmittag fand dann der große Umzug zum Marktplatz mit Kapelle und den übrigen Schützen statt. Wir Kinder durften sie begleiten. Auf dem Markt gab es dann viel Buden und Leute. Abends wurde dann die Geschichte vom „Räuber Lauermann“ auf der Bühne gespielt. Aber wir Kinder mussten da schon nach Hause gehen. Ob das Zeitungsbild von 1938 ist, kann ich nicht sagen. Ich war zu dem Zeitpunkt erst sechs Jahre alt und 1939 musste mein Vati schon zum Militär. Daher gehe ich davon aus, dass im Jahr 1938 das letzte Schützenfest gefeiert wurde. Ich weiß es aber nicht genau.
Manfred Gnida schreibt: „Auf dem Foto sind die Mitglieder der Schützengilde zu sehen. Am rechten Haus gut zu erkennen ist der Namenszug der ehemaligen Kreuz-Drogerie. Dieses Haus hat 1906 der Drogerist Horst Zimmermann von der Eigentümerin Emma Senkel und dem darin befindlichen Kaisers Kaffeegeschäft gekauft und später verändert. 1929 wurde dieses Haus erweitert und auf ein Stockwerk erhöht. Bis zur Zerstörung durch den Krieg war die Kreuz-Drogerie hier ansässig. Das linke Haus daneben ist eines der stadtbekanntesten Firmengebäude. Darin befand sich die Druckerei, Buchbinderei und das Buchgeschäft von C.F. Saebisch. Ein besonderer Höhepunkt war in der Stadt die Aufstellung der Schützengilde auf dem Markt, wenn es zum Auszug zum Pfingstschießen in das ehemalige Schützenhaus Parma ging. Das Foto muss nach 1929 entstanden sein. Schon früher erfolgten Aufstellungen zum traditionellen Pfingstschießen auf dem Markt, denn mir ist ein Foto aus dem Jahr 1884 bekannt. Auch in Folgejahren war es ein imposanter Anblick, wenn die Schützen die Lange Straße entlang zogen. An ein Bild kann ich mich noch erinnern, als 1924 zahlreiche Zuschauer dieses Ereignis mit Begeisterung erlebten. Die Schützengilde hier bestand aus der Grenadier- und Jägerkompanie, wie man es teilweise auf den Vereinsfahnen lesen kann. Schützenfeste waren schon besondere Ereignisse und davon zeugten die Schützenhäuser in der Stadt. Schon 1716 entstand ein Schützenhaus an den Mühlen und 1881 das Parma in Cantdorf. Die oft kunstvollen Schützenscheiben erinnern heute noch an diese Höhepunkte. Auch in Spremberg wird die Tradition des Schützenvereins nach seiner Gründung am
29. April 1991 gepflegt“
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