Zweiteiliger Ballettabend am Staatstheater Cottbus

„Fade-Outs“ und „Goldene Wunden“, choreografiert von Douglas Lee und Inma López.

Zweiteiliger Ballettabend am Staatstheater Cottbus
Zusammenfügen, was – irgendwie – zusammengehört. Eindrucksvolle tänzerische Szenen in „Goldene Wunden“. Foto: Bernd Schönberger

Cottbus. Erneut präsentierte die bewunderte heimische Kompanie einen begeisternden Ballettabend – diesmal mit gleich zwei Uraufführungen ganz unterschiedlicher choreografischer Handschriften am Staatstheater Cottbus. Beide Arbeiten, um es vorweg zu sagen, wurden zur Premiere letzten Samstag im vollbesetzten Haus frenetisch gefeiert.

„Fade-Outs“ – Ausblendungen (ein bühnentechnisch sehr geläufiger Begriff) – nennt der Brite Douglas Lee seine Reflexionen über Räume und Sinnlichkeit im Theaterleben. Einzelne Figuren, wie etwa eingangs der frappierende Kautschukmann oder später die Diva im Spiegelbild oder die Ballerinen zur Musik der Spieluhr, drängen sich vor, um alsbald im Raum zu verschwinden und sich, andeutend nur, doch zu finden. Das Spiel mit Raum und Licht und eindringlich forcierender Musik (Nicolas Sávva) gibt den scheu wirkenden Figuren Witz und Wärme. Es ist einfach genial, was Lee, der seit Jahren international erfolgreich und nun erstmals in Cottbus choreografiert, über das Allein und das Miteinander am Theater erzählt. Leigh Alderson, Alessandra Armorina, Mario Barcenilla Rubio, Jorge Cenception Leal, Clara Dufay, Kate Farley, Alyosa Forlini. Alessandro Giachetti, Laura Oakley, Tibor Perthel, Rachele Rossi, Nyla Tollasepp und Taro Yamada brillieren hier in ihrer Individualität.

Diese selben 13 Tänzerinnen und Tänzer verschmelzen in „Goldene Wunden“, der Choreografie von Inma Lopez, Co-Direktorin der Ballettsparte, zu einer Gemeinschaft, zu einem Ganzen voller veredelter Bruchstellen, zuletzt dargestellt an einer mystischen Porträtbüste. Inma Lopez, der Grünebaumpreisträgerin Greta Dato als Gast choreografisch assistiert hat, ließ sich von fernöstlichem Brauch, Zerbrochenes mit den Gebrauchsspuren als Wertvolles zu schätzen, inspirieren. So entstehen zu ebenso peitschender Musik dynamische Körperbilder von vielsprechender Ästhetik.

Beide Stücke kommen mit wenig Farbe und knapper, aber unentbehrlicher Bühnenausstattung (Pascale Arndtz) aus – einem roten Vorhang/Laufsteg und einer zerschlagenen weißen Büste, veredelt durch goldene Wundmale. Mit sparsamsten Mitteln wird so viel gesagt, dass tiefe Nachdenklichkeit in zweifachen standing ovations mitklingt.

Der schwarte Kautschukmann und seine Schatten, die sich im roten Vorhang verselbständigen.
Der schwarte Kautschukmann und seine Schatten, die sich im roten Vorhang verselbständigen Fotos: Bernd Schönberger

Weitere Vorstellungen: 7. März, 19.30 Uhr, 6. April, 16 Uhr, 18. April, 19.30 Uhr, 3. Mai sowie 5., 18. und 27. Juni.

J. Heinrich

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