Szenenwechsel: Krieg und Krise machen den Deutschen Angst, titeln die üblicherweise gut informierten Tages- und Wochenblätter. Reisen kann helfen, dem Druck zeitweilig zu entkommen. Zu einigen Orten sind die Wege noch frei. Folgen Sie uns erneut in Städte, Wüsten und auf das weite Meer… Folge VI
Das Elefanten-Paradies hat uns beeindruckt, auch die Landschaft dort, bergig und sattgrün. Ein Stück westlicher liegt Mossel Bay, die Muschelbucht, nahe beim Kap der Guten Hoffnung.
Von Petra & Jürgen HEINRICH

Wer nicht über Stellenbosch von Capetown auf der Weinroute nach hier kommt und auch nicht vom Indischen Ozean her im Hafen anlegt, kommt vermutlich auf der berühmten Garden Route zu den Traumstränden von Mossel Bay. Wobei: Es gibt noch feinere Orte ganz in der Nähe, aber die Muschelbucht ist nun mal der Ort, an dem weiße Seefahrer erstmals südafrikanischen Boden betraten. Schon 1488 (Luther, geb. 1483, lernte noch in Eisleben das Buchstabieren;) legte der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Dias auf seiner Aufrikaumfahrung hier an. Den Namen Mossel Bay / Muschelbucht erfanden später holländische Seefahrer, die hier jede Menge Muscheln, Austern und Langusten fanden, wie man sie hier heute noch in guten Lokalen vorzüglich serviert bekommt.




Vieles ist hier lange geblieben, wie es früher war, und Charakteristisches wird für die Touristen, heute Hauptquell bescheidenen Wohlstands, teils stilvoll, teils landläufig gepflegt. Es gibt zwischen Mossel Bay, dem Einstieg zur berühmten Südroute, bis nach George und Port Elizabeth noble Orte, in denen sich feine Cafés und schicke Boutiquen aneinanderreihen, dazwischen die Stationen der „Wine Tram“, die Interessenten direkt zu den schönsten Weingütern fährt oder eben auch in traumhafte Picknick-Parks.
Da und dort begegnen dem aufmerksamen Entdecker noch die „Federpaläste“ – das sind die schicken Villen und Landhäuser der Straußen-Millionäre, die bis in die 1920er Jahre am europäischen Schick ihre goldenen Nasen verdient haben. war schon immer die Hochburg der Straußenindustrie, und noch heute blüht der Straßenhandel mit den grellbunt gefärbten Staubwedeln, die es in feinerer Verarbeitung zu mehrfachem Preis auch in den Markenläden gibt.
Wer nach einer Safari den Badeurlaub sucht oder ein Surf-Wagnis, kommt entlang der Küste überall auf seine Kosten. Aber auch das Festland hat es in sich. Die schönsten Wege von Ost nach West führen hier – ein kleiner Vorgeschmack auf Capetown am Tafelberg – durch stattliche Höhenlagen. Die Anreise auf der 59 Kilometer langen Bergstraße von George nach Oudfshoorn führt über den 800 Meter hohen Outeniqua Pass und bietet die herrlichsten Ausblicke auf waldreiche Gipfel und in geheimnisvolle Täler. Hier recken sich Baumriesen in den Himmel, darunter Titanen wie die 400jährigen Milkwood-Bäume, umschlungen von Ficus Lianenen. Dazu pfeift, flötet und tschilpt die bunte Vogelwelt eine großartige Sinfonie. Der Garten Eden könnte nicht schöner sein. Und in der Tat geht der Name des Distrikts Garden Route offiziell auf den Garten Eden zurück, wie zunächst das Gebiet zwischen Knysna und Uniondale hieß. Die Traumroute zieht sich fast immer küstennah am Indischen Ozean entlang, dessen Wale und Haie wir im letzten Beitrag unter die „Big Seven“ eingeordnet hatten. Die weitere Strecke von Mossel Bay nach Capetown, das wir mit unserer nächsten Folge erreichen, bezieht ihren ganz besonderen Reiz durch die Möglichkeit, von der Felsenstraße aus Wale zu beobachten und schließlich am Kap Agulhas Afrikas südlichsten Punkt zu erreichen.
nächste Ausgabe: Die Spur Nelson Mandelas
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