
Am 25.04. wählt Landes-CDU neuen Vorsitzenden / Prof. Dr. Michael Schierack im Interview:
Am Samstag, dem 25.04. wählt die CDU auf ihrem Parteitag in Schönefeld den neuen Landesvorsitzenden. Der scheidende Vorsitzende Prof. Dr. Michael Schierack aus Cottbus gibt diese Funktion ab. Der Lausitzer war ins mediale Visier geraten, nachdem Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärte, dass Michael Schierack keine Funktion im Kabinett übernehmen möchte.
Herr Schierack, nach den Sondierungsgesprächen schenkten Teile Ihrer Parteikollegen dem Ministerpräsidenten mehr Glauben als Ihnen. Was läuft schief in der märkischen CDU?
Prof. Dr. M. Schierack: Ich hatte in den Gesprächen zur Regierungsbildung klargemacht, dass ich grundsätzlich als Minister zur Verfügung stehe. Was Dietmar Woidke aus dem persönlichen Gespräch machte, ist einmalig in Deutschland.
Das heißt?
Die persönliche Attacke des Ministerpräsidenten zeigt das Niveau im menschlichen Umgang.
Wo blieb die Rückendeckung der Union?
Wir müssen daran arbeiten, dass die Union eine uneinnehmbare Burg gegen solche politischen Manöver wird. Deshalb ist für mich klar, dass der neue Landesvorsitzende die Unterstützung erfährt, die ich erwartet hatte. Wer sich ins Feuer wagt, darf darin nicht allein stehen.
Wo liegt Ihre Schuld?
Nach der Aussage des Ministerpräsidenten herrschte zu lange Sprachlosigkeit in der Union. Wir haben es nicht schnell genug geschafft, als Team innerhalb eines Tages medial auf die Attacke zu reagieren. In den Gesprächen war ich auch zu offen, zu vertrauensseelig. Ich hätte taktischer sein müssen, was aber nicht meiner Natur entspricht. Ich bin verbindlich und sage, was ich erwarte.
Was erwarten Sie denn?
Die Abschaffung der Cottbuser Kreisfreiheit ist mit mir nicht machbar. Auch zum Thema innere Sicherheit gab es Differenzen.
Sie geben in Kürze Ihren Parteivorsitz ab. Was haben Sie vor?
In den kommenden zwei Jahren strebe ich keine neuen Funktionen an. Ich bleibe Vorsitzender der Kreis-CDU und Landtagsabgeordneter.
Es soll Gras über den Rummel um Ihre Person wachsen?
Die Partei muss, um wieder inhaltlich wahrgenommen zu werden, einen klaren Schnitt machen. Ingo Senftleben hat das Format, ein guter Landesvorsitzender zu werden.
Fehlt der Union nicht seit Jahren ein beständiges Gesicht?
Menschen brauchen Gesichter. Deshalb müssen wir nach der Wahl des Vorsitzenden als Union auch klar sagen: „Da ist unser Mann“.
Es soll Kandidaten geben, die neben Ingo Senftleben antreten. Ist da nicht der erste Kratzer vorprogrammiert?
Wichtig ist, dass Ingo Senftleben eine klare Mehrheit bekommt. Viele Kreisverbände stehen hinter ihm. Er hat diese Chance verdient.
Fehlt ihm nicht Popularität?
Auch ich war ein unbekanntes Gesicht. Das ist richtig. Ingo Senftleben hat bis zur kommenden Wahl aber mehr Zeit als ich, für mehr Popularität zu sorgen.
Zur Tagespolitik. Beliebt ist in der Lausitz derzeit das Wort Strukturwandel.
Was Sigmar Gabriel mit der Braunkohle vorhat, ist völlig unakzeptabel. Eine Energiewende allein auf dem Rücken der ostdeutschen Kraftwerke darf es nicht geben. Zum Strukturwandel gibt es zu wenig Taten und zu viele Phrasen.
Was wären Ihre Taten?
Wenn wir nicht jetzt die einfachsten Strukturmaßnahmen stemmen, brauchen wir erst gar nicht weiter über Wandel zu sprechen. Die Zweigleisigkeit von Cottbus nach Berlin. Die West- und Ostumfahrung von Cottbus, die B87 von Leipzig nach Frankfurt/Oder oder die verkehrliche Vernetzung nach Osten gehören angepackt. Wir brauchen ein Forschungsinstitut. Nur allein die BTU kann den Strukturwandel und die Energiewende in der Lausitz nicht stemmen.
Taten brauchen Geld.
Wenn der Bund die Energiewende will, muss er über einen langen Zeitraum Geld in die Lausitz stecken. Die Perspektive kann nicht sein, dass wir ein Seenland sind. Das reicht nicht.
Wie sieht Ihre Bilanz als Vorsitzender aus?
Neun der zehn Direktmandate der Region kamen von der CDU bei der Bundestagswahl, bei der Landtagswahl haben wir zugewonnen und auch ein Oberbürgermeister aus der CDU regiert nun Cottbus. Zudem haben die Grabenkämpfe in der Union abgenommen. Wir haben ein klares Ziel: stärkste Kraft im Land werden.
Vielen Dank für das Gespräch.
Es fragte Mathias Klinkmüller









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