Spremberg. Maidemonstration mit Diesel-Ameise in der Friedrichstraße’

damals110226_spbKundgebung unter Linden in der Friedrichstraße Leserin hat ihre Mutter erkannt / „Baden verboten“, damit Abwässer nicht gefrieren konnten
Waltraud Zawichowski erzählte uns am Telefon: „Auf dem Bild aus der Friedrichstraße ist meine Mutti, Selma Igel, zu sehen. Erkannt habe ich sie an ihrer Frisur und an dem Mantel. Auf dem Fahrzeug könnte eine Papierrolle sein.“
Helga Reichstein erkannte ebenfalls das Motiv: „Wir befinden uns hier in der Friedrichstraße bei der Bäckerei Homes. Vor einigen Jahren wurde daraus die Gaststätte ‘Zur Bäckerei’. Diese lief nicht so gut und inzwischen ist sie wieder dicht. Links daneben war ein Lebensmittelladen, der durch Fliegerbomben zerstört wurde. Ich bin nicht ganz sicher, aber ich denke er hieß ‘Rattei’. Als Kind habe ich in der Friedrichstraße 24 im Gebäude der Bäckerei Weiß gewohnt, dann kam Pfeifer, später Kußei, daneben die Färberei Richard Heimberger in der Nummer 25.“
Wilfried Klausch weiß zu berichten: „Das Foto zeigt den Bereich der Friedrichstraße mit dem Haus Nummer 17. In diesem Haus entstand später eine herrliche Gaststätte ‘Zur alten Bäckerei’. Das Haus nebenan wurde abgerissen.
Seit Mitte der 50er Jahre gab es in Spremberg die NVA mit einem Instandsetzungsbataillon. Auf dem Multicar, der auf dem Bild zu sehen ist, wurde symbolisch ein Ruinenfeld gezeigt mit der Aufschrift ‘Kampf dem Militarismus’. Schön ist, dass noch eine herrliche Pracht von Linden zu sehen ist, die den Staub der heute noch stärker frequentierten Straße gebunden hatte und zudem Schatten spendeten. Ich selbst wohne seit den 60er Jahren in dieser Straße und das Sonderbare war bis Mitte der 70er Jahre, dass wir die Abwässer der einzelnen Grundstücke nochmal ‘analysieren’ konnten, weil es damals noch keine Kanalisation gab. Im Sommer war das nicht so schön, da sich viele Fliegen ansammelten. Im Winter war in der Straße Badeverbot, weil das Wasser sonst gefror und nicht abfließen konnte. Die Fäkalien wurden ja in der Grube gesammelt. Die üblichen Abwasser haben wir direkt mit Eimern bis zum Gulli gebracht. Der Vorteil war, dass ein kräftiger Gewitterguss die Straßen völlig reinigte, eine praktische Grundreinigung.“
Manfred Gnida schreibt zu den Bild: „Der 1. Mai wurde 1949 offizieller Feiertag in der DDR und entwickelte sich unter dem Motto: ‘Ínternationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus’ zu einem Großereignis. Parolen, Spruchbänder und Symbole auf und an Fahrzeugen deuteten auf den Demonstrationen und Kundgebungen auf unterschiedliche Ereignisse und Verpflichtungen hin. An der geschmückten Diesel-Ameise (Multicar) erkennt man noch das 1. Mai-Abzeichen von 1960 und auf dem Aufbau eine große Rolle mit einem Band, Ruinen des Krieges und einer Aufschrift. Sinnlich würde ich dafür das Motto beschreiben: ‘Eine große Rolle ist ein geschlossener Kampf aller Menschen gegen den Militarismus.’ Die abgebildeten Personen und Fahrzeuge befinden sich auf der Friedrichstraße. Die Gebäude in dieser Straße haben in den letzten Jahren ihr Aussehen stark verändert und es wurde viel modernisiert und neu errichtet. So auch das Haus im Hintergrund wo eine Markise sichtbar angebracht ist.
Früher war dieser Teil der Straße auch nicht sehr schön, denn Kopfsteinpflaster, eine Wasserrinne entlang des Fußweges waren keine Freude und der Anblick der alten Häuser auch nicht das Beste.“