11 Kilometer nordwestlich von Luckau, etwas abseits von der Bundesstraße 96, liegt das Dorf Krossen. Auf den ersten Blick scheint es ein Ort wie so viele andere in der Lausitz zu sein. Doch hier bewahrheitet sich wieder einmal der Spruch, man sieht nur das, was man weiß. Fährt man über den Dorfanger, fällt zur rechten Hand ein großer Gutshof auf. Massive Scheunen, Stallungen, Wohn- und Verwaltergebäude, doch irgend etwas fehlt – das Herrenhaus. Das jenes Haus zweifellos vorhanden war, darauf deuten seitwärts riesige Bäume hin, die zusammen einen ansehnlichen Landschaftspark am Ufer des Flusses Dahme ergeben. Eingeschlossen von Gutshof und Schlosspark steht eine alte, für das kleine Dorf doch ziemlich gewaltige Kirche. Auch wenn das Gotteshaus weit von der Straße zurückgesetzt ist, erkennt man im Vorüber an seiner Südwand mehrere gleichförmige Grabtafeln aus weißem Marmor, die unter einem gusseisernen Kreuz vereint sind. Geht man näher und liest die Inschriften, dann eröffnet sich ein besonderes Kapitel preußischer Geschichte in der Lausitz. Die Gräber erinnern allesamt an Mitglieder der Familie von Manteuffel: an einen Ministerpräsidenten, einen Landwirtschaftsminister, einen Landesdirektor und an einen Landrat – ein preußischer Platz wie kaum ein anderer in der Lausitz.

Die Familie von Manteuffel
Die Familie von Manteuffel ist ein altes Adelsgeschlecht, das sich seit dem 14. Jahrhundert von Pommern aus in Mecklenburg, Preußen und Sachsen, aber auch im Baltikum, in Polen und Schweden ausbreitete. Der uns betreffende Lausitzer Zweig entstand erst im 18. Jahrhundert. Der sächsisch Kabinettsminister Ernst Christoph Graf von Manteuffel nahm einen Pflegesohn an, den Fähnrich Christoph Friedrich von Mihlendorff. Mit 15 Jahren stieg dieser in der Adelshierarchie auf und führte fortan den Zusatz “Freiherr von Manteuffel”. Das galt übrigens 100 Jahre lang nur in Sachsen, die preußische Anerkennung der Standeserhöhung erfolgte erst 1843. Christoph Friedrich hatte vier Söhne, die jeweils eigene Linien begründeten. Aus ihren Reihen kamen Juristen, Militärs, Bergräte und Hüttendirektoren. Nur als Beispiel: Hans Ernst Wilhelm (1767-1829), Landrat von Guben, und Edwin (1809-1885), bedeutender General in den deutschen Einigungskriegen.
Der jüngste der vier Brüder, die wie oben gesagt eigene Linien gründeten, war Friedrich Otto Gottlob von Manteuffel. Er wurde 1777 geboren und stieg zum höchsten Beamten der Niederlausitz auf. Von 1808 bis zu seinem Tod 1812 war er Präsident der Oberamtsregierung in Lübben und Konsistorialdirektor der Niederlausitz. Er war verheiratet mit Christiane Helene Auguste von Thermo, die aus einer der ersten Familien der Niederlausitz stammte. Übrigens folgte ihm im Präsidentenamt sein Bruder Hans Karl Erdmann. Er hatte vier Söhne, von denen zwei jüngere zeitig verstarben, die zwei älteren aber dienten ihrem Vaterland an entscheidender Stelle in entscheidender Zeit. Da war zunächst Karl Otto (1806-1879), der von 1841-1849 Landrat des Kreises Luckau war und dann zum Landwirtschaftsminister Preußens aufstieg. Und da war Otto Theodor, der das alte Preußen nach den Turbulenzen der 48er Revolution als Innen- und Außenminister und als Ministerpräsident stabilisierte.

Der Ministerpräsident
Otto Theodor war der älteste der vier Brüder, er wurde am 3. Februar 1805 in Lübben geboren. Wie schon mehrfach an dieser Stelle zu lesen, “bei Preußens” konnte man bereits in sehr jungen Jahren ein Unternehmen gründen, eine Professur belegen oder hohe Ämter einnehmen. Das gilt mehr für das 19. Jahrhundert, im 20. ist eher eine Vergreisung festzustellen, da helfen auch Jugendförderprogramme in ehemals Ost wie in West wenig. Also, mit 28 Jahren wurde Otto Theodor von Manteuffel Landrat des Kreises Luckau. Nach acht Jahren ging dieses Amt auf seinen Bruder über, er selbst wechselte in die Machtzentrale Preußens. Bald darauf wurden Leute seiner Geisteshaltung dringend gesucht. Denn durch die Revolution 1848 geriet König Friedrich Wilhelm IV. gehörig in die Klemme. Die ihm abgerungene Verfassung trug für ihn den “Ludergeruch der Revolution” und deutscher Kaiser wollte er nicht werden, denn er war zu stolz, “eine revolutionäre Lumpenkrone” anzunehmen. 1848 wechselten in Preußen vier Regierungen, der letzten unter Graf Brandenburg gehört Otto Theodor von Manteuffel bereits als Innenminister (!) an. 1852 wurde er dann Ministerpräsident, übernahm auch noch das Außenministerium, wurde Präsident des Staatsrates, war Vorsitzender des Landtages der Provinz Brandenburg und Mitglied des preußischen Herrenhauses auf Lebenszeit. Auf Grund seiner Machtfülle, aber auch seiner Leistungen, nennt man die 1850er Jahre auch die Ära Manteuffel. Zahlreiche Ehrungen wurden ihm bereitet, so war er Ritter des Schwarzen Adlerordens mit Brillanten, der höchsten Auszeichnung Preußens, und Ehrenbürger von Berlin, Stettin und allen Städte der Niederlausitz. Otto Theodor war verheiratet mit Berta von Stammer aus dem Hause Görlsdorf. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor, Otto Karl Gottlob( 1844 – 1913), Landesdirektor Brandenburgs, über den an anderer Stelle noch berichtet wird. Als 1858 mit dem Prinzregenten Wilhelm eine andere Politik eingeleitet wurde, trat Manteuffel zurück und zog sich auf seine Lausitzer Güter zurück. Krossen hatte er 1852 gekauft und ein bescheidenes, aber stilvolles Herrenhaus erbaut, das nach 1945 abgerissen wurde. Hier lebte er bis zu seinem Tod am 26.November 1882. Und hier in Krossen fand er seine letzte Ruhestätte, mit ihm Bruder, Sohn und Vetter und die Frauen dazu.
A.Pommer

Weitere Beiträge aus unserer Region finden Sie hier!









Schreibe einen Kommentar