Please enable / Bitte aktiviere JavaScript!
Veuillez activer / Por favor activa el Javascript![ ? ]
Region: Wie es wirklich war - das Cottbus der Aufbaujahre - Märkischer Bote - Märkischer Bote Region: Wie es wirklich war - das Cottbus der Aufbaujahre - Märkischer Bote Region: Wie es wirklich war - das Cottbus der Aufbaujahre - Märkischer BoteMärkischer Bote
Donnerstag, 19. Mai 2022 - 17:13 Uhr | Anmelden
  • FacebookRegion: Wie es wirklich war - das  Cottbus der Aufbaujahre

header-logo

Heiter bis wolkig
29°C
 
epaper
Anzeigen

Region: Wie es wirklich war – das Cottbus der Aufbaujahre

6. März 2020 | Von | Kategorie: Personen |

Weitere Beiträge aus unserer Region finden Sie hier!

 

Diesen Sonntag würde Hajo „Kaupe“ Schulze 90, er hat ein sehr persönliches Buch hinterlassen

 

KaupeTitel

 

Cottbus (h.) Es war stets schwierig, Hajo Schulze zu seinem Geburtstag am 8. März mit Blumen zu gratulieren. Das bedurfte besonderer „Beziehungen“, denn alle Schnittblumen waren an diesem Tag für die werktätigen Frauen „bewirtschaftet“. Bekam er welche, wusste „Kaupe“ das zu schätzen, und auch darüber hat er in seinem 2005 erschienenen Buch geschrieben. „Erinnerungen eines Cottbuser Journalisten“ steht im Untertitel, und da kommt weit mehr zutage, als sich aus den Notizblöcken eines unermüdlichen Sportreporters graben lässt.
„Kaupe“ ist das ehrliche und zuverlässige, sehr persönliche Buch über das wirkliche Leben im Cottbus der Aufbauzeit.
Der Schriftsteller Juij Koch bescheinigte seinem Kollegen im Vorwort „eine unauffällige und daher akzeptable Eitelkeit“, nennt ihn einen „Journalisten, der die Berufsbezeichnung verdient“, der seine Begabung „nicht an Hochschulen versauen“ ließ.
Die Memoiren beginnen mit dem Bekenntnis „wie ich Kaupe wurde“, nämlich als Erbteil seines Lokfahrer-Adoptivvaters, der beim Fußballern meist in die Grasbüschel haute, im Spreewald Kaupen genannt.
Klein-Hajo besuchte die Lutherschule und sollte Lehrer werden. Sein Kaupen-Vater nahm ihn in großen Stadien mit und legte die Sport-Spur. Doch zunächst geschah die Zäsur: 15. Februar 1945, Cottbus brannte, Hajos Mutter blieb unter den Trümmern des Wohnhauses in der Gartenstraße. Er schrieb viel später: „Mein Leben ist das Kunstwerk einer genialen Schöpfung. Es hat die Bilder des Grauens verdrängt.“
Der Lehrling einer Ölmühle beginnt Sportnachrichten zu schreiben, gründet mit Heinz-Florian Oertel und anderen Freunden eine Redaktion, die ihre Nachrichten in einen Schaukasten in der Straße der Jugend hängt. Enthusiasmus gibt ihnen Flügel, und bald finden sich auch Blätter, die Journalisten suchen: Brandenburgische Neuste Nachrichten, Der Morgen, Märkische Union, ab 1952 Lausitzer Rundschau. Für alle schreibt er, auch für Junge Welt, Sportecho und Fachblätter. Im Radio ist seine Stimme zu hören von den Rad-sportovalen und aus der Eishockey-Arena. Aber auch Stadtpolitik beschreibt und kommentiert er. Zuerst aus einem Hinterzimmer von Rolkes Lebensmittelladen in der Bahnhofstraße. Brunhilde, die Tochter des Hauses, wird seine Braut. 1955 heiraten sie und werden Partner im freiberuflichen journalistischen Geschäft. Sie sind Motoren im schillernden kleinen bürgerlichen Leben dieser Stadt, zeigen große Garderobe bei den Premieren des Theaters und organisieren geschickt aus zweiter Reihe die Pressebälle, die es im Rest der DDR schon lange nicht mehr gab – aber hier in Cottbus mit den Stars aus dem Show-Business jener Zeit. „Man hat sich arrangiert…“ heißt heute manch ausweichende Rückschau. „Kaupe“ belegt: Es war ein Arrangement aus Stolz und Fleiß.

„Kaupe“ von Hans-Joachim Schulze. Herausgegeben von Jürgen Heinrich in der Reihe COTTBUSER BÜCHER, 2005, 224 Seiten, restl. Verlagsexemplare 14,95 Euro




Anzeige

Kommentar schreiben

Kommentar


Das könnte Sie auch interessieren