Wer das Reisen liebt, sieht irgendwann Sardinien und Korsika auf seiner Wunschliste blinken – die Insel des Kaisers der Franzosen und gleich dazu die noch größere, auf der Russlands Putin und Bayerns Titan Kahn ihre Ferienhäuschen haben. Wir waren dort und wollen nun ein paar Notizen ordnen.

Ein Katzensprung wird das nicht. Bis zur Fähre in Livorno/Italiensind es 1.300 Kilometer, bis zum Hafen in Frankreich noch etwas mehr. Ob Wohnmobil oder Pkw – ein oder zwei Übernachtungen unterwegs vermeiden Stress und bringen stattdessen vielleicht schöne Eindrücke aus Bayern, der Schweiz oder Italien. Ausgeruht stehen ferries-Passagiere dann an der Reling und genießen den Sonnenaufgang über Elba. Napoleon war vor seiner finalen Schlacht von Waterloo dorthin verbannt – einen Segeltörn nur entfernt von seiner Geburtsstadt Ajaccio an der Westküste Korsikas. Wir werden sie in ein paar Tagen besuchen, aber auch vorher begegnet uns der Inselheld in allen Orten. Plätze und Straßen tragen seinen Namen, auch der Flugplatz, und es fehlt nicht an Denkmalen.

In Bastia begrüßt er alle Ankommenden unter Palmen am Südende des riesigen Place Saint-Nicolas. Sandsteinfarben reckt er sich in Cäsarmanier athletisch gen Himmel. Wer sonntags ankommt, nimmt ihn vielleicht gar nicht wahr, denn auf dem Platz fesselt dann ein lebhafter südländischer Markt alle Aufmerksamkeit. Bastias Stimmung ist ansonsten, zumindest in der Mehrheit der vielen Kirchen, barock. Über den alten Hafen ragt ein Felsen mit der Zitadelle aus genuesischer Zeit – jetzt ein Touristenmagnet. Ehe Korsika 1788 – bis heute als Schande empfunden! – für zwei Millionen Francs an Frankreich verkauft wurde, herrschte hier rund 500 Jahre Genua. Vor allem die massiven Wachtürme entlang der Küste erinnern daran. Sie begleiten uns auf dem Weg in den „Finger“ nach Norden. Die herrliche, kurvenreiche Küstenstraße erschließt die Halbinsel, die als schönster Teil des ohnehin zauberhaften Inselreichs gilt.


Dass der Weg für „große Wohnmobile“ zu eng sei, ist eine Legende. Man sollte sich auf der gut ausgebauten Piste und vor allem vor engeren Kurven aber Zeit lassen, auch, um all die phantastischen Ausblicke zu genießen. Wer im Frühsommer reist, erlebt zudem den einzigartigen Macchia-Blütenduft. Napoleon schwor, er erkenne daran mit verbundenen Augen seine Heimatinsel. Das Krautgemisch aus Thymian. Ginster, Lavendel, Wacholder, Myrte, Zistrosen, Affodillen, Korkeiche, Erdbeerbaum und anderem bedeckt alle Hänge, wohl hinauf bis zum 2.700 Meter hohen Monte Cinto, auf dem, wenn hier alles blüht und das Mittelmeer sanft zum Bade lädt, normalerweise noch Skitouren möglich sind.


Unsere Cap-Cape-Tour berührt malerische Buchten, winzige Dörfer, oft einzeln stehende Häuser aus Schiefergestein und immer wieder die genuesische Türme, die wegen der Nachrichtenverbindung auf Sichtweite gebaut wurden. Mit Macinaggio haben wir den nördlichsten Ort diese Küstenstraße erreicht. Im Hafen ergänzen die Yacht-Kapitäne ihre Vorräte. Sie kommen aus aller Welt hierher. Der bärtige Norweger lacht über die Frage, wie lange er unterwegs sei. „Six Years“, sagt er. Dann war unser Weg ja kurz…

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