Wie herrlich gefährlich ein Räuber zu sein

Schwierige Lage. Weiß Handwerksbursche Knoll (Martin Eitner, vorn) hier Rat? Baron von Sperling (Hauke Tesch), Zofe Barbara (Debra Stanley), Comtesse von Sandau (Anne Schierack ) und der Pfaffe (Dirk Kleinke) hoffen es      © Marlies Kross

Anmerkungen zum neuen „Wirtshaus im Spessart“ in der Theaterscheune in Ströbitz

Cottbus. Intendant Martin Schüler ahnte schon den Sturm auf diese Spessart-Scheune, und so hat er die Inszenierung am Stadtrand angepackt, „als wär’s eine große Oper“. Die winzige Dorfsaalbühne, auf die zu ihren Frühzeiten gerade die Puhdys passten, bietet plötzlich Platz für mehrere Wirtshauszimmer,  grusligen Wald und gräflichen Palast (Bühne Hans-Holger Schmidt), für 15 turbulent agierende Schauspieler, dazu einen singenden und tanzenden Opernchor und noch das Klein-Orchester (Musik, Chor und Mitspiel Christian Möbius). Umbauten sind Teil des Spiels, und – nicht nur aus Platzmangel  – auch zwischen den Publikumstischen und im Foyer treiben Räuber, Soldaten, Entführte und die Wirtin ihr Spiel. Carola Fischer kommt nicht einmal stimmlich zur Geltung, weil sie zwischen den Leuten Putzlappen-Ordnung zu schaffen hat, und weil es in ihrem Haus gar zu verrückt zugeht.
In der turbulenten Verwechslungskomödie, die aus dem Kurt-Hoffmann-Film mit Lieselotte Pulver in vielen Hinterköpfen steckt, begegnen den Theaterfreunden teils überraschende Besetzungen. Schüler konnte sein Opernpersonal für die gewiss intensive Spessart-Strecke nicht aus den Inszenierungen des Großen Hauses reißen und besetzte überraschend mit vertrauten Gästen. So lässt sich Anne Schierack bei ihrer Heimkehr (nach langen Ausflügen als „Lucie“ ins Pückler-Land) in der Hauptrolle der Comtesse von Sandau feiern. Die Sängerin meistert die Partie stimmlich locker, und spielerisch wirkt sie frisch, temperametvoll und witzig wie von der Leine gelassen. Ihre Hosenrolle als frecher Jungräuber macht ihr Spaß und reißt die ganze Bande förmlich mit. Christian Henneberg, der Edel-Räuberhauptmann muss sich in dieses verschmitzte Wesen verlieben und gibt einen strahlenden Helden im schönen Kontrast zu dem geldgierigen Vater seiner angehenden Partnerin (Torsten Coers ist da wirklich entsetzlich unsympathisch).
Auf der Strecke bleibt Baron-Bräutigam Sperling, den nach langer Bühnenpause (wegen seiner Arbeit an Regiepulten) Hauke Tesch gibt. Er gehört zur kleinen Reisegesellschaft mit Franziskas Zofe Barbara (Debra Stanley) und dem tapferen Priester Haug, in stimmlicher wie körperlicher Idealbesetzung von Dirk Klein. Komödiantisch voll in Fahrt kommt am Rande des Kutschenüberfalls Martin Eitner als Handwerksbursche Knoll; mit Thomas Pöschel als Funzel singt er wehmutsvoll die Sehnsuchtsweise „…das könnte schön sein, ein Häuschen mit Garten.“
Doch vor solchen Glückserfüllungen stehen noch eine Menge Hürden. Heiko Walter bereitet das Publikum vor den jeweiligen Bildern schonend als Moritatensänger vor, um dann absolut wilhelminisch-energisch als Obrist mit seinen Soldaten ein- (oder doch meist daneben) zu greifen. Er und seine Mannen haben mit ihrem Zack, Zack! allemal die Lacher auf ihrer Seite.
Die Inszenierung sprüht von originellen Regieeinfällen und bringt zum allgemeinen Vergnügen sogar einen tanzenden (Choreografie AnnaLisa Canton) und singenden Opernchor auf Wandas Dorfbühne. Das alles geschieht in üppigen Kostümen (Nicole Lorenz) und bis in die Pausen und das Foyer-Vorspiel hinein perfekt durch inszenierte Handlungsabläufe. Der ernste Aufwand für ein heiteres Spiel, das sich gewiss mit dem Publikumssturm weiter lockert, hat sich gelohnt. Die geplanten Vorstellungen waren lange vor der Premiere restlos ausverkauft, einige weitere inzwischen auch. Aber die Suche nach zusätzlichen Terminen geht weiter. Nachfragen lohnt sich also.

J.Heinrich


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