Spremberg: Blick auf einstige Dampfbäckerei

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Das Rätselfoto ist noch sehr jung und stammt aus dem Jahr 1998

Rentner aus Gotha erkennt väterlichen Betrieb und Geburtsort wieder:
Ein Anlieger (der Name ist der Redaktion bekannt), schreibt aus Dresden: „Gemeint ist wohl der Mühlenplatz, dieser befindet sich aber eigentlich rechts vor dem Bild. Das Foto ist vom Wohnblock am Mühlenplatz aus aufgenommen. Es stammt aus dem Sommer 1998, damals wurde gerade der Neubau rechts im Bild, Mühlenstraße 13-15, durch die Bauherrin Frau Ursula Erlebach fertiggestellt. Der dazu gehörende Baukran und die Baustelleneinrichtung steht davor auf dem Grundstück des nicht mehr existierenden Gebäudes Mühlenstraße 7. Im Bildvordergrund ist die damalige Ruine des Gebäudes Mühlenstraße 6 zu sehen. Das Hauptgebäude stammt im Erd- und Obergeschoss aus einer Bauzeit von etwa 1850 oder älter, das Dach wurde auf der Hofseite später aufgestockt. Im Erdgeschoss befand sich vor dem Leerstand eine Dampfbäckerei mit dem Verkaufsraum im Hauptgebäude, der jetzigen Gaststube und der Backstube im Seitenflügel. Dazu sende ich  anbei Bilder aus der Backstube, wohl aus der Zeit nach dem Krieg, und ein Foto vom Juli 1935 von der ehemaligen Besitzerin, der Mutter von Frau Vogt und Großmutter von Frau Volkmer. Die Ruinen auf der linken Seite im Hof des Gebäudes ohne Dach waren die ehemaligen Schweineställe. Das Gebäude hat einen Gewölbekeller, der wohl noch älter ist. Das Gebäude wurde 1999 von Frau Erlebach erworben und im Jahr 2000 um- und ausgebaut sowie saniert. Heute befindet sich dort die Gaststube „Am Mühlenwehr“, die nach wechselnden Betreibern zur Zeit leer steht, und drei Wohnungen. Die Front des ehemaligen Backofens wurde aus der Backstube im Seitenflügel entnommen, rekonstruiert und in der Gaststube als Blickfang eingebaut. Im Hof ist ein Brunnen rekonstruiert, der bei den Arbeiten freigelegt wurde. Links neben dem Gebäude, auf der freien Fläche, steht heute das Pflegeheim des Deutschen Roten Kreuzes. Hinter dem Gebäude Mühlenstraße 6 ist das damals noch nicht sanierte Gebäude Mühlenstraße 16 zu sehen und über dessen Dach der Rathausturm. Links daneben das kleine Gebäude Mühlenstraße 17 von Familie Laitko. Hinter dem Gebäude Mühlenstraße 17 ist das Gebäude Lange Straße 39-41 in dem Dachausbau zu sehen, in dem sich die Stadtapotheke befindet, die von 1988 bis 2011 von Ursula Erlebach betrieben wurde.
Vor dem Gebäude Mühlenstraße 6, zum Wohnblock am Mühlenplatz hin, befindet sich die Kleine Johannesgasse, die früher bei Spreehochwasser manchmal überflutet war und im Zuge der Stadtsanierung neu gestaltet und um etwa 60 Zentimeter angehoben wurde und seither trocken geblieben ist.
Hans-Jürgen Klammer ruft aus Gotha an: Das Haus im Vordergrund ist das Haus meiner Eltern. Da bin ich 1939 geboren. Das Haus war ein Wohn- und Geschäftshaus, das meinem Vater, dem Bäckermeister Paul Klammer, seit Mitte der 1930er Jahre gehörte. Der Mühlenplatz bot viel Platz zum Spielen für uns Kinder. Aber auch über die Spreewiesen zum Bootshaus, wo ein Fußballplatz war, ließ es sich gut toben. Die Kleingartenanlage hinter der Polizei habe ich erst kürzlich wieder besucht. Auch mein Vater hatte hier einen Garten. Einen alten Dampfkessel hatte er damals zum Wasserkessel für den Garten umfunktioniert. Der Kessel steht da heute noch. Mein Vater wurde dann zum Krieg eingezogen und die
Bäckerei und Konditorei Paul Klammer musste schließen. Da Spremberg total zerbombt werden sollte, mussten wir fliehen. Bis vor Leipzig ging es. Nach dem Krieg war unser Haus und das Geschäft mit Soldaten der Sowjetarmee besetzt. Notdürftig zogen wir in das kleine weiße Haus gegenüber, das auf dem Rätselfoto zu erkennen ist. Später konnten wir auch wieder in unser Haus. Mein Vater kehrte 1948 aus der Kriegsgefangenschaft nach Spremberg zurück. Meine Mutter Liselotte hatte die Weiterführung der Bäckerei bereits vorbereitet. Im Jahr 1955 ist mein Vater plötzlich, noch an Kriegsfolgen, gestorben. Das war auch das Ende der Bäckerei, da diese ohne Meister nicht weitergeführt werden konnte. Einen Meister einzustellen war finanziell aber nicht möglich. Ich erinnere mich noch gut, dass die Bäckerei meines Vaters für die damalige Zeit ordentlich ausgebaut war. Die Backstube mit Dampfbackofen und Terrazzo-Fußboden war sehr groß.  Ich habe ja auch eine Lehre zum Bäcker gemacht und wunderte mich oft, wie klein andere Backstuben waren.
Gewonnen hat Hans-Jürgen Klammer.
Glückwunsch!