Reisebericht: Im Bahnhof Maputo

Szenenwechsel: Krieg und Krise machen den Deutschen Angst, titeln die üblicherweise gut informierten Tages- und Wochenblätter. Reisen kann helfen, dem Druck zeitweilig zu entkommen. Zu einigen Orten sind die Wege noch frei. Folgen Sie uns erneut in Städte, Wüsten und auf das weite Meer… Folge IV

Nach einem Badetag auf Elefant Island vor Madagaskar, wo es nie Elefanten, früher aber Elfenbeinschmuggler gab, erreichen wir am dritten Morgen afrikanisches Festland: Maputo, Hauptstadt von Mosambik, das wir früher Mocambique schrieben.

Von Petra & Jürgen HEINRICH

Auf der neuen Brücke, die die Hafeneinfahrt nach Maputo überspannt, rollt kaum Verkehr.
Auf der neuen Brücke, die die Hafeneinfahrt nach Maputo überspannt, rollt kaum Verkehr. Fotos: J. Heinrich

Wir Cottbuser erinnern uns daran, denn der strahlende Held dieses Landes, Samora Machel („Jung wie unsere Revolution“) ließ sich um 1980 zusammen mit Honecker am Sternchen in der Stadtpromenade feiern. Als er Diplomaten und Korrespondenten in sein soeben aus portugiesischer Kolonialhand entlassenes Land einlud, mussten die jung wie die Revolution sein. Die Wahl fiel auf einen Cottbuser ADN-Korrespondenten, der sich nicht so gern an das Abenteuer Mocambique erinnert. Mosambik heute ist eine Demokratie; die FRELIMO-Einheitspartei dominiert das Parlament, und so wird der 1986 im Flugzeug abgestürzte Revolutionsheld unverzagt mit Denkmalen und Straßennamen im Stadtbild von Maputo gefeiert.

Auf der Höhe der Zeit - gepflegte portugiesische Bahnhofsuhr.
Auf der Höhe der Zeit – gepflegte portugiesische Bahnhofsuhr.
Ehre wem Ehre gebührt: Hoch zu (Bronze-)Ross im Museum der portugiesisch-königliche Kommandeur der 1890 Jahre
Ehre wem Ehre gebührt: Hoch zu (Bronze-)Ross im Museum der portugiesisch-königliche Kommandeur der 1890 Jahre.
Lehrer der Revolution: Samora Machel am Hauptplatz
Lehrer der Revolution: Samora Machel am Hauptplatz.
Markthalle von 1801. Drinnen gibt es nicht viel mehr als das, was auch am Straßenrand geboten wird.
Markthalle von 1801. Drinnen gibt es nicht viel mehr als das, was auch am Straßenrand geboten wird.
Der Stolz der Hauptstadt Maputo: prächtiger Jugendstilbahnhof
Der Stolz der Hauptstadt Maputo: prächtiger Jugendstilbahnhof.

Die Hauptstadt, die erst seit 1976 Maputo heißt, war schon früh ein bedeutender Hafen und blühende Stadt. Stattliche Bauten, wie der schönste Bahnhof Afrikas von 1910, das Rathaus, die Nationalbibliothek und andere Gebäude im Historismus und Art Deco, leider oft von späteren gesichtslosen Betonklötzern verstellt, zeugen davon. Das Maputo der vorrevolutionären Zeit war ausschließlich von weißen Portugiesen bewohnt und entwickelte sich entsprechend. Schon 1895 gab es Eisenbahnanschluss nach Pretoria, 1933 eröffnete ein Theater, 1944 entstand die gotisierende Kathedrale. Das alles hatte wenig mit Afrika zu tun; es war ein ferner Portugal-Verschnitt, in dem es sich ganz gut lebte. Für den Gouverneur importierte man 1898 aus Belgien ein Haus ganz aus Eisen, das heute neben einem schönen Park, in dessen alten Bäumen Flughunde zum Mittagsschlaf abhängen, bewundern kann.

Obwohl es immer kriselt im Land, der IS zur Gefahr wird und der Bürgerkrieg erst seit 1992 vorbei ist, tragen die Städter niemandem frühere Ungleichheiten nach. Sie putzen liebevoll ihren Bahnhof, aus dem kaum Züge abgehen, ehren in vielen Bronzegüssen die portugiesische Soldateska und haben die Figuren der Revolutionstribünen für ihr militärhistorisches Museum mit geradezu kindlichem Eifer nachgeschnitzt. Im weiten Land –

Casa de Ferro, 1892. Ein Haus ganz aus Eisen, kaum zu kühlen unter afrikanischer Sonne, aber als Denkmal sorgsam gepflegt.
Casa de Ferro, 1892. Ein Haus ganz aus Eisen, kaum zu kühlen unter afrikanischer Sonne, aber als Denkmal sorgsam gepflegt.

Mosambik hat etwa 33 Milllionen Einwohner und eine 2800 Kilometer lange, zum Teil sehr schöne Küste zum Indischen Ozean – verliert sich der städtische Schein vorzeigbarer Pracht. Mosambik gehört zu den sehr armen Ländern, viele Einwohner sind Analphabeten, nicht alle Kinder gehen zur Grundschule und nur etwa 30 Prozent kommen überhaupt bis zur 6. oder 7. Klasse. Dennoch hat das Land Universitäten und bedeutendes kulturelles und künstlerisches Potenzial. Es gibt Bestrebungen mit Nationalparks der Big Fives und Küstenorten touristisches Potenzial aufzubauen. Seit einiger Zeit existiert sogar ein UNESCO-geschütztes Objekt in der Delega-Bucht – die einstige Hauptstadt von Portugiesisch-Ostafrika. Ob aber Touristen je im schönen Bahnhof aussteigen – wer weiß das schon… nächste Ausgabe: Safari von Durban

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