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Leserbrief- Einmütig: Wir wollen keinen Krieg

Leserbriefe | Von | 8. April 2022

Zum Text unseres Lesers Achim Hanisch vom 26./27.März gibt es mehrere Wortmeldungen.

Bernd Jurke aus Senftenberg schreibt uns:
Obwohl ich Niederlausitzer bin und 1939 geboren wurde, hätte ich diesen Brief fast wörtlich genauso schreiben können.
Der Krieg war zu Ende. So kamen auch eine russische Panzertruppe und eine angekoppelte Reiterei in unser Dorf. Mein Vater war noch im Krieg, kam erst 1947 aus amerikanischer Gefangenschaft. Meine Mutter, ich und meine Schwestern wollten im Mai 1945, als Bomben im Synthesewerk Schwarzheide – heute BASF – und in Ruhland niedergingen, flüchten. Unser Hab und Gut war auf einen Kastenwagen geladen, die beiden vierjährigen Schwestern oben drauf und ab ging es mit vielen Mitbewohnern in eine unbekannte Zukunft. Wir kamen kaum zwei Kilometer weit, als ein russischer Soldat (ein Grusinier) sein Pferd vor uns hochriss und sagte: „Wohin? Hitler kaputt – nach Hause zurück!“ Ich werde das nie vergessen. Die Flucht hatte einer der „in Erdlöchern lebenden Untermenschen“ beendet. Nun waren also die Russen und Ukrainer in unserem Dorf und in den Wäldern. Einige wohnten mit ihren Pferden auf unserem Grundstück. Damals entstand der Satz: „Man kann über die Russen denken was man will, aber Kinder lieben sie!“ Wir Kinder des Dorfes kletterten auf ihren abgestellten Panzern herum, hörten in ihren Zelten Musik und bekamen Schokolade, lernten russische Lieder, machten mit einem Russen Radpartien bis in Nachbar-Dörfer, aßen in unserer Küche Mittag, weil die Russen sogar das ein oder andere Pferd geschlachtet hatten. Bei ihrer Abreise nahmen sie uns drei Kilometer auf ihren Panzern mit und verabschiedeten sich mit viel Wehmut von uns. Wir sind dann drei Kilometer ins Dorf zurückgelaufen.
Ich entschuldige mich, dass ich jetzt so viel davon schreibe. Ich weiß gar nicht warum. Es wird wohl so sein, dass ich plötzlich alles mal loswerden musste. Über solche Dinge spricht heute keiner mehr.
Zur Frage nach Ursache und Wirkung schreibt Herr Hanisch genau das Richtige. Ich vermute sogar, dass ich oben, ohne es zu wollen, diese Einheit von Ursache und Wirkung dargestellt habe. Auch ich, mit 83, mache mir Sorgen um meinen Enkel und alle anderen. Wir können alles gebrauchen, aber keine Kriege mehr. Auch ich bin deshalb nicht bei Putin und seinem Angriff auf die Ukraine. Deshalb sollte diese Frage stets mit den richtigen Zusammenhängen/Erkenntnissen erlaubt und gestellt werden.

„Schuld am Krieg trägt nie ein Einzelner!“, schreibt unser Leser R. Flemming aus Cottbus und fährt fort:
Eindrucksvoller als Herr Achim Hanisch mit geschichtlichen Argumenten und Beispielen kann man die Sorgen, besonders unserer älteren Generation, nicht beschreiben. Seit längerem bringt es Redakteur J. Heinrich zu diesem Thema mehrmals auf den Punkt: Statt sich in immer neue Provokationen zu versteigern, erwarten wir von der Politik, dass sie deeskaliert!
Aber die Verantwortlichen tun genau das Gegenteil. Kanzler Scholz sollte sich an seinen Amtseid erinnern, Schaden vom Volk abzuwenden. Frau Baerbock das Amt der Außenministerin anzuvertrauen, war ein großer Fehler der Grünen. Sie bringt weder die Reife noch Fingerspitzengefühl für Diplomatie mit und verfügt nicht über das notwendige Wissen der historischen Hintergründe, die man in dieser Position braucht. Große Reden halten, Sanktionen androhen und Waffen liefern, das ist keine Lösung. Einen Krieg zu beginnen, ist immer ein Verbrechen, aber niemand hat bisher die USA wegen ihrer vielen Kriegsverbrechen angeklagt! Und zu dieser jetzigen Lage tragen Herr Biden und alle seine Unterstützer (eingeschlossen der Hass und die Hetze in den Medien) die Mitschuld!

Aus Cottbus schreibt Hans-Jürgen Schulze:
Sie haben einen wunderbaren Leserbrief abgedruckt. Der Verfasser, Herr Achim Hanisch, ist sechs Jahre älter als ich, aber vom gleichen Verständnis für Ursache und Wirkung geprägt.
Auch wir waren einst Flüchtlinge und das auch noch vor der gleichen Weltmacht, die heute Ukrainer vertreibt. Die „Russen“ nannten wir Sowjetmenschen und mussten ihnen als Freunde dienen. Als Sorauer sind wir über Dresden nach Berlin geraten. Bis Sommer ‘47 waren wir zu viert im Wedding in einem kleinen Zimmer Untermieter unserer Tante. Dann zogen wir nach Cottbus, schliefen auf Strohsäcken im halbzerbombten Haus über der „Schuhmacherei Süd“. Unser Vater war nach Sibirien verschleppt und unserer Mutter half hier Steine kloppen.
Auch ich war dann zum Aufbauwerk berufen, habe als Elektriker viel in der Sprem (Rätselbild in der gleichen erwähnten Ausgabe) gewirkt und auch Herzblut investiert. Wir bauten hier am einzigen Autohaus, das es damals in Cottbus gab. Mit Firma Schur haben wir im Zeitdruck 36 Stunden am Stück gearbeitet.

Dorothea Oehlert schreibt: Mir hat der Artikel von Jürgen Heinrich (Komm. „Zeiten wie diese“, 19./20.3.) sehr gut gefallen. Ich wollte ihn noch mit meinen Gedanken ergänzen:
Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Ihnen die Krümel auf dem Tisch, die liegengelassenen Socken und die Spritzer am Spiegel egal geworden sind? Ganz in unserer Nähe wütet Krieg. Wir, das so plötzlich aus dem Schlaf gerissene Volk, reiben uns die Augen. Wir haben nun Politiker, die nicht mehr von der sozialen, sondern von der „nuklearen Teilhabe“ sprechen. Kaum zu fassen! Politiker, die hämisch an Putin ihre ausgehandelten Ergebnisse senden.
Geschürt wird wieder Hass. Erst waren es die „Ungeimpften“, jetzt sind es die Russen. Und ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Männer Kriege machen? Frauen gebären unter Schmerzen ihre Kinder und keine Mutter dieser Welt will sie für Machtspiele opfern.
Kürzlich kam ich aus Neuss, dort haben sich viele Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion angesiedelt. Nun meidet man dort ihre Geschäfte, von eingeworfenen Scheiben habe ich aus anderen Städten gehört. Eine Frau sagte zu mir: „Die Sprache kann ich nicht mehr hören.“
Ich weiß nichts über die Historie der Ukraine, ich weiß nicht, wie es zu diesem Krieg kam, ich habe wie viele die Eroberung der Krim als „Kavaliersdelikt“ hingenommen. Die Politik hielt es nicht für nötig, Normalbürger ausreichend zu informieren oder war mit anderen Problemen beschäftigt. Und nun kann ich nur an die Politik appellieren: Wir sind das Volk und wollen keinen Krieg, sorgt gefälligst für Entspannung, auch im eigenen Land. Dafür haben wir Euch gewählt.

Klaus Schmiedchen aus Cottbus beklagt zu viel Zurückhaltung der Kirche zum Krieg in der Ukraine:
Als die Corona-Pandemie die Welt beherrschte, blieben auch überwiegend die Kirchen geschlossen. Allerdings wurden Gottesdienste gut im Fernsehen ausgestrahlt. Besonders wichtig war für mich, dass diese Gottesdienste gemeinsam von Pfarrern der orthodoxen Kirche, der katholischen und der evangelischen Kirche durchgeführt wurden. Am Ende erteilten die Pfarrer gemeinsam den Segen an alle Menschen und zeigten sich vereint (Ökumene).
Was ist davon geblieben? War das nur eine Fernsehdarbietung für zweifelnde Christen?
Jetzt schweigen nahezu alle Kirchenoberhäupter zum Krieg in der Ukraine. Die russischen Orthodoxen zeigen Putin-Treue und halten den Einmarsch für gerechtfertigt. Ich bin persönlich verzweifelt und sehr empört. Aber auch die katholische und evangelische Kirche kommen über eine allgemeine Verachtung des Krieges nicht hinaus.
Jetzt in der Passionszeit, in der die Christen auf der ganzen Welt sich an den Leidensweg Jesu bis hin zum Kreuz erinnern, erwarten wir, dass die Kirchen maßgebliche Schritte unternehmen, die dem mörderischen Krieg Einhalt zu gebieten.
Als Christ hoffe ich, dass der Papst, vereint mit den Bischöfen, sich auf den Weg nach Russland macht und der Ukraine Unterstützung gibt. Ich glaube, dass die Stimme und die Aufforderung des Papstes sowie der Bischöfe an Putin, sofort den Krieg zu beenden, Gehör finden kann. Schauen die Kirchen länger weg, werden sich noch mehr Christen vom Glauben abwenden. Stellen Sie sich zwischen die Fronten, werter Herr Papst Franziskus, wie es auch Jesus getan hätte! Das wäre die Erfüllung der Gründonnerstag-Botschaft! Zuzuschauen, wie Menschen durch Waffen aus ihrer Heimat vertrieben werden, ist nicht mit der Heiligen Schrift zu vereinbaren. Ich fordere die Bischöfe und den Heiligen Vater auf zu handeln.

Ulrich Vorwerk aus Cottbus stellt bange Fragen:
Zuerst: Was wird unsere Ampel-Regierung noch verzapfen? Die bekommen die Impfpflicht nicht hin, lassen dafür den Ländern die Verantwortung für noch mehr Chaos in Deutschland. Man bekommt nicht hin, steigende Preise bei Sprit und Lebensmitteln zu bremsen, um die Bevölkerung zu entlasten. Politiker selbst haben ja keine Geldnot. Der Wirtschaftsminister begibt sich auf Tournee in Staaten, die in den Medien als Sklavenhalter-Staaten gehandelt werden, um dort nach Grünem Wasserstoff zu suchen. Wenn das nicht so ernst wäre, könnte man darüber lachen.
Die Entscheidung 100 Milliarden Euro in das Fass ohne Boden der Bundeswehr zu pumpen, kann keiner verstehen. Nun will die Verteidigungsministerin in den USA Jagdbomber kaufen, die Atombomben tragen können. Das nennt sie Atomteilhabe. Ist denn alles vergessen, was Deutschland schon angerichtet hat? Ich hätte nie gedacht, dass gerade diese Parteien unumwunden zu Kriegstreibern werden. Die Frau Ministerin für Verteidigung plant jetzt, eine deutsche Eingreiftruppe von 5 000 Mann aufzubauen. Oder war das ein Hörfehler? Ich denke, es ist an der Zeit, nicht nur für die Ukraine auf die Straße zu gehen, sondern auch gegen das Aufrüsten in Deutschland. Diese Ampel sollte sofort zurücktreten, um noch mehr Schaden abzuwenden.

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