Bitte aktiviere / Please enable JavaScript![ ? ]
Günter Friedrich - Ein Meister, der im Zorne ging - Märkischer Bote Günter Friedrich - Ein Meister, der im Zorne ging Günter Friedrich - Ein Meister, der im Zorne gingMärkischer Bote
Donnerstag, 22. Februar 2024 - 18:15 Uhr | Anmelden
  • Facebook SeiteTwitter Seite

header-logo

 
Overcast
11°C
 
das epaper der lausitzer heimatzeitung
Anzeigen

Günter Friedrich – Ein Meister, der im Zorne ging

Damals war´s | Von | 24. März 2023

Dieter Dressler

Dieter Dressler in seinen späten Jahren als der Maler des italienischen „Realismo“, als den er sich sah

Er war einer der begabtesten unter den Malern, die in den 1950er Jahren und danach ihr Glück im aufstrebenden Energiebezirk suchten und sich dort niederließen, wo die Luft am giftigsten war – in Schwarze Pumpe. Dieter Dressler kam mit Günter Friedrich (1930-86) aus Dresden, und während letzterer Beton und Blaue Bagger in Öl malte, lieferte Dressler kantige Arbeiterporträts, beschritt den „Bitterfelder Weg“ des Mittendrin, noch bevor der Begriff erfunden war.
Geboren 1932 und aufgewachsen ist Dressler in Dresden, wo er Dekorationsmaler lernte und ab 1950 an der Hochschule für Bildende Künste studierte. 1956 bis ‘58 vertiefte er sich in die Bilder des Gaskombinats, um dann als Meisterschüler an der Deutschen Akademie der Künste in Berlin bei Heinrich Ehmsen seinen Feinschliff zu gewinnen. Bis 1972 arbeitete er freischaffend in Spremberg, hatte einen Werkvertrag mit dem Kombinat Schwarze Pumpe und eine prägende Freundschaft mit der „Ankunfts“-Schriftstellerin Brigitte Reimann (1933-73) und deren Partner Siegfried Pitschmann.

Dresslers „Cottbuser Bauernmarkt“

Dresslers „Cottbuser Bauernmarkt“, Mosaikausführung von Kunsthandwerker Heinrich Jungebloedt

Nach eigenen Angaben erreichte Dressler schon 1957 ein Lehrauftrag für die Hochschule für Bildende Kunst, doch als er ablehnte, IM (Informeller Stasi-Mitarbeiter) zu werden, „hatte sich die Professur erledigt.“ Der Maler sah sich fortan verfolgt, die SED verwehrte ihm Wohnrecht in Berlin (eigene Angaben), und er musste zurück „in die Provinz nach Cottbus“, wo ihn (vermutete) Ankaufs- und Auftragssperren, veranlasst durch die SED-Bezirksleitung, zermürbten. In seinen Werken („Schreiende Bürger“) nahm er die 1989er Volksstimmung voraus. Sein Bild „Deutsche Rumpelkammer“ unbewältigter Geschichte von 1957 war trotzdem eines von sieben (!) seiner Arbeiten, die in der Exposition „Bekenntnis und Tat“ zum 40. Jahrestag der SED gezeigt wurden. Kurz darauf ließ sich Dressler ausbürgern. Er war sterbenskrank und kam nicht an geeignete Medikamente. Ein Arzt riet alternativ: Südfriedhof oder Süddeutschland. Dressler zog 1986 nach Bayern, schuf Stillleben und Pastelle von großer malerischer Dichte und Holzschnitte vom Berchtesgadener Land. In Cottbus blieb das Mosaik am „Stadttor“, handwerklich ausgeführt von Heinrich Jungbloedt (1884-1976), nach 1945 Restaurator des berühmten Pergamonaltars. D. Dressler starb im Februar 2011. H.

Weitere historische Beiträge aus der Niederlausitz finden Sie hier!



Anzeige

Kommentar schreiben

Kommentar


Das könnte Sie auch interessieren: