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Annette Ernst: Richtig betrachtet, bin ich eine Wendin

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Annette Ernst: Richtig betrachtet, bin ich eine Wendin

3. Juli 2015 | Von | Kategorie: Spreewald |

Annette Ernst: Richtig betrachtet, bin ich eine Wendin

Annette Ernst fühlt sich in ihrem Büro-Garten wohl. In Raddusch leitet die Cottbuser seit 2013 den Tourismusverband Spreewald und hat sich viel für die Region vorgenommen Foto: M.K.

Annette Ernst ist stolz, die Geschicke des Tourismusverbandes Spreewald lenken zu können:
Raddusch (mk). An ihr Büro grenzt eine blühende Löwenzahnwiese. Fünf Schritte vom Schreibtisch entfernt, lockt die offene Terrassentür nach draußen. „Ich mag das total gern hier. Ich hab wohl den schönsten Arbeitsplatz“, sagt Annette Ernst, die in Raddusch den Tourismusverband Spreewald leitet. Der Weg zu diesem „Arbeitsplatz­idyll“ war keineswegs ein leichter. In Burg verbrachte die 44-Jährige ihre ersten Lebensjahre. „Richtig betrachtet, bin ich eine Wendin“, sagt sie und ist stolz auf dieses familiäre Erbe. Wendisch zu sprechen, war ihr allerdings nicht in die Wiege gelegt worden. Die Oma kennt sie zwar in wendischer Tracht, in wendischer Sprache gesprochen hat diese aber nur mit anderen Leuten.
Seit ihrem dritten Lebensjahr wohnt Annette Ernst in Cottbus und fühlt sich hier wohl. Dennoch bezeichnet sie sich selbst als Spreewälderin. „Wenn ich zum Fließ komme, bin ich schon glücklich“, sagt sie. Nach ihrem Abitur kam die Wende. Es folgte eine Lehre als Kellnerin in der einstigen Gaststätte Brunschwig.
Ferne Länder entdecken und Kulturen erleben zu können, war stets ihr Traum gewesen. Nach der Wende war dies nun ohne Einschränkung möglich. Dennoch blieb sie heimatverbunden. „Cottbus ist für mich der ideale Wohnort“, sagt sie. Es folgte ein Studium der Betriebswirtschaft an der Hochschule Lausitz. Zum Tourismus fand sie durch ihre Diplomarbeit. Hier widmete sie sich der Entwicklung einer Marketingstrategie, welche die unterschiedlichsten touristischen Vorstellungen ihrer Heimat herausstellte. Die Hotellerie hatte sie schon seit jeher interessiert, ähnlich wie die Messeorganisation. Beide Wege standen ihr offen. Dass sie letztlich eine Anstellung als Messeveranstalterin annahm, war eine Entscheidung, die auf einer sich ergebenden Fügung beruhte. Die erste Cottbuser Reisemesse trägt auch ihre Handschrift. Trotz fehlender Ausbildung in diesem Bereich fasste sie den Mut, sich im Cottbuser Holiday Inn-Hotel zu bewerben. Hoteldirektor Rainer Werdel erkannte schnell ihr Talent, Kontakte zu knüpfen. Sieben Jahre war sie hier Verkaufsdirektorin. Als ihr Sohn 13 Jahre alt war, suchte sie die Veränderung. Gefunden hat sie diese in Potsdam. Die Familie blieb in Cottbus. Vom Gruppentourismus über den Tourismus der Landeshauptstadt bis zum Auslandsmarketing reichte bei der Tourismus Marketing Brandenburg (TMB) sechs Jahre lang ihr Aufgabenspektrum.
Es folgten sehr spannende Jahre im privat geführten Filmpark Babelsberg. Olaf Schöpe, heute Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Brandenburg, lockte die Cottbuserin aber wieder in die Heimat. Er steckte ihr, dass beim Tourismusverband Spreewald in Raddusch die Leitungsstelle frei wird. Nach einem Vorstellungsgespräch bekam sie diese. „Ich wusste, dass es wahnsinnig schwierig werden würde“, erinnert sie sich an das Jahr 2013. Die Menschen hier wollen überzeugt werden. Seitdem arbeitet sie in ihrem Wiesenblick-Büro an verschiedenen Baustellen. Eine ist die einheitliche Vermarktung der Spreewaldregion. Bislang sind die Orte der Reiseregion zu sehr Einzelkämpfer, findet sie. „Hinter Berlin weiß keiner mehr, wo der Spreewald ist“, kann sie aus ihrer Erfahrung auf vielen Messen berichten. In Stuttgart etwa haben die Menschen den Spreewald zwar schon im Fernsehen gesehen, doch einzelne Orte wie Burg oder Lübben sind ihnen noch kein Begriff. Im Ausland ist diese Wahrnehmung noch gravierender. Vor sieben Jahren wussten die meisten Dänen oder Schweden noch nicht einmal wo Brandenburg liegt. Doch der Wandel ist spürbar. Denn heute besuchen Gäste aus den skandinavischen Ländern den Spreewald gern. Dennoch bleibt hier weiterhin gute Marketingarbeit gefragt, betont die Leiterin. Stolz ist sie auch, das Thema Mobilität für den Spreewald angepackt zu haben. Gemeinsam mit der Energieregion Lausitz und der TU Berlin soll demnächst an einer Vision gearbeitet werden, wie der Spreewald im Jahr 2030 mobil aufgestellt sein möchte. Dabei gibt es keine Denkverbote, sagt Annette Ernst und nennt ein Beispiel: Mit dem Elektroauto geht es von Berlin in den Spreewald. Das Auto kann hier an Elektrotankstellen betankt oder für nächste Nutzer abgestellt werden. Von hier aus geht es per Miet-Elektrofahrrad nach Burg, um dort Kahn zu fahren. Aber auch Segways, Buggy-Automobile und viele andere Gefährte können zum Einsatz kommen. Wichtig ist, dass alle Angebote optimal vernetzt und auch mit dem Smartphone von unterwegs aus zu finden sind. Unter dem Motto „Der perfekte Tag“ sollen zudem Ausflüge vorgeschlagen werden. Um die Aufenthaltsdauer der Touristen im Spreewald zu verbessern, sind hier auch Ausflüge nach Polen, Potsdam, Berlin oder Dresden mit einzubeziehen.
Die offene Terrassentür der Tourismusverbandschefin ist für sie auch eine Einladung. „Die Leute wissen, dass sie mit Ideen zu mir kommen können“, sagt sie.




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